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Met mit Hopfen, gebeiztem Koriander und Salbei

Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa, anderer Teil (Nürnberg: Endter 1682), Buch 10 Teil 1 Kap. 51 „Vom Meth-sieden“ · Niederösterreich (Druck Nürnberg) · 1682

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 60 Min. KüchenzeitBuchHohberg: Georgica Curiosa (Vom Met-Sieden) (~1682)

Auf eine etwas andere Weise wird er so gemacht:

Man nimmt auf acht Kannen Wasser eine Kanne Honig, lässt es in einem Kessel ganz gemächlich sieden und gut abschäumen, damit er schön hell wird.

Zuvor aber muss man in ein Säcklein zwei Hand voll Hopfen und zwei gute Hand voll Koriander tun, der vorher 24 Stunden in gutem Weinessig gebeizt, wieder getrocknet und in einem Mörser zerstoßen worden ist, dazu ungefähr 12 Blättlein ein wenig gedörrten Salbei. Dieses Säcklein hängt man in den Met.

Außerdem gibt man gesondert in ein zweites Säcklein folgendes Gewürz: eine ganze Muskatnuss, ein wenig Nelken, Zimt und Galgant, alles ein wenig zerstoßen. Auch dieses hängt man in den Met, samt ein wenig Safran, und lässt alles darin eine Stunde lang sieden.

Danach gießt man es in Bottiche und lässt es gut abkühlen, ehe man es in die Fässlein gießt. Sie müssen wie für Bier ausgepicht sein. Man darf aber nicht zu wenig davon sieden, damit man nachfüllen kann.

Danach lässt man es stehen, damit es vergärt wie ein Most, und wenn er vergoren hat, verspundet man ihn. In 14 Tagen ist er fertig. Die Säcklein muss man wegtun, doch vorher gut ausdrücken, ehe man ihn aus dem Kessel gießt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
acht Kannen Waſſer Kannen Wasser 8 - -
eine Kanne Hoͤnig Kanne Honig 1 - -
zwo Hand voll Hopffen Hand voll Hopfen 2 Heimbrauerbedarf, Online-Handel -
zwo gute Hand voll Coriander gute Hand voll Koriander 2 - -
guten Wein-Eſſig guter Weinessig - - -
12 Blaͤtlein ohngefehr ein wenig gedoͤrꝛten Salve ungefähr 12 Blättlein Salbei 12 Blätter - -
eine gantze Muſcatnuß ganze Muskatnuss 1 - -
ein wenig Negelein ein wenig Nelken - - -
Zimmet Zimt - - -
Galgant Galgant - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ein wenig Saffran ein wenig Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Was ist das? Ein gesottener Met im selben Verhältnis wie im vorhergehenden Verfahren, acht Teile Wasser auf einen Teil Honig. Der Unterschied liegt beim Würzen: Dort hängt das Gewürz im Tüchlein im Fass und gärt mit, hier sieden Hopfen, Koriander, Salbei und Gewürz in zwei Säcklein eine Stunde im Kessel und kommen vor dem Ausgießen heraus.

Der Koriander. Belegt sind die drei Schritte: 24 Stunden in gutem Weinessig beizen, wieder trocknen, im Mörser zerstoßen. Das Stoßen weist auf die harten Früchte. Warum gebeizt wird, sagt Hohberg nicht. Vorbereiteten Koriander hat auch Digby in einem Metheglin, ohne das Verfahren zu nennen. Dass es eine Vorbereitung aus der Apotheke ist, liegt nahe, ist aber nur eine Deutung, für die uns ein Beleg fehlt.

Hopfen und Säcklein. Heute weiß man: Hopfen gibt Bitterkeit und hilft im Bier gegen Verderb. Hohberg begründet ihn hier nicht. Die Säcklein werden am Ende ausgedrückt, damit nichts vom Sud darin bleibt; diesen Schritt holt er erst im letzten Satz nach, er gehört vor das Ausgießen. Ob der Safran mit ins Säcklein kommt, lässt der Text offen. Im vorhergehenden Verfahren steht er ausdrücklich „der Farb halber“.

Nicht zu wenig sieden. Gemeint ist die Menge, denn die Zeit ist mit der Stunde schon genannt: Man siedet so viel, dass ein Vorrat zum Nachfüllen der Fässlein bleibt. Wann nachgefüllt wird, sagt Hohberg nicht.

