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Ungefüllte Oblaten in Weinteig, in Butter ausgebacken

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 15 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Mache einen Teig aus reinem Wein und Mehl an. Nimm ausgestochene Oblaten, tauche sie in den Teig ein und wirf sie in heiße Butter, so wird die Oblate durch den Teig schön aufgehen. Gib sie warm oder kalt auf den Tisch und bestreue sie mit Zucker; so ist es ein gutes Gebackenes.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Wein Wein - - -
Mehl Mehl - - -
außgestochen Oblat außgestochen Oblat - Backoblaten (Backregal) -
heisse Butter heisse Butter - - Butterschmalz (verbrennt weniger leicht)
Zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ungefüllte, ausgestochene Oblaten, ganz durch einen Teig aus reinem Wein und Mehl gezogen, in heißer Butter ausgebacken und mit Zucker bestreut. Es ist die einfachste Fassung der Oblaten-Reihe im Kapitel: Bei den gefüllten Oblaten (rum-1655, rum-1673, rum-1674) werden nur die Ränder in den Teig gestoßen, hier wird die einzelne Oblate ganz eingetaucht.

Der Weinteig. „Lauter Wein vnd Mehl“ heißt: nur diese beiden Zutaten, kein Ei, kein Fett. Dieselbe Formel steht bei den Birnen im Weinteig (rum-1669) und den Apfelküchlein (rum-1688). Mengen und Dicke nennt Rumpolt hier nicht. Bewährt hat sich ein dickflüssiger Backteig, der an der Oblate haften bleibt; ist er zu dünn, saugt sich die Oblate voll und wird weich. Eine Weinsorte nennt der Text nicht; heute liegt ein milder Weißwein nahe, das ist eine moderne Wahl.

Die Oblaten. „Außgestochen“ heißt rund ausgestochen. Eine Größe nennt der Text hier nicht. Gekaufte Backoblaten lassen sich mit einem Ausstecher oder einem Glas rund ausstechen.

Das Aufgehen. „So wirt der Oblat fein aufflauffen von dem Teig“: Der Teig bläht sich in der heißen Butter auf und umhüllt die Oblate.

Praxis. Butter oder Butterschmalz in einer Pfanne so hoch einfüllen, dass die Oblaten in einer Fettschicht schwimmend ausbacken, kurz backen und einmal wenden. Butter verbrennt leicht; bei den Weichsel-Oblaten mahnt Rumpolt selbst „vnd verbrenn es nicht“. Den Zucker darüberstreuen und warm oder kalt auftragen, beides lässt der Text zu. Die Zubereitungszeit von etwa 15 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Wein, Mehl, Zucker und Oblaten sind haltbarer Vorrat, nur die Butter braucht etwas Kühlung. Das Ausbacken in heißer Butter verlangt gute Hitzeführung, weil Butter leicht verbrennt.

Was sind Oblaten?

Blattdünne Scheiben aus Weizenmehl und Wasser, ähnlich einer Hostie oder Waffel. Heute gibt es sie als Backoblaten. Rumpolt verwendet sie hier rund ausgestochen.

Welche Art von Wein soll ich für den Teig verwenden?

Der Text sagt nur „lauter Wein“, also reiner Wein, und nennt keine Sorte. Ein milder Weißwein ist heute naheliegend, aber eine moderne Wahl.

Worin unterscheidet sich das Rezept von den gefüllten Oblaten?

Bei rum-1655, rum-1673 und rum-1674 werden zwei Oblaten mit Füllung belegt und nur an den Rändern in den Teig gestoßen. Hier wird die einzelne, ungefüllte Oblate ganz in den Teig getaucht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

40. Mach ein Teig an von lauter Wein vnd Mehl, nim̃ außgestochen Oblat, tauch sie in den Teig eyn, vnd wirffs in heisse Butter, so wirt der Oblat fein aufflauffen von dem Teig, gibs warm oder kalt auff ein Tisch, bestraͤw es mit Zucker, so ist es ein gut Gebackens.
Oblat

Rumpolt schreibt „der Oblat“, heute sagt man „die Oblate“: eine blattdünne Scheibe aus Weizenmehl und Wasser, ähnlich einer Hostie oder Waffel. Im Handel heute als Backoblate. „Außgestochen“ heißt rund ausgestochen.

lauter Wein

Reiner, unvermischter Wein, ohne Wasser oder andere Flüssigkeit. Eine Sorte nennt der Text nicht.

aufflauffen

Aufgehen, aufblähen; hier vom Teig, der in der heißen Butter aufgeht.

Gebackens

Gebackenes, Backwerk; zugleich der Name des Kapitels „Von allerley Gebackens“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Weinwine Q282
heisse Butterbutter Q34172
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartlauter Wein

Gewählte Lesart: Reiner Wein ohne Sortenangabe; Rumpolt nennt weder Weiß noch Rot, auch nicht bei den Nachbarrezepten rum-1655, rum-1669 und rum-1688. Im Rhein-Main-Raum um 1581 war Wein beider Farben üblich.

Andere mögliche Lesart:

  • Milder Weißwein - Heute naheliegende Wahl für einen hellen Ausbackteig; eine moderne Entscheidung, nicht aus dem Text.

Lesartaußgestochen Oblat

Gewählte Lesart: Rund ausgestochene Oblaten, wie Rumpolt sie im Konfektkapitel beschreibt; ob gekauft oder selbst gebacken, lässt der Text offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Gekaufte Backoblaten, rund ausgestochen oder zugeschnitten - Heutige Praxis; deckt sich mit dem Text, solange die runde Form gewahrt bleibt.

Lesartheisse Butter

Gewählte Lesart: Ausbacken in heißer Butter wie bei den Nachbarrezepten; Fettmenge und Gefäß nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • In einer Fettschicht schwimmend in der Pfanne, Butter oder Butterschmalz, kurz ausbacken - Heutige Praxis; Butterschmalz verbrennt weniger leicht als Butter.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1692
LagerkücheLagerküche
Wein, Mehl, Zucker und Oblaten sind haltbarer Vorrat, nur die Butter braucht etwas Kühlung. Ausgebacken wird in heißer Butter.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.