Metheglin auf vier Arten
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Das Wasser vorbereiten: Nimm so viel Quellwasser oder reines Regenwasser, wie du für angemessen hältst, und lass es eine halbe Stunde gut kochen. Gieß es dann in eine hölzerne Kufe und lass es 74 Stunden absetzen. Gieß danach das Klare ab und lass den Bodensatz unten zurück. Dieses Wasser soll die Flüssigkeit sein für alle die verschiedenen Honiggetränke, die du ansetzen willst.
Erste Art: Erwärme sechzehn Gallonen dieses Wassers (lauwarm) und gib zwei Gallonen Honig dazu, in einem halben Zuber oder einem anderen passenden Holzgefäß. Schöpfe es zwei oder drei Stunden lang mit einem sauberen Arm oder einem hölzernen Schlägel sehr gut um, bis sich der Honig im Wasser gut gelöst hat. Lass es so zwei oder drei Tage im Holz stehen und schöpfe es dreimal am Tag jeweils eine ganze Weile um.
Gib es dann zurück in deinen Kupferkessel und lass es schwach sieden, bis du alles abgeschäumt hast, was an Unreinem aufsteigt. Kläre es mit Eiweiß. Gib dann eine kleine Handvoll gesäuberten, in Scheiben geschnittenen weißen Ingwer und ein wenig Muskatblüte hinein. Wenn diese genug gekocht haben, kommen ein paar zerstoßene Nelken, eine Zimtstange und ein wenig Zitronenschale dazu. Nach ein oder zwei Aufwallungen gieß die Flüssigkeit samt den Gewürzen in einen hölzernen halben Zuber. Decke ihn fest mit einem Tuch und einer Decke zu und lass es zwei Tage so stehen.
Lass die Flüssigkeit dann durch ein Beuteltuch laufen, um die Gewürze abzutrennen, und höre auf, bevor Bodensatz kommt. Gieß diese klare Flüssigkeit in Pottle-Flaschen aus Glas, ohne sie einen Fingerbreit oder mehr ganz zu füllen. Verschließe sie fest mit eingebundenem Kork und stell sie sechs, sieben oder acht Wochen an einen kühlen Ort.
Zweite Art: Koche in vierzig Gallonen des zuerst gekochten und abgesetzten Wassers je fünf Handvoll Weinrosen-Triebspitzen, Schlüsselblumenblüten, Primelblüten, Rosmarinblüten, Salbeiblüten, Borretschblüten und Ochsenzungenblüten. Dazu kommen zwei Handvoll Heilziest-Spitzen, vier Handvoll Odermennig, ebenso viel Skabiose, eine Handvoll Thymian, ebenso viel Majoran und zwei Unzen zerstoßene Senfsaat. Wenn das so lange gekocht hat, dass das Wasser nach deinem Urteil alle Kraft der Kräuter ausgezogen hat (das kann in einer halben Stunde sein), gieß alles in eine Kufe, damit es abkühlt und sich setzt.
Schöpfe die Kräuter ab und gieß das Klare vom Bodensatz. Gib zu je vier Gallonen dieser Flüssigkeit (lauwarm) eine Gallone Honig und schöpfe um, bis sich der Honig löst. Lass es zwei oder drei Tage stehen und schöpfe es jeden Tag dreimal gut um. Koche es dann, bis es ein Ei hoch trägt, kläre es mit Eiweiß und Eierschalen und gieß es in eine Kufe zum Abkühlen, was in einem Tag oder etwas länger geschieht. Solange es noch lauwarm ist, gib Bierhefe dazu, nicht mehr als nötig, damit es gärt. Fülle es dann in ein Rundlet passender Größe, das zuvor mit Sack vorbereitet wurde.
