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Gebackene Holunderblüten im Teig

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Rühre einen Teig mit reinen Eiern oder mit Milch, die süß ist, an. Nimm Holunderblüten mit dem Stiel, wasche sie gut sauber in reinem Wasser und schwinge sie gut aus, sodass kein Wasser daran hängt.

Tauche sie in den Teig und lass den Teig gut herabrinnen. Tauche sie danach in heiße Butter und rühre sie auf und nieder, so lösen sie sich voneinander und backen durch und durch gut. Gib sie warm auf den Tisch und bestreue sie mit weißem Zucker.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyern Eiern - - süße Milch
Milch/ die suͤß ist Milch, die süß ist - - Eier
Holderbluͤt mit dem Stengel Holunderblüten mit Stiel - saisonal im Frühsommer, selbst gepflückt -
heisse Butter heiße Butter - - -
weissem Zucker weißem Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Holunderblütendolden am Stiel, durch einen Teig mit Eiern oder süßer Milch gezogen, in heißer Butter ausgebacken und warm mit weißem Zucker bestreut. Heute kennt man das in Süddeutschland und Österreich als Hollerküchle. Im Kapitel vom Gebackenen steht es in einer Reihe gleich gebauter Rezepte mit Weichseln (rum-1666), Amarellen (rum-1667), Apfelschnitten (rum-1688) und Trauben (rum-1698).

Eintauchen, nicht zerstoßen. „Stoß in Teig“ heißt: die Dolde am Stiel in den Teig tauchen. Den überschüssigen Teig lässt man herabrinnen, damit nur eine dünne Hülle bleibt, die in der Butter durchbackt. Danach kommt die Dolde ins heiße Fett.

Der Teig. Rumpolt nennt nur „lauter Eyer“ oder süße Milch, kein Mehl und keine Mengen. „Lauter“ heißt „nur“: entweder ein Teig allein mit Eiern oder einer mit Milch. Ohne Mehl haftet kaum ein Teig an den Blüten; in der Praxis rührt man Eier oder Milch mit Mehl zu einem dickflüssigen Backteig an, der am Löffelrücken hängen bleibt. Das ist eine moderne Ergänzung, keine Angabe des Textes. Gesüßt wird erst zum Schluss mit dem Zucker.

Waschen und Ausschwingen. Die Dolden werden in reinem Wasser gewaschen und kräftig ausgeschwungen, „daß kein Wasser daran hangt“. Restwasser verdünnt den Teig und lässt das Fett spritzen.

Das Fett. Wie viel Butter, sagt der Text nicht. Dass die Blüten darin „auff vnd nider“ gerührt werden, bis sie sich voneinander lösen, spricht für reichlich Butter, in der die Dolden frei liegen. Gewöhnliche Butter bräunt bei dieser Hitze rasch; geklärte Butter oder Butterschmalz ist die moderne Hilfe dagegen.

Praxis. Die Dolden kurz in kaltem Wasser schwenken und gut ausschwingen. Eier oder süße Milch mit Mehl zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Die Dolden am Stiel durch den Teig ziehen, gut abtropfen lassen und portionsweise in reichlich heißer Butter ausbacken, dabei rühren, damit die Blüten nicht zusammenkleben. Warm auftragen und mit weißem Zucker bestreuen. Holunderblüten pflückt man heute nur an unbelasteten Stellen. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Teig und Butter sind rasch bereit, gebacken wird in heißer Butter. Eier oder Milch und die Butter brauchen Kühlung, und frische Holunderblüten gibt es nur im Frühsommer; sie welken schnell und sollten am Tag des Pflückens verarbeitet werden.

Welche Holunderblüten sind gemeint und wo bekomme ich sie?

Rumpolt schreibt nur „Holderblüt“; gemeint ist wohl der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), der im Mai und Juni blüht. Die Dolden pflückt man meist selbst; heute rät man, nur an unbelasteten Stellen abseits von Straßen zu sammeln.

Was bedeutet „stoßen“ in diesem Rezept?

„Stoß in Teig“ heißt: die Dolde am Stiel in den Teig tauchen, danach kommt sie in die heiße Butter. Gemeint ist kein Zerstoßen im Mörser. Rumpolt gebraucht das Wort im selben Kapitel ebenso für Kirschen, Apfelschnitten und Trauben.

Gehört Mehl in den Teig?

