Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Die Eier am großen, stumpfen Ende aufschlagen. Den Inhalt gut verrühren. Safran, Pfeffer und gehackte Petersilie oder Salbei dazugeben.
Die gewürzte Eiermasse in einer Pfanne braten. Die gebratene Masse fein hacken.
Die gehackte Masse wieder in die leeren Eierschalen füllen. Die gefüllten Schalen auf einen Spieß stecken.
Den Spieß auf einen Rost legen und die Eier gründlich braten.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayren | Eier | - | - | - |
| Saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| gehackten petersill . oder saluan | Petersilie, gehackt | - | - | Salbei (im Original als gleichwertige Alternative genannt) |
Welches Gericht ist das? Das ist der korpusweit belegte Rezepttyp "Krause Eier": Das Ei wird am stumpfen Ende geöffnet, der Inhalt gewürzt und angebraten, dann klein gehackt und zurück in die leere Schale gefüllt, bevor die Schale nochmals am Spieß über der Glut gebräunt wird. Drei enge Zwillinge im Bestand (m384-082, ri15632-007, rfk-047) bestätigen dieses Verfahren Schritt für Schritt. Die nächsten lebenden Verwandten sind gefüllte bzw. "russische" Eier - mit dem Unterschied, dass hier auch die Schale selbst nochmal über dem Feuer gebräunt wird. Eine Besonderheit: Während die Zwillinge nur den Dotter verwenden, nimmt dieses Rezept laut Transkript das ganze Ei - ein echter kleiner Unterschied zwischen den Fassungen.
Praxis. Das Ei vorsichtig am stumpfen Ende aufschlagen, damit die Schale möglichst als Ganzes erhalten bleibt und später wieder befüllt werden kann. Den Inhalt in eine Schüssel geben, gut verquirlen und mit Safran, Pfeffer sowie gehackter Petersilie oder Salbei würzen - der Text nennt eine Wahl zwischen den beiden Kräutern, nicht beide zusammen. Die Masse in der Pfanne braten, bis sie durchgestockt ist, dann fein hacken und zurück in die leere Schale füllen. Beim Aufstecken auf den Metallspieß ist Vorsicht geboten: Die dünne, bereits einmal geöffnete Schale zerbricht leicht, am besten nah am Schalenrand und mit wenig Druck ansetzen. Den bestückten Spieß auf den Rost über die Glut legen und die Eier nochmals rundum bräunen - da die Füllung durch das Anbraten in der Pfanne bereits durchgegart ist, dient dieser zweite Durchgang vor allem der Bräunung und dem Auftritt am Tisch, nicht mehr dem eigentlichen Garen.
Gemeint ist das stumpfe, dickere Ende des Eis. Öffnet man das Ei dort vorsichtig, bleibt die Schale weitgehend intakt und kann später als kleines Gefäß wieder befüllt werden.
Ja, gut machbar. Pfanne, Spieß und Rost über dem Feuer reichen aus, alles ist in einer halben Stunde fertig. Die größte Sorgfalt braucht das vorsichtige Öffnen und Wiederbefüllen der Eierschalen sowie das anschließende Aufstecken der bereits geöffneten, dünnen Schale auf den Spieß, ohne dass sie zerbricht.
Der Originaltext nennt beide Kräuter als gleichwertige Alternative ('oder'), nicht als gemeinsame Zutat. Petersilie gibt eine frische, milde Note, Salbei eine kräftigere, würzigere - beides ist historisch belegt und richtig.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Partizip von 'braten' = gebraten, hier auf die Eier bezogen. Nicht zu verwechseln mit 'Brät' (Fleischfarce), das ein anderes Wort ist.
Das große bzw. stumpfe Ende des Eis (Gegenteil der spitzen Seite). Dort öffnet man das Ei, damit die Schale als Gefäß erhalten bleibt und später wieder befüllt werden kann.
Salbei (Salvia officinalis), hier als Alternative zur Petersilie genannt.
Rost/Gitter zum Auflegen über die Glut, auf dem der Spieß mit den gefüllten Eierschalen fertig gebraten wird.
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