Hänge einen Beutel aus Beuteltuch hinein, in dem ein halbes Pfund gesäuberter, in Scheiben geschnittener weißer Ingwer steckt, dazu drei Unzen zerstoßene Nelken, ebenso viel zerstoßener Zimt, ebenso viel vorbereiteter Koriandersamen und ebenso viel Holunderblüten. Während es sich reinigt und durch Überlaufen am Spund abnimmt, fülle frischen, angewärmten Honigsud nach, den du eigens dafür aufbewahrst oder ansetzt. Wenn die Gärung fast zu Ende ist, verschließe das Fass fest mit Ton und Sand und achte sorgfältig darauf, dass es immer dicht verschlossen bleibt. Nach einem Jahr zieh es auf Pottle-Glasflaschen mit eingeschliffenen Glasstöpseln ab und bewahre sie an einem kühlen Ort auf, bis sie trinkreif sind, falls sie es noch nicht sind.
Achte darauf, dass nie Flüssigkeit länger im Kupferkessel bleibt, als sie dort kocht.
Dritte Art: Koche in zwanzig Gallonen des zuerst gekochten und abgesetzten Wassers sechs Handvoll Weinrosenblätter, ebenso viele Schlüsselblumenblüten, ebenso viele Primelblüten und ebenso viele Rosmarinblüten und eine halbe Handvoll Quendel, eine Viertel- oder halbe Stunde lang. Nimm dann das Klare und löse darin ein Sechstel Honig. Verfahre beim Kochen und Klären wie oben, koche aber nicht, bis es ein Ei trägt, sondern nur, bis es gut abgeschäumt und geklärt ist.
Gieß es dann in einen hölzernen Zuber und gib die Bierhefe dazu, wenn es die richtige Kühle hat, wie du es bei Bierwürze tun würdest. Lass es zugedeckt ausreichend gären. Fülle es dann in ein vorbereitetes Firkin und lege einen Toast aus Weißbrot hinein, bestrichen mit scharfem Senf. Hänge einen Beutel aus Beuteltuch hinein, in dem locker etwas Ingwer, Nelken und Zimt, alles zerstoßen, sowie ein wenig Zitronenschale und Holunderblüten stecken. Unten im Beutel liegt ein Kieselstein, damit der Beutel nach unten sinkt, und der Beutel wird an einer Schnur befestigt, die aus dem Spundloch kommt, damit er nicht ganz auf den Boden fällt. Verschließe das Spundloch sehr fest und zieh es nach sechs Wochen oder zwei Monaten auf Flaschen ab.
Vierte Art: Koche in zwanzig Gallonen gekochten und abgesetzten Wassers eine Viertelstunde lang zehn Handvoll Weinrosenblätter und ebenso viele Schlüsselblumen. Lass es dann im Holz abkühlen und sich setzen und nimm das Klare. Gib zu je vier Gallonen Flüssigkeit eine Gallone Honig und löse ihn wie bei den anderen zuvor beschriebenen. Koche es, bis kein Schaum mehr aufsteigt und ein Viertel eingekocht ist. Kläre es dann mit Eiweiß und den Eierschalen und bring es mit Bierhefe zum Gären.