Rumpolt nennt nur Eier oder süße Milch. Damit der Teig an den Blüten haftet, rührt man heute Mehl dazu; das ist eine moderne Ergänzung, keine Angabe des Textes. In einem anderen Rezept desselben Buchs mit gleichem Verfahren nennt Rumpolt für den Teig Mehl und Wein (rum-1494).

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

13. Mach ein Teig an mit lauter Eyern oder Milch, die suͤß ist, nim̃ Holderbluͤt mit dem Stengel, vnnd wasch fein sauber auß reinem Wasser, schwings wol auß, daß kein Wasser daran hangt, stoß in Teig, vnd laß jhn wol herab rinnen, stoß darnach in heisse Butter, vnnd ruͤrs auff vnd nider, so gibt es sich voneinander, vnd baͤckt durchauß wol, gibs warm auff einen Tisch, vnd bestraͤw es mit weissem Zucker.
Holderbluͤt

Holunderblüte; „Holder“ ist die oberdeutsche Form von Holunder. Rumpolt nennt die Art nicht, gemeint ist wohl der Schwarze Holunder (Sambucus nigra). Ausgebacken werden die Dolden in heißer Butter.

stoß in Teig

„Stoßen“ heißt hier „hineinstecken, eintauchen“, nicht zerstoßen. Rumpolt gebraucht das Wort im Kapitel vom Gebackenen ebenso für Kirschen, Apfelschnitten und Trauben, die in Teig getaucht und in heiße Butter gegeben werden (rum-1494, rum-1666, rum-1688, rum-1698).

lauter Eyern

„Lauter“ heißt hier „nur, unvermischt“: ein Teig allein mit Eiern. Die Alternative ist ein Teig mit süßer Milch.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyernchicken egg Q15260613
heisse Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartstoß in Teig / stoß darnach in heisse Butter

Gewählte Lesart: Eintauchen und hineingeben: Die Dolde wird am Stiel in den Teig getaucht und danach ins heiße Fett gegeben. Rumpolt gebraucht „stoßen“ im selben Kapitel gleich (rum-1494, rum-1666, rum-1688, rum-1698).

Andere mögliche Lesart:

  • Die Dolde wird im Fett am Stiel gehalten und nur eingetaucht. - Möglich, aber „ruͤrs auff vnd nider, so gibt es sich voneinander“ spricht dafür, dass die Blüten frei im Fett liegen und gerührt werden; rum-1494 sagt für dasselbe Verfahren „wirffs flugs in heisse Butter“.

LesartMach ein Teig an mit lauter Eyern oder Milch

Gewählte Lesart: Der Text nennt nur Eier oder süße Milch, kein Mehl und keine Mengen. Wie der Teig im Einzelnen gemacht wird, lässt Rumpolt offen; rum-1494 nennt für denselben Backteig Mehl und Wein.

Andere mögliche Lesart:

  • Modern: Eier oder Milch mit Mehl zu einem dickflüssigen Backteig verrühren. - Ohne Mehl haftet kaum ein Teig an den Blüten; das Mehl ist deshalb in der Praxis nötig, steht aber nicht im Text.

Lesartlauter Eyern oder Milch

Gewählte Lesart: Zwei Teige zur Wahl: einer nur mit Eiern oder einer mit süßer Milch; „lauter“ (= nur) spricht für die Alternative.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Teig aus Eiern und Milch zusammen. - Heute üblich, aber durch „lauter“ und „oder“ nicht gedeckt.

Lesartheisse Butter

Gewählte Lesart: Die Menge nennt der Text nicht. Das Aufundniederrühren, damit die Blüten sich voneinander lösen, spricht für so viel Butter, dass die Dolden darin frei liegen.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur etwas Butter in der Pfanne, die Dolden flach gebacken und gewendet. - Vom Wortlaut nicht ausgeschlossen; „ruͤrs auff vnd nider“ passt aber besser zu reichlich Fett.

Lesartso gibt es sich voneinander

Gewählte Lesart: Die Blüten der Dolde lösen sich voneinander und backen nicht zu einem Klumpen zusammen.

Andere mögliche Lesart:

  • Überschüssiger Teig sondert sich von den Blüten ab. - Weniger wahrscheinlich: der überschüssige Teig ist schon vorher „herab gerunnen“, und das Rühren zielt auf die Dolden im Fett.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1665
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Teig und Butter sind rasch bereit, gebacken wird in heißer Butter. Eier oder Milch und die Butter brauchen Kühlung, und frische Holunderblüten gibt es nur im Frühsommer; sie welken schnell und gehören am Tag des Pflückens in den Teig.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.