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Gestockte Eiermilch mit schwarzen Rosinen im Teig

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm geronnene Milch, die mit Eiern angemacht und gut fett ist, und rühre sie mit Zucker ab. Gib kleine schwarze Rosinen darunter, die sauber ausgewaschen sind. Schlage es in einen Teig ein, wie zuvor beschrieben ist, wie man einen Teig machen soll. Bestreue es mit Zucker und gib es warm auf den Tisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gerunnen Milch geronnene Milch - Supermarkt -
Eyern Eier - - -
Zucker Zucker - - -
kleine schwartze Rosein kleine schwarze Rosinen - - -
Teig Teig - - -

Welches Gericht ist das? Eine süße Füllung aus gestockter Eiermilch mit kleinen schwarzen Rosinen, in Teig eingeschlagen und warm mit Zucker bestreut. Das Stück steht im Kapitel über Gebackenes zwischen den gefüllten Krapfen mit Mandeln (rum-1661) und mit Äpfeln (rum-1663). Heute erinnert es am ehesten an Quarktaschen; eine direkte lebende Entsprechung gibt es nicht.

Die Milch. „Gerunnen Milch, die mit Eyern angemacht“ liest sich am besten als Rumpolts gestockte Eiermilch: Milch aufkochen, verquirlte Eier hineinziehen und rühren, bis die Masse stockt, dann auf einem Durchschlag abtropfen lassen (so in rum-1675 und rum-1353). Rumpolt beschreibt das Stocken hier nicht. Für eine Füllung muss die Masse fest genug sein, sonst weicht sie den Teig auf; deshalb gut abtropfen und abkühlen lassen.

Der Teig. Rumpolt verweist nur zurück. Zum Einschlagen eignet sich am ehesten der Teig aus warmem Wasser und wenig Butter, den er bei rum-1661 und rum-1663 austreibt. Die gleiche Verweisformel führt bei rum-1658 aber auf den gekochten Grundteig vom Kapitelanfang (rum-1653); mit ihm wird die Masse eher eingerührt als eingeschlagen.

Das Garen. Ein Backschritt steht nicht im Text. Im ganzen Kapitel wird in Butter ausgebacken, bei den Nachbarstücken ausdrücklich „fein kühl“, also nicht zu heiß.

Praxis. Die gestockte, abgetropfte Eiermilch mit Zucker glatt rühren und die gewaschenen Rosinen untermengen. Den Wasser-Butter-Teig dünn austreiben, Häufchen der Masse daraufsetzen, den Teig darüberschlagen und die Stücke abschneiden. In nicht zu heißer Butter ausbacken, mit Zucker bestreuen und warm auftragen. Mengen und Zeiten nennt Rumpolt nicht.

Was ist mit „gerunnen Milch“ gemeint?

Geronnene, also gestockte Milch. Der Zusatz „die mit Eiern angemacht“ und Rumpolts eigener Gebrauch sprechen für eine Milch, in der Eier zum Stocken gebracht wurden, wie bei seinem Eierkäse (rum-1353) oder der Eiermilch in rum-1675. Ganz sicher ist die Lesart nicht: Dass eine gesäuerte Dickmilch gemeint ist, schließt der Text nicht aus, er deutet aber auch nicht darauf hin.

Welcher Teig ist gemeint?

Rumpolt verweist nur auf einen Teig, der „vorhin“ beschrieben sei. Infrage kommen der gekochte Grundteig am Anfang des Kapitels (rum-1653), auf den die gleiche Formel in rum-1658 zielt, und der Teig aus warmem Wasser und wenig Butter aus rum-1661 und rum-1663. Zum Einschlagen einer Füllung passt der zweite besser.

Wird das gebacken?

Im Rezept selbst steht kein Garschritt. Es gehört aber zum Kapitel über Gebackenes, und die Nachbarstücke mit ähnlicher Füllung werden in nicht zu heißer Butter ausgebacken (rum-1661, rum-1663). So ist es auch hier am wahrscheinlichsten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Zucker, Rosinen und Mehl halten sich, frische Milch und Eier brauchen aber bis zum Kochen Kühlung. Außerdem braucht es einen Teig und Butter zum Ausbacken.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

12. Nim̃ gerunnen Milch, die mit Eyern angemacht, vnnd wol feißt ist, ruͤrs mit Zucker ab, thu kleine schwartze Rosein, die sauber außgewaschen seyn, darvnter, schlags in einen Teig eyn, wie vorhin vermeldet ist, wie man einen Teig machen sol, bestraͤw es mit Zucker, vnd gibs warm auff ein Tisch.
gerunnen Milch/ die mit Eyern angemacht

Geronnene, also gestockte Milch. Rumpolt verwendet „gerinnen“ für Milch, in die Eier gezogen werden, bis die Masse stockt (Krebsmilch rum-1207, Eierkäse rum-1353, Eiermilch rum-1675). Von Säuerung steht im Text nichts; als Dickmilch ist die Stelle nicht gesichert.

wol feißt

„feist“ heißt fett, „wol“ gut: Die Masse soll gut fett sein, also mit vollfetter Milch oder Rahm und reichlich Eiern.