Nach ausreichender Gärung fülle es ins Fass und hänge einen Beutel mit Ingwer, Nelken, Zimt und Zitronenschale hinein. Verschließe es sehr fest und zieh es nach zwei oder drei Monaten auf Flaschen ab.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Spring, or pure rain water | Quellwasser oder reines Regenwasser, gekocht und abgesetzt: 16 Gallonen (Art 1), 40 Gallonen (Art 2), je 20 Gallonen (Art 3 und 4) | - | - | - |
| two Gallons of Honey | Honig: 2 Gallonen (Art 1), 1 Gallone auf je 4 Gallonen Flüssigkeit (Art 2 und 4), ein Sechstel (Art 3) | - | - | - |
| whites and shells of Eggs | Eiweiß zum Klären (Art 1), Eiweiß und Eierschalen (Art 2 und 4) | - | - | - |
| a little handful of cleansed and sliced white Ginger | Weißer Ingwer, geputzt und in Scheiben: eine kleine Handvoll (Art 1), ½ Pfund im Beutel (Art 2); Ingwer, etwas (Art 3 und 4) | - | Gewürzhandel | - |
| a little mace | Ein wenig Muskatblüte (Art 1) | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| a few Cloves bruised | Nelken, zerstoßen: ein paar (Art 1), 3 Unzen im Beutel (Art 2), etwas (Art 3 und 4) | - | - | - |
| a stick of Cinamon | Zimt: 1 Stange (Art 1), 3 Unzen zerstoßen im Beutel (Art 2), etwas (Art 3 und 4) | - | - | - |
| a little Limmon-peel | Ein wenig Zitronenschale (Art 1 und 3), Zitronenschale (Art 4) | - | - | - |
| five handfuls of sweet-bryar tops | Weinrose: 5 Handvoll Triebspitzen (Art 2), 6 Handvoll Blätter (Art 3), 10 Handvoll Blätter (Art 4) | - | Gärtnerei | - |
| as much of Cowslip-flowers | Schlüsselblumen: 5 Handvoll Blüten (Art 2), 6 Handvoll Blüten (Art 3), 10 Handvoll (Art 4) | - | Online-Kräuterhandel | - |
| as much of Primrose-flowers | Primelblüten: 5 Handvoll (Art 2), 6 Handvoll (Art 3) | - | Online-Kräuterhandel | - |
| as much of Rosemary-flowers | Rosmarinblüten: 5 Handvoll (Art 2), 6 Handvoll (Art 3) | - | - | - |
| as much of Sage-flowers | Salbeiblüten (Art 2) | 5 Handvoll | - | - |
| as many of Borage-flowers | Borretschblüten (Art 2) | 5 Handvoll | - | - |
| as many of Bugloss-flowers | Ochsenzungenblüten (Art 2) | 5 Handvoll | Online-Kräuterhandel | - |
| two handfuls of the tops of Betony | Heilziest-Spitzen (Art 2) | 2 Handvoll | Online-Kräuterhandel | - |
| four handfuls of Agrimony | Odermennig (Art 2) | 4 Handvoll | Online-Kräuterhandel | - |
| as many of Scabious | Skabiose (Art 2) | 4 Handvoll | Online-Kräuterhandel | - |
| one handful of Thyme | Thymian (Art 2) | 1 Handvoll | - | - |
| as much of Sweet-marjoram | Majoran (Art 2) | 1 Handvoll | - | - |
| two ounces of Mustard-seed bruised | zerstoßene Senfsaat (Art 2) | 2 Unzen | - | - |
| half a handful of Wild thyme | Quendel (Art 3) | ½ Handvoll | - | Thymian |
| Ale-yest | Bierhefe, nicht mehr als nötig (Art 2, 3 und 4) | - | Brauereibedarf, Online-Handel | Obergärige Trockenhefe für Bier |
| seasoned with Sack | Sack zum Vorbereiten des Rundlets (Art 2) | - | Weinhandel | Süßer Sherry |
| as much Coriander seed prepared | Koriandersamen, vorbereitet (Art 2, im Beutel) | 3 Unzen | - | - |
| as much Elder-flowers | Holunderblüten: 3 Unzen (Art 2, im Beutel), ein wenig (Art 3, im Beutel) | - | - | - |
| a tost of white-bread | Toast aus Weißbrot (Art 3) | 1 | - | - |
| quick Mustard | Scharfer Senf zum Bestreichen (Art 3) | - | - | - |
Was ist das? Kein Einzelrezept, sondern vier Wege zum Metheglin aus demselben gekochten und abgesetzten Wasser. Sie unterscheiden sich im Honigverhältnis: zwei Gallonen auf sechzehn bei Art 1, ein Teil auf vier bei Art 2 und 4, ein Sechstel bei Art 3. Art 4 wird zusätzlich um ein Viertel eingekocht.
