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Braune runde Kuchen aus Brandteig

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Braune runde Kuchen aus Brandteig, wie zuvor beschrieben wurde, wie man den Teig zubereiten soll, besonders für das braune Gebäck.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
eyngebrenntem Teig Brandteig (aus Milch, Butter, Mehl und Eiern, rum-1653) - - -

Welches Gericht ist das? Ein Verweisrezept. Rumpolt nennt nur das Ergebnis, braune runde Kuchen, und schickt den Leser für den Teig zurück an den Anfang des Kapitels über Gebackenes. Dort steht als erstes Stück der Grundteig (rum-1653): Milch und Butter aufsieden, Mehl einrühren, bis es dick wird, die Masse am Feuer trocken rühren und dann Ei um Ei einschlagen. Rumpolt nennt dort ausdrücklich das „große braune Gebäck“ als Verwendung. Das Verfahren entspricht dem heutigen Brandteig.

Brandteig, keine Mehlschwitze. In Rumpolts Saucen und Brühen meint „eyngebrennt Mehl“ eine Mehlschwitze, also in Fett gebräuntes Mehl zum Binden. Hier ist von einem Teig die Rede, und der Rückverweis führt auf den gekochten Teig aus Milch, Butter, Mehl und Eiern. Eine Mehlschwitze ergibt keinen Teig, aus dem sich Kuchen formen lassen.

Form und Garen. Über die Kuchen selbst sagt Rumpolt nur „braun“ und „rund“. Größe, Rosinen und Backzeit nennt er nicht. Im ganzen Kapitel und beim Grundteig wird in heißer Butter ausgebacken; von einem Ofen ist nirgends die Rede.

Praxis. Den Teig nach rum-1653 zubereiten: Milch und Butter aufkochen, Mehl auf einmal einrühren und weiterrühren, bis sich die Masse trocken vom Boden löst, dann die Eier einzeln einarbeiten, bis der Teig glatt ist und seine Form hält. Daraus runde Stücke abstechen und in heißer Butter braun ausbacken. Mengen, Größe und Zeiten nennt Rumpolt nicht.

Warum heißt das hier Brandteig?

Rumpolt verweist auf seinen Grundteig vom Anfang des Kapitels (rum-1653): Milch und Butter werden aufgekocht, Mehl wird eingerührt, die Masse am Feuer trocken gerührt und danach mit Eiern abgerührt. Das entspricht dem heutigen Brandteig. Mit der Mehlschwitze für Saucen teilt er nur Rumpolts Wort „eyngebrennt“.

Wo steht die Anleitung für den Teig?

Im ersten Rezept desselben Kapitels, dem Brandteig (rum-1653). Dort nennt Rumpolt das „große braune Gebäck“ ausdrücklich als Verwendung, mit kleinen schwarzen Rosinen im Teig.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Die Zubereitung steht beim Brandteig (rum-1653) und gilt hier genauso: Milch und Eier brauchen bis zum Kochen Kühlung, Mehl ist Vorrat. Den Teig am Feuer abzutrocknen geht über Glut gut; das Ausbacken in heißer Butter verlangt gleichmäßige Hitze und Aufmerksamkeit, weil Butter leicht verbrennt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

6. Braune runde Kuchen von eyngebrenntem Teig, wie vorhin vermeldt ist, wie man den Teig eynmachen sol, sonderlich zum braunen Gebacken.
eyngebrenntem Teig

Rumpolt schreibt „von eyngebrenntem Teig“. Das Wort steht bei ihm sonst meist für Mehl, das in Fett gebräunt wird, um Saucen zu binden (Mehlschwitze). Hier verweist er auf den Teig vom Kapitelanfang (rum-1653): aufgesottene Milch und Butter, eingerührtes Mehl, am Feuer abgetrocknet, mit Eiern abgerührt. Das ist ein Brandteig. Die Gleichsetzung folgt aus diesem Verweis, ein Wörterbuch belegt „eyngebrennt“ für Teig in diesem Sinn nicht.

wie vorhin vermeldt ist

„Wie vorhin gesagt wurde“: gemeint ist das erste Rezept desselben Kapitels, der Grundteig (rum-1653).

eynmachen

Hier „den Teig zubereiten, anmachen“, nicht „einmachen“ im Sinn von Einlegen oder Einkochen.

zum braunen Gebacken

„Für das braune Gebäck“. Im Grundteig (rum-1653) heißt es „zum grossen braun Gebackens/ wenn du kleine schwartze Rosein darvnter nimmest“. Ob „braun“ die Rosinen im Teig oder die Farbe vom Ausbacken meint, sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarteyngebrenntem Teig

Gewählte Lesart: Brandteig wie im Grundteig desselben Kapitels (rum-1653): Milch und Butter aufsieden, Mehl einrühren, am Feuer trocken rühren, Eier einzeln einschlagen. Der Rückverweis „wie vorhin vermeldt ist/ wie man den Teig eynmachen sol/ sonderlich zum braunen Gebacken“ trifft genau dieses Rezept, das „grossen braun Gebackens“ als Verwendung nennt.

Andere mögliche Lesart:

  • Mehlschwitze (Mehl in Fett gebräunt), wie in Rumpolts Saucen- und Brührezepten - Verworfen: Gemeint ist ein Teig, aus dem Kuchen gemacht werden, und der Verweis führt auf den gekochten Teig aus Milch, Butter, Mehl und Eiern. Eine Mehlschwitze bindet Flüssigkeiten und ergibt keinen formbaren Teig.

Lesartbraun (zum braunen Gebacken)

Gewählte Lesart: Das „große braune Gebäck“ des Grundteigs (rum-1653), in dessen Teig kleine schwarze Rosinen kommen; „braun“ kann darauf zielen.

Andere mögliche Lesart:

  • „Braun“ meint nur die Farbe vom Ausbacken; keine Rosinen ergänzen. - Ebenso möglich, weil der Eintrag selbst keine Rosinen nennt. Für die Praxis wird nichts ergänzt, was der Eintrag nicht nennt.

LesartGaren der runden Kuchen

Gewählte Lesart: Ausbacken in heißer Butter, wie beim Grundteig (rum-1653) und im ganzen Kapitel über Gebackenes.

Andere mögliche Lesart:

  • Kein Verfahren festlegen, weil der Eintrag selbst keines nennt. - Formal richtig; Ofenbacken ist im Kapitel aber nirgends genannt, das Ausbacken in Butter ist die einzige belegte Praxis für diesen Teig.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1658
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Verweisrezept, die Zubereitung steht beim Brandteig (rum-1653) und wird von dort übernommen. Milch und Eier brauchen bis zum Kochen Kühlung; Mehl ist Vorrat. Ausgebacken wird in heißer Butter, die bei ungleichmäßiger Glut leicht verbrennt.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.