Anmerkungen über Honig und seine Sorten
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Der Honig aus trockenen, offenen Landstrichen, wo viel wilder Thymian, Rosmarin und Blumen wachsen, ist der beste. Es gibt ihn in drei Sorten: Jungfernhonig, Life-Honig und Stockhonig. Die erste ist die beste, der Life-Honig kommt als nächster.
Der Jungfernhonig stammt von Bienen, die im Frühjahr zuvor geschwärmt haben und im Herbst ausgenommen werden. Am besten wird er, wenn man die weißesten Waben des Stocks auswählt und den Honig dann aus ihnen ablaufen lässt, während sie auf einem Sieb liegen, ohne ihn zu pressen oder die Waben zu brechen.
Der Life-Honig stammt aus denselben Waben, die man zerbricht, nachdem der Jungfernhonig aus ihnen abgelaufen ist. Die Honighändler pflegen alle Sorten durcheinander zu mischen.
Der erste Honig eines Schwarms heißt Jungfernhonig. Der des nächsten Jahres, nachdem der Schwarm ausgebrütet wurde, ist Life-Honig. Und alles, was danach kommt, ist Honig alter Stöcke.
Honig, der aus den Waben herausgepresst wird, schmeckt immer nach Wachs.
Hampshire-Honig wird in London am höchsten geschätzt. Um Bisleter gibt es ganz ausgezeichneten. Manche halten den Honig aus Norfolk für den besten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Honey | Honig | - | - | - |
Was ist das? Kein Rezept, sondern eine Warenkunde: Digby unterscheidet Honig nach der Herkunftsgegend, nach dem Alter des Bienenvolks und danach, wie der Honig aus den Waben kommt.
Ablaufen statt Pressen. Der beste Honig läuft von selbst aus den weißesten Waben, die dabei auf einem Sieb liegen. Gepresster Honig schmeckt nach Digby immer nach Wachs; eine Begründung gibt er nicht.
Zwei Erklärungen für Life-Honig. Einmal ist er der Honig aus denselben Waben, die nach dem Ablaufen des Jungfernhonigs zerbrochen werden, einmal der Honig des zweiten Jahres eines Schwarms. Digby gleicht die beiden Angaben nicht aus.
Praxis. Für die Met-Rezepte des Buchs ist die Notiz Hintergrund: Wo Digby an anderer Stelle Virgin-honey oder Honig verlangt, der von selbst aus den Waben fließt, beschreibt sie, was er darunter versteht.
Ist dieser Text für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist kein Rezept, sondern eine Notiz über Honigsorten; es gibt nichts zuzubereiten.
Was unterscheidet Jungfernhonig, Life-Honig und Stockhonig nach Digby?
Jungfernhonig ist der erste Honig eines Schwarms; er läuft ohne Pressen aus den weißesten Waben ab. Life-Honig nennt Digby einmal den Honig aus denselben Waben, nachdem sie zerbrochen wurden, und einmal den Honig des nächsten Jahres. Alles danach ist Honig alter Stöcke.
Warum schmeckt gepresster Honig nach Wachs?
Digby stellt das nur fest: Honig, der aus den Waben herausgepresst wird, schmeckt immer nach Wachs. Eine Begründung gibt er nicht. Den besten Jungfernhonig lässt er ohne Pressen und ohne Brechen der Waben ablaufen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- Virgin-honey
Jungfernhonig. Ludwigs Wörterbuch von 1706 übersetzt „Virgin-honey“ mit „jungfrau-henig“. Digby bestimmt ihn als den ersten Honig eines Schwarms, aus den weißesten Waben ohne Pressen abgelaufen.
- Stock-honey
Digbys dritte und geringste Sorte, der Honig alter Stöcke: alles, was nach dem Life-Honig kommt.
- Bisleter
Ortsname, im Erstdruck kursiv gesetzt. Der Ort ist nicht identifiziert und bleibt in Digbys Schreibung stehen.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Honey | honey Q10987 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Life-honey
Gewählte Lesart: Als Digbys Wort „Life-Honig“ stehen gelassen. Er erklärt es zweimal verschieden: als Honig aus denselben Waben, die nach dem Ablaufen des Jungfernhonigs zerbrochen werden, und als Honig des zweiten Jahres eines Schwarms. Ludwig 1706, Blount, Phillips und Halliwell führen das Wort nicht.
Andere mögliche Lesart:
- „lebendiger Honig“ - Wörtliche Übersetzung von „life“; Digby gibt eine solche Bedeutung nirgends an, aus dem Text nicht zu stützen.
taken up in Autumn
Gewählte Lesart: „im Herbst ausgenommen“: der Stock wird im Herbst geerntet. Ludwig 1706 gibt für „to take up“ „aufnehmen, heben, wegnehmen“.
Andere mögliche Lesart:
- Die Bienen werden beim Ernten im Herbst getötet - Eine solche Sonderbedeutung von „take up“ ist in den geprüften Wörterbüchern nicht belegt, und der Text sagt nicht, wie geerntet wird.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
