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Setzkuchen aus dem Teig des Steigleders

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst auch einen Setzkuchen backen aus einem Teig, aus dem man das Steigleder bäckt.

Welches Gericht ist das? Ein Kuchen aus dem Hefeteig, den Rumpolt beim Steigleder beschreibt (rum-1660): warme Milch, feines Mehl, Bierhefe und Salz, kräftig geknetet und an der Wärme gegangen. Mehr als diesen Verweis gibt die Nummer nicht.

Der Teig. Er steht vollständig beim Steigleder. Das dünne Ausziehen von Hand und das Ausbacken in heißer Butter in der länglichen Pfanne gehören dort zum Steigleder selbst. Rumpolt sagt nicht, dass der Setzkuchen genauso behandelt wird; er schreibt nur „backen“.

Der Setzkuchen. Form, Größe, Backfett, Hitze und Zeit nennt der Text nicht. Das Wort ist kaum belegt und erklärt sich nicht von selbst.

Praxis. Den Teig wie beim Steigleder anmachen und gehen lassen. Wer den Setzkuchen nachbacken will, formt daraus einen Hefekuchen und bäckt ihn in Butter in der Pfanne oder im Ofen. Das ist eine heutige Annahme, keine Angabe Rumpolts. Mengen und Zeiten nennt der Text nicht.

Was ist ein Setzkuchen?

Ein Gebäck aus demselben Hefeteig wie das Steigleder. Wie es aussah und wie es gebacken wurde, sagt Rumpolt nicht. Grimms Wörterbuch kennt ein tirolisches „Setzküchlein“ nur als „eine kuchenart“. In Rumpolts Bankettordnungen steht das Setzküchlein beim Obst neben dem Steigleder, also als eigenes Gebäck.

Wo steht der Teig?

Beim Steigleder (rum-1660): warme Milch, feines Mehl, Bierhefe und Salz, gut kneten und an der Wärme gehen lassen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, wie das Steigleder, aus dessen Teig der Setzkuchen gebacken wird. Mehl, Salz und Hefe sind Vorrat, Milch und Butter brauchen Kühlung. Form und Backweise des Setzkuchens nennt Rumpolt nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

39. Du kanst auch ein Setzkuchen backẽ auß einem Teig, darauß man das Steigleder baͤckt.
Setzkuchen

Kein Wörterbuch erklärt den Kuchen genauer. Grimms Wörterbuch kennt ein tirolisches „Setzküchlein“ nur als „eine kuchenart“. Rumpolt nennt in seinen Bankettordnungen „Setzkuͤchlein“ getrennt vom Steigleder beim Obst; es ist also ein eigenes Gebäck. Woher der Name kommt, bleibt offen.

Steigleder

Das Gebäck aus Hefeteig, das Rumpolt als Nr. 8 dieses Kapitels beschreibt (rum-1660): dünn ausgezogen und in heißer Butter gebacken. Die Wörterbücher kennen das Wort nur als Riemen am Sattel, an dem der Steigbügel hängt.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSetzkuchen

Gewählte Lesart: Rumpolts Name für ein Gebäck aus Steigleder-Teig, als Druckwort übernommen. Grimms Wörterbuch belegt nur ein tirolisches „Setzküchlein“ als „eine kuchenart“, ohne Form oder Verfahren.

Andere mögliche Lesart:

  • ein „gesetzter“, in Form gebrachter Kuchen - Reine Wortdeutung ohne Beleg; nicht übernommen.

Lesartbackẽ

Gewählte Lesart: Rumpolt sagt nur „backen“ und nennt weder Form noch Backfett noch Gerät; das Verfahren bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • geformter Hefekuchen, in Butter in der Pfanne oder im Ofen gebacken - Heutige Umsetzung für die Praxis; aus dem Text nicht ableitbar.
  • wie das Steigleder ausgezogen und in heißer Butter gebacken - Liegt wegen des gemeinsamen Teigs nahe, steht aber nicht da; Rumpolt führt Setzküchlein und Steigleder als verschiedene Gebäcke.

Lesarteinem Teig/ darauß man das Steigleder baͤckt

Gewählte Lesart: Der Hefeteig aus Nr. 8 dieses Kapitels (rum-1660): warme Milch, Mehl, Bierhefe und Salz.

Andere mögliche Lesart:

  • ein anderer Teig, aus dem man Steigleder backen kann - Unwahrscheinlich: Rumpolt beschreibt das Steigleder nur einmal, und zwar mit diesem Hefeteig.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1691
LagerkücheLagerküche
Ja: Verweisrezept, der Teig steht beim Steigleder (rum-1660) und wird von dort übernommen. Mehl, Salz und Hefe sind Vorrat, Milch und Butter brauchen Kühlung. Wie der Setzkuchen geformt und gebacken wird, sagt Rumpolt nicht.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.