Hefe und Gärung. Eine Hefe nennt der Text nicht, und ein gesottener Sud bringt selbst keine mit. Er gärt mit der Fasshefe, der eingefahrenen Hefe im Holz immer wieder benutzter Fässer, in denen sich über die Ansätze die gärkräftigen Stämme durchgesetzt haben. „Wie ein Most“ meint das Gären im Fass, wie man es vom Wein kennt. Die Fässlein sind „wie zum Bier“ gepicht. Ob sie dafür frisch gepicht werden und wie die Hefe dann durch die Pechschicht kommt, beantwortet der Text nicht.

Verspunden und die 14 Tage. Verspundet wird erst, „wann er vergieret hat“; ein Zeichen dafür nennt Hohberg nicht. Die 14 Tage sind seine Angabe und kurz gegen die drei Monate des vorhergehenden Verfahrens. Heute würde man sagen: Der Met ist dann jung und kann noch Zucker tragen. Arbeitet er im fest verspundeten Fass weiter, baut sich Druck auf.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
„auf acht Kannen Waſſer/ eine Kanne Hoͤnig“, eine Stunde gesotten138-212 g/l1,053-1,08253-8213,1-19,78,2-12,6 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind in derselben Kanne gemessen, ihre Größe kürzt sich heraus. Hohberg beziffert das Einkochen nicht, er nennt nur die Stunde; die Rechnung nimmt daher einen Einkochverlust von 15-40 % an, der den größten Teil der Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Hopfen, Koriander, Salbei, Gewürze und das Nachfüllen.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Hohberg: Ohne ein eingefahrenes Fass setzt man Weinhefe zu, erst wenn der Sud gut abgekühlt ist. Solange der Met noch arbeitet, verschließt man ihn nicht fest, sondern zum Beispiel mit einem Gärröhrchen. Die Mengen von Hopfen und Koriander gelten bei Hohberg für acht Kannen Wasser; da die Kanne keine genannte Größe hat, bleibt das Verhältnis der Hand voll zur Kanne Ermessenssache.

Wo bekomme ich Hopfen für Met?

Getrocknete Hopfendolden gibt es im Heimbrauerbedarf und online. Ob sein Hopfen frisch oder getrocknet ist, sagt Hohberg nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Gärung und Lagerung über Tage bis Wochen sind im Lager nicht verlässlich zu führen. Der Sud ist an einem Tag gemacht, danach muss der Met im Fässlein vergären, und Hohberg rechnet 14 Tage, bis er fertig ist.

Was bedeutet 'Kanne' im Rezept?

Ein Maß, dessen Größe Hohberg nicht nennt. Entscheidend ist das Verhältnis: auf acht Teile Wasser kommt ein Teil Honig, gemessen im selben Gefäß.

Woher kommt die Hefe, wenn keine genannt ist?

Aus dem Fass: Der gesottene Sud gärt mit der Fasshefe, der eingefahrenen Hefe im Holz immer wieder benutzter Fässer. Heutiger Hinweis: Ohne ein solches Fass setzt man Weinhefe zu.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Hohberg: Georgica Curiosa (Vom Met-Sieden) (1682, Niederösterreich - Druck Nürnberg). Aus Hohbergs großem Hausväterbuch das Kapitel vom Met-Sieden: Met aus den Hundstagen, ein Met mit in Weinessig gebeiztem Koriander und Salbei, der Met nach dem Bienenbüchlein, ein Malvasier aus Honig nach de Serres und ein Kellertipp für verdorbenen Met.

