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Feigenkompott mit Lebkuchen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit50 Min.Portionen4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Steche sechs Feigen auf ein kleines Spießlein, mache so viele, wie du möchtest, und siede sie in einem Kessel oder in einem Topf. Gieße Wein und Wasser im gleichen Verhältnis dazu.

Nimm danach Brot und geriebenen Lebkuchen und gib das in die Brühe von den Feigen. Nimm Essig und Honig hinzu und treibe alles durch ein Tuch oder durch ein Sieb. Würze und färbe es, und lass es in einer Pfanne zusammen aufwallen.

Lege die Feigen in ein reines Gefäß und gieße die Sauce darüber. Wenn du das Gericht anrichtest, gib es kalt hin.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
sechs veigen Feigen 6 - Getrocknete Feigen über Nacht in Wasser einweichen, wenn keine frischen erhältlich sind
wein Wein - - -
wasser Wasser - Leitung -
prot Brot - - -
leczellten geriben geriebener Lebkuchen - Bäckerei, Gewürzhandel Handelsübliche Printen oder Lebkuchen fein reiben
essich Essig - - -
honig Honig - - -
gewurcz Gewürze - - Klassisch Zimt, Ingwer oder Nelken je nach Vorliebe

Welches Gericht ist das? Eine kalt servierte süßsaure Feigenkonserve: Feigen werden im Wein-Wasser-Sud gegart, die Sauce wird mit Brot und geriebenem Lebkuchen sämig gebunden, mit Essig und Honig süßsauer abgeschmeckt und durch ein Tuch passiert. Das Ergebnis ist ein Vorläufer heutiger Fruchtchutneys bzw. der Mostarda-Familie (gewürzte, süßsaure Fruchtkonserven, vgl. Mostarda di Cremona).

Das Aufspießen der sechs Feigen auf ein kleines Spießlein vor dem Sieden ist der am wenigsten selbsterklärende Schritt: ein Spieß ist eigentlich ein Brat-, kein Kochwerkzeug, und weich gegarte Feigen können davon abrutschen. Eine denkbare Funktion - leichteres, portionsweises Herausnehmen aus dem heißen Sud - steht nicht im Text und bleibt Vermutung, keine belegte Erklärung.

Die Bindung erfolgt ohne Mehl, allein durch geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen (leczellten) - zeittypisch, denn die Mehlschwitze wäre hier anachronistisch. Der Lebkuchen liefert der Sauce zugleich Würze, Süße und eine dunkle Farbe.

Praxis. Feigen auf ein kleines Spießlein stecken und im Kessel oder Topf in Wein und Wasser zu gleichen Teilen sieden. Brot und geriebenen Lebkuchen in den Feigensud geben, mit Essig und Honig verrühren und durch ein Tuch oder Sieb passieren, bis die Sauce glatt ist. Würzen, färben, in einer Pfanne gemeinsam einmal aufwallen lassen. Feigen in ein reines Gefäß legen, die Sauce darübergießen und kalt servieren. Rechne mit 45-60 Minuten am Feuer; Tuch oder Sieb ist das einzige Extra-Werkzeug. Mengenangaben für Wein/Wasser, Essig, Honig, Brot und Lebkuchen fehlen im Original bewusst - nach Geschmack und Sud-Menge dosieren.

Was ist mit 'Lebkuchen' als Zutat gemeint - kann ich handelsüblichen Lebkuchen nehmen?

Ja. 'Leczellten' bezeichnet ein gewürztes, honigsüßes Gebäck, wie es auch heute als Lebkuchen oder Printen bekannt ist. Im Rezept wird es gerieben und dient als Bindemittel und zusätzlicher Würz- und Süßgeber für die Sauce - ein einfacher Trick, statt mit Mehl zu binden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut machbar. Du brauchst einen Topf, ein Tuch oder Sieb zum Durchtreiben der Sauce und eine Pfanne zum Aufwallen. Serviere es zeitnah nach der Zubereitung und lass es nicht lange bei Sommerhitze in der Sonne stehen.

Warum wird das Kochgefäß 'Kessel oder Hafen' genannt - ist das dasselbe?

'Kessel' und 'Hafen' sind beide gängige Bezeichnungen für Kochgefäße der Zeit. Eine belegte Größen- oder Materialunterscheidung zwischen beiden lässt sich nicht bestätigen - das Rezept lässt bewusst offen, welches der beiden verwendet wird, beide funktionieren gleich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

von veigen ein ze machen Item stoesz sechs veigen an ain spislein vnd mach der wie vil du wild vnd seud sy In ainem kessel oder In ainem hafen vnd geuss geleich wein vnd wasser daran Dornach nym prot vnd leczellten geriben vnd thue das an die suppen von den veigen vnd nym essich vnd honig vnd treib das durch ain tuoch oder durch ein sib ge= wurcz vnd farbs vnd erwolle das In ainer pfannen vnnder einannder vnd leg die veigen In ain rains vass Vnd geuss das daran Vnd wenn du das an richtest So gib es hin kalt .
spislein

Ein kleines Spießlein (Bratspieß), auf das die Feigen zum Garen gesteckt werden - keine Bindung, sondern ein Kochwerkzeug.

leczellten

Gewürztes Gebäck, vergleichbar mit Lebkuchen. Wird hier gerieben als Bindemittel und Würz-/Süßgeber für die Sauce verwendet, nicht als eigenständige Süßspeise.

suppen von den veigen

Die Brühe, die beim Sieden der Feigen entsteht - der Sud, aus dem die Sauce weiterverarbeitet wird.

rains vass

Ein reines Gefäß oder Fässchen, in das die gegarten Feigen zum Anrichten gelegt werden, bevor die Sauce darübergegossen wird.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 049r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 049r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in etwa 45-60 Min fertig, Tuch oder Sieb zum Durchtreiben der Sauce nötig. Serviere zeitnah nach der Zubereitung und lass es nicht lange bei Sommerhitze stehen.
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