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Gestockte Eiermilch-Schnitten, in Butter ausgebacken, mit Zucker

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 60 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Eier, schlage sie durcheinander und lasse sie durch ein Haartuch laufen. Salze die Eier und gieße sie in gekochte Milch. Rühre es um, bis es aufkocht und gerinnt.

Schütte es auf einen Durchschlag und lasse es gut kalt werden, und beschwere es mit etwas. Lege es auf ein sauberes Brett und schneide es fein länglich, wie du möchtest. Wirf es in heiße Butter, mache es schön bräunlich.

Gib es warm und trocken auf einen Tisch und bestreue es mit weißem Zucker; so ist es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyer Eier - - -
saltz Salz - - -
gesottẽ Milch Milch - - -
heisse Butter Butter - - -
weissem Zucker weißer Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Eine gestockte Eiermilch, die abgetropft, gepresst und kalt in längliche Stücke geschnitten wird. Die Stücke werden in Butter bräunlich ausgebacken und warm mit weißem Zucker bestreut, als süßes Gebäck. Dasselbe Grundverfahren beschreibt Rumpolt beim Eierkäse (rum-1342), der dort in Pfeffersauce oder Gescharb aufgetragen wird.

Die gekochte Milch. „Gesottẽ Milch“ ist Milch, die beim Eingießen der Eier heiß ist: Die Masse soll „auffsieden“ und gerinnen, und beim Eierkäse (rum-1342) zieht Rumpolt die Eier ausdrücklich „in eine Milch die seudt“. Das Ei stockt in der heißen Milch, die Molke tritt aus. Das Umrühren hält die Masse in Bewegung, damit sie nicht zu einem einzigen Klumpen stockt und nicht ansetzt.

Abtropfen und Pressen. Auf dem Durchschlag läuft die Molke ab, das Gewicht verdichtet die Masse. Erst dadurch wird sie schnittfest und hält in der Butter zusammen. Wie lange beschwert wird, sagt Rumpolt nicht, nur „laß wol kalt werden“; die Masse sollte ganz durchgekühlt und fest sein.

Eier und Milch. Mengen und das Verhältnis von Ei zu Milch nennt der Text nicht. Je mehr Ei, desto fester die Masse. Eine verwandte Handschrift des 15. Jahrhunderts (m384-060) nimmt Eier und Milch zu gleichen Teilen.

Praxis. Die Eier verschlagen, durch ein feines Tuch laufen lassen und salzen. Milch aufkochen, die Eier unter Rühren hineingießen und weiterrühren, bis die Masse aufkocht und gerinnt. Auf einen Durchschlag schütten, abtropfen und mit einem Brettchen und Gewicht beschwert gut auskühlen lassen. Auf ein Brett stürzen, in längliche Stücke schneiden und bei mittlerer Hitze in Butter goldbraun ausbacken; Butter bräunt rasch. Abtropfen lassen, warm anrichten und mit weißem Zucker bestreuen. Die Zeitangabe von etwa einer Stunde ist eine Schätzung (Stocken, Auskühlen und Pressen, Ausbacken); Rumpolt nennt keine Zeit.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frische Milch, Eier und Butter brauchen bis zum Kochen Kühlung, die Milch ist dabei der Engpass. Das Gerät ist einfach: ein Topf, ein Tuch, ein Sieb, ein Brett mit Gewicht und eine Pfanne am Feuer.

Was ist ein „Haartuch“?

Ein Seihtuch, meist aus Pferdehaar gewebt. Man lässt die verschlagenen Eier hindurchlaufen, damit die Masse glatt wird.

Was ist ein „Durchschlag“?

Ein Küchensieb oder Seiher mit Löchern. Hier lässt man darauf die geronnene Eiermilch abtropfen; beim Eierkäse (rum-1342) nennt Rumpolt die ablaufende Flüssigkeit „Käsewasser“.

Warum wird die Masse beschwert?

Das Gewicht drückt die Molke heraus und verdichtet die Masse. Erst dann lässt sie sich in Stücke schneiden, die beim Ausbacken in der Butter nicht zerfallen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

23. Nim̃ Eyer, schlag sie durcheinander, vñ laß sie durch ein Haͤrin Tuch lauffen, saltz die Eyer, vñ geuß sie in gesottẽ Milch, ruͤrs vmb, biß auffseudt vnd gerinnet, schuͤt es auff ein Durchschlag, vnd laß wol kalt werden, vnnd beschwers mit etwas, thu es auff ein saubers Bret, vñ schneidt es fein laͤnglicht, wie du wilt, wirffs in heisse Butter, machs fein braͤunlicht, gibs warm vnd trucken auff ein Tisch, vnnd bestraͤw es mit weissem Zucker, so ist es gut vnd wolgeschmack.
Haͤrin Tuch

Haartuch: ein Seihtuch, meist aus Pferdehaar gewebt.

Durchschlag

Ein Sieb oder Seiher mit Löchern. Rumpolt schüttet die geronnene Masse darauf, damit das „Käsewasser“ abläuft (rum-1342).

beschwers mit etwas

Ein Gewicht auflegen, damit die Molke abläuft und die Masse fest und schnittfest wird.

trucken

Trocken: ohne Soße angerichtet und von der Butter abgetropft.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyerchicken egg Q15260613
saltztable salt Q11254
gesottẽ Milchmilk Q8495
heisse Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgesottẽ Milch

Gewählte Lesart: Siedende, heiße Milch: Die Masse soll beim Rühren „auffsieden“ und gerinnen, und beim Eierkäse (rum-1342) zieht Rumpolt die Eier „in eine Milch die seudt“.

Andere mögliche Lesart:

  • Bereits gekochte, wieder erkaltete Milch - Das Partizip „gesotten“ ließe es zu, aber dann könnte die Masse nicht aufsieden und gerinnen, ohne erneut erhitzt zu werden.

Lesartwarm vnd trucken

Gewählte Lesart: Ohne Soße angerichtet: Dieselbe Masse geht beim Eierkäse (rum-1342) in Pfeffersauce oder Gescharb, hier kommt sie trocken mit Zucker auf den Tisch.

Andere mögliche Lesart:

  • Gut von der Butter abgetropft - Ebenso möglich und mit der ersten Lesart vereinbar; in der Praxis lässt man die Stücke ohnehin abtropfen.

LesartVerhältnis von Ei zu Milch (nicht genannt)

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt weder Mengen noch Verhältnis; die Festigkeit ergibt sich aus Abtropfen und Pressen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eier und Milch zu gleichen Teilen - So in der verwandten Handschrift m384-060, die eine ähnliche gepresste Eiermilch schneidet und zuckert; für Rumpolt nicht belegt.

Lesartlaß wol kalt werden/ vnnd beschwers

Gewählte Lesart: Beschwert stehen lassen, bis die Masse ganz kalt und fest ist; eine Dauer nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Über Nacht pressen - Ergibt eine sicher schnittfeste Masse; im Text nicht gefordert.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1675
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frische Milch, Eier und Butter brauchen bis zum Kochen Kühlung, die Milch ist dabei der Engpass. Zucker und Salz sind Vorrat. Das Gerät ist lagertauglich: ein Topf, ein Haartuch, ein Durchschlag, ein Brett mit Gewicht und eine Pfanne am Feuer.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.