Auf ein wenig andere Weiſe wird er alſo gemacht: Man nimmt auf acht Kannen Waſſer, eine Kanne Hoͤnig, laͤſſet es in einem Keſſel fein gemach ſieden, und wol abſchaumen, daß er ſchoͤn liecht wird, zuvor aber muß man in ein Saͤcklein thun zwo Hand voll Hopffen, und zwo gute Hand voll Coriander, der zuvor 24 Stunden in guten Wein-Eſſig gebaiſt, wieder getrocknet, und in einem Moͤrſer zerſtoſſen worden, auch 12 Blaͤtlein ohngefehr ein wenig gedoͤrꝛten Salve; diß Saͤcklein in den Meth gehenckt, auch abſonderlich in ein anders Saͤcklein folgendes Gewuͤrtze gethan, eine gantze Muſcatnuß, ein wenig Negelein, Zimmet, Galgant, alles ein wenig zerſtoſſen und gleichesfalls in dem Meth gehenckt, ſamt ein wenig Saffran, und alles darinnen ſieden laſſen, auf eine Stund lang, hernach in Schaͤffer gegoſſen, und wol abkuͤhlen laſſen, ehe mans in die Faͤßlein gieſſt, ſie muͤſſen, wie zum Bier, gepicht ſeyn, man muß ihn aber nicht zu wenig ſieden, daß man nachfuͤllen kan, darnach laͤſſt mans ſtehen, daß es vergiere wie ein Moſt, und wann er vergieret hat, ſo verbailt man ihn, in 14 Tagen iſt er gerecht; die Saͤcklein muß man wegthun, doch zuvor wol ausdrucken, ehe man ihn aus dem Keſſel gieſſet.
Kannen

Hohberg sagt nicht, wie groß seine Kanne ist. Es zählt das Verhältnis: acht Teile Wasser auf einen Teil Honig. Hier nicht umgerechnet.

Schäffer

Schaff, Bottich: das Gefäß, in dem der Met abkühlt, ehe er in die Fässlein kommt.

gepicht

Mit Pech ausgekleidet, wie die Fässer für Bier.

verbailt

Verspundet. Das Wort hängt am „Peil“, dem Holz, mit dem das Spundloch verschlossen wird; Schmeller führt es nach Höfer und Castelli.

gerecht

Fertig, bereit.

Druck
Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa, anderer Teil (Nürnberg: Endter 1682), Buch 10 Teil 1 Kap. 51 „Vom Meth-sieden“
Sprache
Frühneuhochdeutsch, bairisch-österreichisch (Nürnberg 1682); Wolf Helmhard von Hohberg, niederösterreichischer Landadliger
Entstehung
Niederösterreich (Druck Nürnberg), 1682

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein wenig Negeleinclove Q15622897
Zimmetcinnamon Q28165
Galgantlesser galangal Q27653540
ein wenig Saffransaffron Q25434

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCoriander/ der zuvor 24 Stunden in guten Wein-Eſſig gebaiſt

Gewählte Lesart: Wörtlich: Die Korianderfrüchte werden 24 Stunden in Weinessig eingelegt (beizen als einweichen, Schottelius: „macerare“), getrocknet und gestoßen. Einen Zweck nennt Hohberg nicht, deshalb nennt ihn auch die Übersetzung nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine aus der Apotheke übernommene Vorbereitung des Korianders - Möglich, auch Digby kennt „Coriander seed prepared“ ohne Verfahren. In den geprüften Nachschlagewerken fehlt aber ein Beleg für dieses Verfahren, daher nur Vermutung.

Lesartſamt ein wenig Saffran

Gewählte Lesart: Der Safran kommt zusätzlich in den Met. Er steht nicht in der Aufzählung des Gewürzes, sondern erst nach dem Einhängen; die Übersetzung behält das „samt“.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Safran kommt mit ins Gewürzsäcklein - Grammatisch ebenfalls möglich, weil „samt“ an „gehenckt“ anschließt.

Lesartin 14 Tagen iſt er gerecht

Gewählte Lesart: Hohberg nennt keinen Beginn. Nach der Satzfolge liegt es nahe, ab dem Verspunden zu zählen; die Übersetzung lässt es so offen wie der Text.

Andere mögliche Lesart:

  • Gezählt ab dem Füllen der Fässlein - Ebenso möglich: Dann läge auch die Gärung in den 14 Tagen.

Originalwerk (~1682) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 400, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (PPN661042995), Public Domain Mark Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv, hohberg_georgica02_1682 (CC BY-NC 3.0) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/hoh-002
LagerkücheLagerküche
Gärung und Lagerung über Tage bis Wochen sind im Lager nicht verlässlich zu führen: Nach dem Sieden muss der Met im Fässlein vergären, und Hohberg rechnet 14 Tage, bis er fertig ist.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.