Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Unser-Frauen-Blätter backe auch aus dem Teig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Vnser Frauwen Bletter | Unser-Frauen-Blätter | - | frisch; heute am ehesten Grüne Minze aus dem Garten oder vom Markt | - |
| Teig | Teig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Die Blätter eines Krauts, das Rumpolt „Unser Frauen Blätter“ nennt, durch einen Backteig gezogen und in Butter ausgebacken. Die Nummer steht im Kapitel vom Gebackenen in einer Reihe: Salbeiblätter (rum-1677), Borretschblätter (rum-1678), Unser-Frauen-Blätter und Bertram (rum-1680). Ausgeschrieben sind nur die Salbeiblätter, die anderen verweisen auf deren Teig.
Kraut, nicht Teigplatten. „Blätter“ sind hier Pflanzenblätter wie in den Nachbarnummern, keine dünn ausgerollten Teigblätter. Grimms Wörterbuch erklärt „Frauenblatt“ als Grüne Minze (Marienblatt); im Bairischen heißen so auch andere Minzen und das Balsamkraut oder die Frauenminze (Tanacetum balsamita). Welche Pflanze Rumpolt meint, bleibt offen.
Der Teig. „Auch aus dem Teig“ schließt an die Borretschblätter an, die Rumpolt „aus dem Teig, daraus du die Salbei hast gebacken“ bäckt. Das Verfahren steht bei den Salbeiblättern: ein Teig aus Eiern und Mehl, das Blatt eintauchen und gut abrinnen lassen, in heiße Butter geben, mit Zucker bestreuen und warm auftragen.
Praxis. Blätter der Grünen Minze sind heute am leichtesten zu bekommen. Eier mit Mehl zu einem dickflüssigen Teig verrühren, die Blätter einzeln durchziehen, gut abtropfen lassen und portionsweise in heißer Butter ausbacken, bis die Hülle aufgeht. Warm und mit Zucker bestreut auftragen. Mengen und Zeiten nennt Rumpolt weder hier noch bei den Salbeiblättern.
Eingeschränkt. Es ist ein Verweisrezept, die Zubereitung steht bei den gebackenen Salbeiblättern (rum-1677) und wird von dort übernommen. Das frische Kraut, die Eier und die Butter brauchen bis zum Ausbacken Kühlung; Mehl und Zucker sind Vorrat.
Die Blätter eines Krauts, das nach Maria, „Unser Frau“, benannt ist, keine Teigblätter. Grimms Wörterbuch erklärt Frauenblatt als Grüne Minze; im Bairischen heißen so auch andere Minzen und das Balsamkraut (Frauenminze). Welche Pflanze Rumpolt meint, lässt sich nicht sicher sagen; Minzblätter sind heute die naheliegende Wahl.
Wie die Salbeiblätter zwei Nummern davor (rum-1677): einen Teig aus Eiern und Mehl machen, die Blätter eintauchen und gut abrinnen lassen, in heißer Butter ausbacken, mit Zucker bestreuen und warm auftragen. Auf denselben Teig verweisen auch die Borretschblätter (rum-1678).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Frauenblatt oder Marienblatt, die Blätter eines Krauts; „Unser Frau“ ist Maria. Grimms Wörterbuch erklärt das Wort als Grüne Minze, im Bairischen heißen so auch Minzen und das Balsamkraut (Frauenminze). Welche Pflanze Rumpolt meint, ist nicht sicher. Gemeint sind keine Teigblätter: Die Nachbarnummern backen Salbei, Borretsch und Bertram im selben Teig.
Verweis auf den Teig aus Eiern und Mehl, in dem Rumpolt die Salbeiblätter bäckt (rum-1677). Die Borretschblätter der vorigen Nummer backt er ausdrücklich „aus dem Teig, daraus du die Salbei hast gebacken“ (rum-1678); „auch“ schließt daran an.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Bletter
Gewählte Lesart: Pflanzenblätter eines Krauts, das in Teig getaucht und ausgebacken wird. Die Kapitelreihe stützt das: Salbei (rum-1677), Borretschblätter (rum-1678), Unser Frauen Blätter, Bertram (rum-1680), alle aus demselben Teig.
Andere mögliche Lesart:
Vnser Frauwen Bletter
Gewählte Lesart: Frauenblatt (Marienblatt), ein Kraut, dessen Art Rumpolt nicht bestimmt. Grimms Wörterbuch erklärt es als Grüne Minze (Mentha viridis); in der Praxis sind Minzblätter die naheliegende Wahl.
Andere mögliche Lesarten:
auch auß dem Teig
Gewählte Lesart: Der Teig der gebackenen Salbeiblätter (rum-1677): „lauter Eyer vnd Mehl“; das Blatt wird eingetaucht, abgeronnen, in heißer Butter gebacken und mit Zucker bestreut. Die vorige Nummer (rum-1678) verweist ausdrücklich auf diesen Teig.
Andere mögliche Lesarten:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.