Das Wasser. Kochen und Absetzen trennen das Wasser vom Bodensatz, der in der Kufe zurückbleibt. Die Dauer des Absetzens steht bei den Lesarten.
Umschöpfen. Der Honig löst sich im lauwarmen Wasser durch ausdauerndes Bewegen, bei Art 1 stundenlang. Danach steht der Ansatz bei Art 1 und 2 zwei oder drei Tage ungekocht im Holz und wird dreimal täglich umgeschöpft, bevor er in den Kessel kommt. Digby begründet das nicht.
Abschäumen und Klären. Das Sieden dient hier vor allem dem Abschäumen, und Eiweiß, bei Art 2 und 4 mit den Schalen, klärt nach. Nur Art 2 wird bis zur Eierprobe gekocht, Art 3 ausdrücklich nicht. Art 4 hat das Viertel als Maß.
Hefe und Gärung. Art 2 bis 4 bekommen Bierhefe in die lauwarme oder passend kühle Flüssigkeit, wie man es bei Bierwürze täte, bei Art 2 mit dem Zusatz "nicht mehr als nötig". Eine Menge nennt Digby nicht. Bei Art 2 läuft der Überschuss der Gärung über den Spund ab, angewärmter Honigsud ersetzt das Verlorene, und erst fast am Ende der Gärung wird mit Ton und Sand verschlossen.
Gewürzbeutel. Bei Art 2 bis 4 hängen die Gewürze im Fass, bei Art 3 mit Kieselstein und Schnur, damit der Beutel tief hängt, aber den Boden nicht berührt. Den Toast mit Senf und die Warnung, keine Flüssigkeit länger als zum Kochen im Kupfer zu lassen, begründet Digby nicht.
Gärung bei Art 1. Art 1 nennt keine Hefe und kein Fass. Der Sud steht mit den Gewürzen zwei Tage zugedeckt im hölzernen halben Zuber und kommt danach auf Flaschen. Woher die Hefe kommt, sagt der Text nicht.
Flasche mit Steigraum. Die Flaschen bleiben einen Fingerbreit oder mehr unter dem Rand. Der Platz ist nötig, weil der Met in der Flasche gärt und dabei aufschäumt; eine randvolle Flasche liefe über. Die Korken werden festgebunden, denn die Kohlensäure dieser Flaschengärung kann nicht entweichen, bleibt im Met und drückt auf den Verschluss.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| Art 1: 2 Gallonen Honig auf 16 Gallonen Wasser (1 : 8), Einkochen nicht beziffert | 138-212 g/l | 1,053-1,082 | 53-82 | 13,1-19,7 | 8,2-12,6 % |
| Art 2: 1 Gallone Honig auf je 4 Gallonen Kräutersud (1 : 4), gekocht bis zur Eierprobe | 247-381 g/l | 1,096-1,147 | 96-147 | 22,8-33,7 | 14,7-22,6 % |
| Art 3: ein Sechstel Honig auf die Flüssigkeit (1 : 6), nur bis zum Abschäumen gekocht | 177-272 g/l | 1,068-1,105 | 68-105 | 16,6-24,9 | 10,5-16,2 % |
| Art 4: 1 Gallone Honig auf je 4 Gallonen Sud (1 : 4), um ein Viertel eingekocht | 280-305 g/l | 1,108-1,118 | 108-118 | 25,6-27,6 | 16,7-18,1 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen in jeder Art im selben Maß, die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Art 3 ist als ein Teil Honig auf sechs Teile Flüssigkeit gerechnet (siehe Lesarten). Nur Art 4 beziffert das Einkochen (ein Viertel), damit ist gerechnet; bei Art 1 bis 3 nennt Digby keinen Wert (Art 2 endet mit der Eierprobe), die Rechnung setzt dort einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind die Kräuter und Blüten, die Gewürze, Eiweiß und Eierschalen, die Hefe, der Senftoast, der Sack im Rundlet und bei Art 2 der warme Honigsud, der während der Gärung nachgefüllt wird.
