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Strauben aus Milch-Eier-Teig, durch einen gelochten Topf gezogen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Mache einen Teig mit guter Milch, schlage drei oder vier Eier hinein und rühre ihn gut glatt an.

Mache Löcher durch einen Topf, der nicht groß ist, gieße den Teig hinein und halte einen Teller unten auf den Boden, damit der Teig nicht herausrinnt, sodass du ihn kreuzweise in heiße Butter einziehen kannst.

Ziehe ihn nicht zu dick ein, damit er ausbacken kann. Bestreue es mit Zucker und gib es kalt oder warm auf den Tisch. So ist es ein gutes Strauben-Gebäck.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Mehl (im Text nicht genannt, für den Teig vorausgesetzt) - - -
guter Milch gute Milch - - -
drey oder vier Eyer 3-4 Eier - - -
heisse Butter Butter (zum Ausbacken) - - Butterschmalz
Zucker Zucker (zum Bestreuen) - - -

Welches Gericht ist das? Strauben: Ein flüssiger Teig aus Milch und Eiern läuft durch einen kleinen, mehrfach gelochten Topf kreuzweise in heiße Butter, wird ausgebacken, mit Zucker bestreut und kalt oder warm gereicht. Rumpolt beschreibt das Gerät hier ausführlicher als beim Brandteig desselben Kapitels (rum-1653), wo ein Topf mit einem einzigen Loch genügt; der Teig dort ist ein anderer.

Der Teig. Rumpolt nennt Milch und drei oder vier Eier, aber weder Mehl noch Mengen. Ohne Mehl entsteht kein Teig, es ist also stillschweigend vorausgesetzt. Heute rührt man so viel Weizenmehl ein, dass ein dünner, glatter Teig entsteht, der in dünnem Strahl durch die Löcher läuft und im Fett zu Strängen stockt. Die Konsistenz stellt man am besten mit einer Probe am Topf ein.

Topf und Teller. Die Löcher sitzen im Boden eines nicht zu großen Topfes. Den Teller hält man von unten dagegen, solange man den Teig einfüllt, damit nichts herausrinnt. Wann der Teller weggenommen wird, sagt Rumpolt nicht; naheliegend ist, den Topf über das heiße Fett zu halten, den Teller wegzuziehen und den Teig kreuzweise einlaufen zu lassen. Ein kleiner Trichter oder ein Spritzbeutel mit Lochtülle leistet heute dasselbe.

Nicht zu dick. „Zeuchs nicht zu dick eyn, daß es kan außbacken“: Dicke Stränge bleiben innen roh, bevor sie außen braun sind. Also dünne Bahnen einlaufen lassen.

Butter. Gebacken wird in heißer Butter, wie im ganzen Kapitel. Frische Butter bräunt bei Backhitze früh und verbrennt leicht; Butterschmalz (geklärte Butter) verträgt mehr Hitze und ist eine moderne Hilfe. Beim Einlaufen des Teigs spritzt das Fett, darum mit Abstand und ruhiger Hand arbeiten.

Praxis. Milch und Eier glatt verrühren und so viel Mehl einrühren, dass ein dünnflüssiger Teig entsteht. Reichlich Butter oder Butterschmalz in einem breiten Gefäß erhitzen. Den gelochten Topf (oder einen kleinen Trichter) mit dem Teller verschlossen füllen, über dem Fett den Teller wegziehen und den Teig in dünnen Bahnen kreuzweise einlaufen lassen. Goldbraun ausbacken, herausheben, abtropfen lassen und mit Zucker bestreuen. Kalt oder warm reichen. Die Zubereitungszeit von etwa 30 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Was sind Strauben?

Ein in Fett ausgebackenes Gebäck aus Teig, der in Strängen ins heiße Fett läuft. Rumpolt gibt hier die ausführlichste Anleitung seines Kapitels: Ein Milch-Eier-Teig läuft durch einen gelochten Topf kreuzweise in heiße Butter und wird mit Zucker bestreut. In Bayern, Österreich und Südtirol werden Strauben bis heute gebacken.

Was für ein Topf mit Löchern ist gemeint?

Ein kleiner Topf, durch dessen Boden man mehrere Löcher macht. Ein Teller, von unten dagegengehalten, hält den Teig zurück, bis man über dem Fett ist. Grimms Wörterbuch nennt dasselbe Gerät unter „Straubentrichter“. Heute nimmt man einen kleinen Trichter oder einen Spritzbeutel mit Lochtülle; das ist moderne Hilfe, kein Gerät aus dem Text. Beim Einlaufen spritzt heißes Fett, darum mit Abstand arbeiten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Milch, Eier und Butter brauchen bis zur Zubereitung Kühlung, Mehl und Zucker sind Vorrat. Das Ausbacken in heißer Butter verlangt gleichmäßige Glut und Aufmerksamkeit, weil Butter leicht verbrennt. Den gelochten Topf kann man aus einer kleinen Blechdose improvisieren; das ist eine moderne Lösung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

