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Gebackene Salbeiblätter

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 15 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Mache einen Teig nur aus Eiern und Mehl. Tauche Salbeiblätter in den Teig und lasse den überschüssigen Teig gut abtropfen. Ziehe sie dann in heiße Butter, so gehen sie schön und sauber auf. Bestreue sie mit Zucker und gib sie warm auf den Tisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyern Eier - - -
Mehl Mehl - - -
Salbey Salbeiblätter - - -
Butter Butter - - Butterschmalz
Zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Salbeiblätter, in einen Teig nur aus Eiern und Mehl getaucht, in heißer Butter ausgebacken und warm mit Zucker bestreut. Heute kennt man so etwas als Salbeiblätter im Ausbackteig; bei Rumpolt sind sie gezuckert, also süß gereicht. Im Kapitel vom Gebackenen folgen drei Rezepte, die ausdrücklich auf diesen Teig verweisen: Borretsch (rum-1678), Unser-Frauen-Blätter (rum-1679) und Bertram (rum-1680).

Der Teig. „Von lauter Eyern vnd Mehl“ heißt: nur Eier und Mehl, ohne Milch, Wein oder Wasser. Ein Mengenverhältnis nennt Rumpolt nicht. Der Teig sollte so zähflüssig sein, dass er am Blatt haftet und beim Abtropfen eine dünne Schicht zurücklässt. Das Abtropfen hält den Mantel dünn, sonst bleibt er beim Backen schwer und teigig.

In heiße Butter. Wie tief die Butter steht, sagt der Text nicht. Man kann die Blätter in einer Pfanne in reichlich heißer Butter von beiden Seiten backen oder sie schwimmend ausbacken; beides deckt der Wortlaut. Butter bräunt bei großer Hitze rasch, sie darf heiß, aber nicht rauchend sein; geklärte Butter oder Butterschmalz ist die moderne Hilfe dagegen. In der heißen Butter geht der Teig auf.

Praxis. Eier und Mehl zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Die Salbeiblätter einzeln eintauchen, gut abtropfen lassen und in reichlich heißer Butter backen, bis der Teig aufgegangen ist. Mit Zucker bestreuen und sofort warm essen. Die Zubereitungszeit von etwa 15 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Die Zubereitung ist schnell und braucht nur eine Pfanne mit heißer Butter über dem Feuer. Eier und Butter brauchen aber Kühlung, und die Salbeiblätter sollten frisch sein.

Welche Art von Salbei soll ich verwenden?

Rumpolt sagt nur „Salbey“. Gemeint sein dürfte die gewöhnliche Küchensalbei, heute Echter Salbei genannt; das ist eine Annahme, der Text nennt keine Art.

Was bedeutet „aufflauffen“?

„Aufgehen“: Der Teig geht beim Backen in der heißen Butter auf. Mehr sagt Rumpolt über das Ergebnis nicht.

Gehört Milch oder Wein in den Teig?

Nein. Rumpolt macht den Teig „von lauter Eyern vnd Mehl“, also nur aus Eiern und Mehl. Bei anderen Rezepten im selben Kapitel nennt er Milch oder Wein ausdrücklich, hier nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

25. Mach ein Teig von lauter Eyern vnd Mehl, tauch Salbey in den Teig, vnd laß jn wol herab rinnen, zeuchs in heisse Butter, so wirdt es fein sauber aufflauffen, bestraͤw es mit Zucker, vnd gibs warm auff ein Tisch.
lauter

„Rein, nichts als“: ein Teig nur aus Eiern und Mehl, ohne weitere Flüssigkeit.

laß jn wol herab rinnen

Den überschüssigen Teig gut abtropfen lassen.

aufflauffen

„Aufgehen“: Der Teig geht in der heißen Butter auf, wie Rumpolt das Wort auch sonst vom Teig gebraucht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyernchicken egg Q15260613
Mehlflour Q36465
Salbeycommon sage Q1111359
Butterbutter Q34172
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzeuchs in heisse Butter

Gewählte Lesart: Die Blätter in heiße Butter geben und darin backen; der Druck sagt „in“, nicht „durch“, wie bei der gleichlautenden Wendung im vorhergehenden Rezept. Wie tief die Butter steht, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Schwimmend in tiefer Butter ausbacken - „Ziehen“ kann das Hindurchziehen durchs Fett meinen; der Text schließt das nicht aus, sagt es aber auch nicht.
  • In einer Pfanne in reichlich Butter von beiden Seiten backen - Praktische Ausführung für heute; ebenfalls mit dem Wortlaut vereinbar.

Lesartvon lauter Eyern vnd Mehl

Gewählte Lesart: Ein Teig nur aus Eiern und Mehl, ohne Flüssigkeit; „lauter“ heißt hier „nichts als“. Das Mengenverhältnis nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Teig aus „reinen“ (klaren, sauberen) Eiern - „Lauter“ kann auch „klar“ bedeuten, aber vor einer Zutatenliste ist „nur“ die übliche Lesart bei Rumpolt.
  • Teig mit Milch, Wein oder Wasser verdünnen - Steht nicht im Text; bei anderen Nummern des Kapitels nennt Rumpolt solche Flüssigkeiten eigens.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1677
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Der Teig ist schnell gerührt, gebacken wird in einer Pfanne mit heißer Butter über dem Feuer. Mehl und Zucker sind Vorrat, Eier und Butter brauchen aber Kühlung, und die Salbeiblätter sollten frisch sein.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.