Rosein

Rosinen, getrocknete Weinbeeren. Die „kleinen schwarzen“ führt Rumpolt im ganzen Kapitel als eigene Sorte (rum-1653, rum-1661, rum-1663).

schlags in einen Teig eyn

In einen Teig einschlagen, also darin einhüllen. Dieselbe Wendung steht bei den gefüllten Gebäcken des Kapitels (rum-1661, rum-1663).

wie vorhin vermeldet ist/ wie man einen Teig machen sol

Rückverweis ohne Nummer. Dieselbe Formel steht bei den braunen Kuchen (rum-1658) und führt dort auf den Grundteig am Anfang des Kapitels (rum-1653). Kurz vorher beschreibt Rumpolt aber auch einen Teig aus warmem Wasser und wenig Butter (rum-1661, rum-1663). Welcher gemeint ist, sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyernchicken egg Q15260613
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgerunnen Milch

Gewählte Lesart: Gestockte Eiermilch: Milch, die mit Eiern zum Stocken gebracht und abgetropft ist. Der Relativsatz „die mit Eyern angemacht“ beschreibt eine Milch-Ei-Masse, und Rumpolt lässt Milch genau so „gerinnen“ (rum-1207, rum-1353, rum-1675).

Andere mögliche Lesarten:

  • Saure Dickmilch oder Quark, mit Eiern verrührt - „geronnen“ kann auch gestandene Milch heißen, und „angemacht“ trägt diese Lesart mit. Für Säuerung gibt es im Text aber keinen Hinweis, und Rumpolt kennt das Wort sonst nur für gestockte Milch.
  • Die abgelaufene Flüssigkeit beim Stocken - In rum-1351 und rum-1353 heißt „gerunnen Milch“ das, was beim Abtropfen davonläuft. Für eine Masse, die „wol feißt“ ist und in Teig eingeschlagen wird, passt das nicht.

Lesartwie vorhin vermeldet ist/ wie man einen Teig machen sol

Gewählte Lesart: Der Grundteig vom Kapitelanfang (rum-1653) aus Milch, Butter, Mehl und Eiern. Die gleichlautende Formel in rum-1658 zielt auf ihn, und er ist das einzige Stück im Kapitel, das ausdrücklich beschreibt, wie man den Teig macht; er nennt auch kleine schwarze Rosinen.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Teig aus warmem Wasser und wenig Butter (rum-1661, rum-1663) - Er wird ausgetrieben und nimmt eine Füllung auf, was zu „einschlagen“ besser passt als der weiche Grundteig. rum-1663 steht direkt davor und schlägt ebenfalls eine Rosinenmasse in Teig.

Lesartschlags in einen Teig eyn

Gewählte Lesart: Die Masse in ausgetriebenen Teig einhüllen, wie bei den gefüllten Gebäcken rum-1661 und rum-1663 („schlags in ein Teig“).

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Masse in den Grundteig von rum-1653 einrühren und wie dieser ausbacken - Möglich, wenn der Rückverweis auf rum-1653 zielt; dort kommen die Rosinen ebenfalls „darvnter“. Das Wort „einschlagen“ spricht eher für Einhüllen.
  • In einen flüssigen Backteig tauchen - So arbeitet rum-1662 mit „schlag ... in ein solchen Teig“. Die abgetropfte, feste Masse braucht das nicht.

LesartGaren (im Text nicht genannt)

Gewählte Lesart: In Butter ausbacken, nicht zu heiß, wie die Nachbarstücke des Kapitels (rum-1661 „backs auß heisser Butter“, rum-1663 „backs fein kuͤl auß“). Rumpolt nennt hier keinen Garschritt; die Kapitelüberschrift „Von allerley Gebackens“ setzt ihn voraus.

Andere mögliche Lesart:

  • Im Ofen backen - Text und Überschrift schließen es nicht aus, im Kapitel wird aber durchweg in Butter ausgebacken.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1664
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt. Zucker, Rosinen und Mehl sind Vorrat, aber frische Milch und Eier brauchen bis zum Kochen Kühlung. Dazu kommen der Teig und Butter zum Ausbacken; Gerät und Hitze nennt Rumpolt nicht.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.