24. Mach ein Teig mit guter Milch, schlag drey oder vier Eyer darein, vnd ruͤr jn wol glat an, mach Loͤcher durch ein Hafen, der nicht groß ist, geuß den Teig darein, vnd halt ein Teller vnten auff den Boden, dz der Teig nicht herauß rinnet, daß du es kanst kreutzweiß in heisse Butter eynziehen, zeuchs nicht zu dick eyn, daß es kan außbacken, bestraͤw es mit Zucker, vnnd gibs kalt oder warm auff ein Tisch, so ist es ein gut Strauben Gebackens.
Hafen

Topf, wie Rumpolt das Wort durchgehend gebraucht. Hier wird ein kleiner Topf mehrfach durchlöchert. Dasselbe Gerät nennt Grimms Wörterbuch unter „Straubentrichter“: ein kleines Töpfchen mit etlichen Löchern unten am Boden, in das man den Straubenteig gießt. Beim Brandteig desselben Kapitels (rum-1653) genügt Rumpolt ein einziges Loch.

halt ein Teller vnten auff den Boden

Der Teller verschließt die Löcher von unten, solange der Teig im Topf ist, und gibt sie frei, wenn man über dem Fett ist. Dieser Kniff steht im Korpus nur bei Rumpolt.

eynziehen

Den Teig ins heiße Fett ziehen, also in Strängen hineinlaufen lassen. Rumpolt gebraucht „ziehen“ für das Einbringen ins Backfett auch beim Brandteig (rum-1653, „zeuchst den Teig dardurch in heisse Butter“) und beim Steigleder (rum-1660).

kreutzweiß

Kreuzweise: Die Teigstränge laufen über Kreuz ins Fett. Wie das fertige Gebäck aussieht, beschreibt Rumpolt nicht; ein gitterartiges Geflecht ist die naheliegende Folge, steht aber nicht im Text.

Strauben Gebackens

Rumpolts Name für das Gebäck: Strauben, in Fett ausgebackene Teigstränge. Rumpolt nennt sie auch beim Brandteig (rum-1653) und verwendet die fertigen Strauben für ein Mus in Milch (rum-1483). Die Apfel-Strauben (rum-1689) sind dagegen Apfelstücke, die im Teig ausgebacken werden.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

(erschlossen)flour Q36465
guter Milchmilk Q8495
drey oder vier Eyerchicken egg Q15260613
heisse Butterbutter Q34172
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartLoͤcher durch ein Hafen

Gewählte Lesart: Löcher im Boden des Topfes: Der Teller wird „vnten auff den Boden“ gehalten, und Grimms Straubentrichter beschreibt ein Töpfchen mit Löchern unten am Boden. Der Satz mit den Löchern selbst sagt nur „durch ein Hafen“.

Andere mögliche Lesart:

  • Löcher in der Topfwand - Der Wortlaut ließe es zu, aber ein von unten gehaltener Teller verschlösse seitliche Löcher nicht.

LesartTeig mit guter Milch

Gewählte Lesart: Ein Rührteig aus Milch und Eiern, dessen Mehl Rumpolt nicht nennt; Menge und Verhältnis bleiben offen und richten sich nach der Lochgröße.

Andere mögliche Lesart:

  • Weizenmehl, so viel, dass ein dünnflüssiger, glatter Teig in dünnem Strahl durch die Löcher läuft - Heutige Praxiswahl, nicht im Text; die Konsistenz stellt man durch eine Probe am Topf ein.

Lesartheisse Butter

Gewählte Lesart: Butter, wie Rumpolt im ganzen Kapitel ausbäckt (rum-1653, rum-1660).

Andere mögliche Lesart:

  • Butterschmalz (geklärte Butter) - Moderne Hilfe, weil frische Butter beim Ausbacken leicht verbrennt; der Text sagt nur Butter.

Lesartdz der Teig nicht herauß rinnet/ daß du es kanst kreutzweiß in heisse Butter eynziehen

Gewählte Lesart: Der Teller hält den Teig zurück, bis man ihn einziehen kann; wie und wann er weggenommen wird, beschreibt der Text nicht, nur den Zweck.

Andere mögliche Lesart:

  • Den Topf über das heiße Fett halten, den Teller wegziehen und den Teig in Kreuzbahnen einlaufen lassen - Naheliegende Handhabung und heutige Praxis, aber nicht ausdrücklich beschrieben.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1676
LagerkücheLagerküche
Ja. Milch, Eier und Butter brauchen bis zur Zubereitung Kühlung, Mehl und Zucker sind Vorrat. Das Ausbacken in reichlich heißer Butter verlangt gleichmäßige Glut und Aufmerksamkeit, weil Butter leicht verbrennt und beim Einlaufen des Teigs spritzt. Den gelochten Topf kann man sich heute aus einer kleinen Blechdose machen, in deren Boden man mit einem Nagel einige Löcher schlägt; das ist eine moderne Improvisation, kein Gerät aus dem Text.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.