Praxis. Die Ansätze sind groß, im kleineren Maßstab bleiben die Verhältnisse maßgeblich. Heutiger Hinweis, nicht bei Digby: Art 1 kommt noch gärend auf Flaschen, und Flaschengärung baut Druck auf; gewöhnliche Flaschen können dabei platzen. Man nimmt druckfeste Flaschen (Bügel- oder Sektflaschen), lagert sie kühl und öffnet sie vorsichtig. Wer Art 1 nachbraut, setzt heute Weinhefe zu.
Wo bekomme ich Odermennig, Heilziest, Skabiose und Ochsenzungenblüten?
Diese Kräuter gibt es getrocknet im Online-Kräuterhandel, teils auch als Pflanzen in Staudengärtnereien. Fehlt ein Kraut, geht es mit den übrigen der Liste weiter. Dann entsteht aber ein anderer Geschmack als bei Digby.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Art 1 steht sechs bis acht Wochen in Flaschen; die übrigen zieht Digby nach einem Jahr (Art 2), nach sechs Wochen oder zwei Monaten (Art 3) und nach zwei oder drei Monaten (Art 4) auf Flaschen. Gärung und Lagerung über diese Zeiten sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
Was bedeuten Gallone, Pottle, Rundlet und Firkin?
Es sind englische Maße und Fassnamen. Die Gallone ist ein Hohlmaß; Digby sagt nicht, welche er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Rundlet und Firkin sind kleine Fässer, ein Pottle sind nach dem Glossar der Ausgabe 1910 zwei Quart.
Gärt die erste Art, obwohl Digby keine Hefe nennt?
Die Flaschen sprechen dafür: Sie bleiben einen Fingerbreit frei und werden mit festgebundenem Kork verschlossen, das Getränk gärt also in der Flasche. Eine Hefe nennt Digby bei Art 1 nicht und auch kein Fass; der Sud steht nur zwei Tage zugedeckt im hölzernen halben Zuber. Woher die Hefe kommt, sagt der Text nicht. Die Kohlensäure dieser Flaschengärung bleibt im Getränk. Heute heißt das: Gewöhnliche Flaschen können platzen, man nimmt druckfeste Flaschen und lagert sie kühl. Wer nachbraut, setzt Weinhefe zu.
Warum steht im Rezept 74 Stunden Absetzzeit?
So steht es in der Ausgabe 1910, der die Übersetzung folgt. Der Erstdruck von 1669 hat an dieser Stelle 24 Stunden, was für einen Lesefehler der späteren Ausgabe spricht. Ob die Übersetzung umgestellt wird, ist noch nicht entschieden.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- Gallon
Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.
- Lave
Schöpfen oder Umschöpfen. Gemeint ist, die Flüssigkeit mit Arm oder Schlägel zu bewegen und den Honig so zu lösen, nicht 'waschen'.
- battle-door
Ein hölzernes Schlaggerät, hier zum Umrühren und Umschöpfen des Honigwassers. Hier wird es als hölzerner Schlägel gelesen.
- bolter
Ein Beuteltuch, wie es zum Beuteln von Mehl dient (Ludwig 1706: "ein Mehlbeutel"). Es dient hier einmal zum Durchlaufenlassen der Flüssigkeit (Art 1) und als Beutel für die Gewürze im Fass (Art 2 und 3).
- pottle-bottles
Flaschen für einen Pottle. Ein Pottle ist nach dem Wörterbuch zu Digby ein Maß von zwei Quart. Die Flaschen werden nicht ganz gefüllt, ein Fingerbreit bleibt frei: Der Met gärt in der Flasche weiter und schäumt dabei auf, eine randvolle Flasche liefe über.
- sweet-bryar
Weinrose (Rosa rubiginosa), auch Eglantine. Verwendet werden Blätter und Triebspitzen als Würze, es ist keine Brombeere.
- Betony / Agrimony / Scabious
Heilziest, Odermennig und Skabiose, drei Heilkräuter der Zeit. Digby setzt sie in Art 2 zusammen mit Blüten und Küchenkräutern ein.
- Rundlet / Firkin
Kleine Fässer. Inhalte nennt Digby hier nicht; beim Rundlet verlangt er nur eine passende Größe.
- Sack
Süßer, gespriteter Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren. Das Rundlet wird damit vorbereitet ("seasoned"), bevor der Met hineinkommt; Ludwig 1706 erklärt ein solches Gefäß als eines, "darinne wein gewesen".
- quick Mustard
"Quick" heißt lebhaft, hier scharf. Auf den Toast gestrichen kommt der Senf im Firkin in den Met. Einen Grund nennt Digby nicht.
- bear an Egge high
Die Eierprobe: Die Flüssigkeit ist weit genug eingekocht, wenn sie das Ei hoch trägt. Eine Münze oder ein Maß dafür, wie viel herausragen soll, nennt Digby hier nicht.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| two Gallons of Honey | honey Q10987 |
| a little handful of cleansed and sliced white Ginger | ginger Q15046077 |
| a little mace | mace Q1882876 |
| a few Cloves bruised | clove Q15622897 |
| a stick of Cinamon | cinnamon Q28165 |
| as much of Sweet-marjoram | marjoram Q22694 |
| as much Elder-flowers | elder flower Q67778134 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
74 hours / 24 hours
Gewählte Lesart: Die Übersetzung folgt vorerst der Ausgabe 1910 (74 Stunden). Erstdruck 1669, S. 37: "let it settle 24 hours" / Ausgabe 1910: "let it settle 74 hours".
Andere mögliche Lesart:
- 24 Stunden - So steht es im Erstdruck 1669, die erste Ziffer ist dort schwach gedruckt, aber als 2 zu lesen. Das spricht für einen Lesefehler der späteren Ausgabe.
Bugloss
Gewählte Lesart: Ochsenzunge (Anchusa), so auch Ludwig 1706 ("ochsenzung"), neben Borretsch genannt.
Andere mögliche Lesart:
- Natternkopf (Echium vulgare) - Britten führt auch diese Pflanze unter dem Namen. Der Text trennt die beiden nicht.
a sixth part of honey
Gewählte Lesart: Ein Sechstel Honig bezogen auf die Flüssigkeit, in die er gelöst wird, also ein Teil Honig auf sechs Teile Flüssigkeit.
Andere mögliche Lesart:
- Ein Sechstel der gesamten Menge einschließlich Honig - Digby nennt den Bezug nicht. Bei Art 2 und 4 rechnet er ausdrücklich auf die Flüssigkeit.
Erste Art ohne Hefe
Gewählte Lesart: Digby nennt bei Art 1 keine Hefe und kein Fass; der gekochte Sud steht zwei Tage zugedeckt im hölzernen halben Zuber. Woher die Hefe kommt, bleibt offen. Dass die Flaschen nicht ganz gefüllt und die Korken festgebunden werden, spricht dafür, dass das Getränk in der Flasche gärt.
Andere mögliche Lesart:
- Digby setzt eine Hefegabe wie bei Art 2 bis 4 stillschweigend voraus. - Art 2 bis 4 nennen die Bierhefe ausdrücklich, Art 1 nicht. Daher wird nichts ergänzt.
Coriander seed prepared
Gewählte Lesart: Wörtlich "vorbereiteter" Koriandersamen. Was die Vorbereitung ist, sagt Digby nicht, und die befragten Wörterbücher klären es nicht.
Andere mögliche Lesart:
- Eine feste Apothekerzubereitung - Möglich, weil "prepared" in Arzneitexten eine Fachbedeutung haben kann, hier aber nicht belegt.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
