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Mit Äpfeln gefüllte Oblaten, an den Rändern in Weinteig getaucht

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 45 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Äpfel und richte sie zu wie für die Krapfen. Bestreiche eine Oblate damit und lege eine andere Oblate darauf, sodass sie aufeinander bleiben. Schneide sie in zwei oder drei Stücke und tauche die Ränder in den Teig, den du mit Wein angemacht hast.

Wirf sie in heiße Butter und backe sie rasch aus. Gib sie warm auf den Tisch und bestreue sie mit weißem Zucker. So ist es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Epffel Epffel - - -
Oblat Oblat - Supermarkt (Backregal) -
Wein Wein - - -
(erschlossen) Teig - - -
heisse Butter heisse Butter - - -
weissem Zucker weissem Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Zwei Oblaten mit einer Apfelmasse dazwischen, in zwei oder drei Stücke geschnitten, nur an den Rändern in einen Weinteig getaucht und in heißer Butter rasch ausgebacken, dann warm mit weißem Zucker bestreut. Dasselbe Verfahren steht im Kapitel mit Weichselsauce (rum-1655) und mit Mandeln (rum-1674).

Die Apfelmasse. Rumpolt schreibt nur „richt sie zu wie zu den Krapffen“ und nennt keine Nummer. Das nächste Apfelrezept dieser Art im selben Kapitel ist rum-1663: Dort werden die Äpfel mit schwarzen Rosinen klein gehackt, in wenig Butter mit Zimt und Zucker gut geröstet und kalt werden gelassen. Wer dieser Spur folgt, bereitet die Masse genauso vor; Rosinen, Zimt und Zucker stehen im Text dieses Rezepts selbst aber nicht. Die Masse muss abgekühlt und streichfähig fest sein, sonst weicht sie die Oblaten durch.

Die Ränder in den Teig. „Stoß die oͤrter in den Teig“ heißt: die Schnittränder der gefüllten Stücke in den Teig tauchen. Der Teig klebt die beiden Oblaten zusammen und schließt die Füllung ein; im Weichselrezept begründet Rumpolt es selbst: „daß die Oblat beyeinander bleiben“. Die Mitte bleibt frei.

Der Weinteig. Der Text nennt nur einen Teig, „den du mit Wein hast angemacht“. Wenige Rezepte davor macht Rumpolt ihn „von lauter Wein vnd Mehl“ (rum-1669), ebenso bei den Wein-Oblaten (rum-1692); daher das Mehl in der Zutatenliste. Mengen nennt er nicht. Praktisch bewährt sich ein dickflüssiger Teig wie für Pfannkuchen, der am Oblatenrand haften bleibt.

Ausbacken. „Backs geschwindt hinweg“: in heißer Butter rasch ausbacken, bis der Teigrand fest und goldgelb ist. Oblate und Butter bräunen schnell, die Hitze also wach führen.

Praxis. Mengen, Teigdicke und Zeiten nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 45 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; sie schließt das Rösten und Abkühlen der Apfelmasse ein. Den Zucker erst beim Auftragen darüberstreuen.

Wie bereite ich die Äpfel zu?

Der Text sagt nur: wie für die Krapfen. Das nächste Beispiel im selben Kapitel ist rum-1663: Äpfel mit schwarzen Rosinen klein hacken, in wenig Butter mit Zimt und Zucker rösten und kalt werden lassen. Rosinen und Gewürz stehen in diesem Rezept selbst nicht.

Was für ein Teig ist gemeint?

Ein Teig, „den du mit Wein hast angemacht“. Wenige Rezepte davor macht Rumpolt ihn aus lauter Wein und Mehl (rum-1669). Mengen nennt er nicht; er muss so dick sein, dass er am Oblatenrand haftet.

Warum kommen nur die Ränder in den Teig?

Der Teig an den Schnitträndern klebt die beiden Oblaten zusammen und hält die Füllung beim Backen drinnen. Im Weichselrezept sagt Rumpolt es selbst: „daß die Oblat beyeinander bleiben“.

Ist das Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Äpfel halten sich als Lagerobst, Oblaten, Mehl, Wein und Zucker sind Vorrat. Die Butter braucht etwas Kühlung; gebacken wird in der Pfanne.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

21. Nim̃ Epffel, richt sie zu wie zu den Krapffen, bestreich ein Oblat damit, vnd leg ein ander Oblat darauff, dz auffeinander bleibt, schneidt jn zu 2. oder 3. stuͤckẽ, vñ stoß die oͤrter in den Teig, dẽ du mit Wein hast angemacht, wirffs in heisse Butter, vnnd backs geschwindt hinweg, gibs warm auff ein Tisch, vnd bestraͤw es mit weissem Zucker, so ist es gut vnd wolgeschmack.
richt sie zu wie zu den Krapffen

Verweis auf eine Apfelzubereitung für Krapfen, ohne Nummer. Das nächste Beispiel im selben Kapitel ist rum-1663: Äpfel mit schwarzen Rosinen gehackt, in Butter mit Zimt und Zucker geröstet, kalt werden gelassen.

oͤrter

„Ort“ ist hier Ecke oder Rand der geschnittenen Stücke, „stoßen“ das Hineintauchen in den Teig, nicht Zerstoßen. Dieselbe Formel steht im Weichselrezept (rum-1655) mit der Begründung „daß die Oblat beyeinander bleiben“.

Oblat

Dünnes, ungesäuertes Blatt aus Mehl und Wasser, hier als Gebäckunterlage für die Füllung.

schneidt jn

„jn“ ist „ihn“, also das Oblatenpaket.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Epffelapple Q89
Oblatwafer Q1226651
Weinwine Q282
(erschlossen)flour Q36465
heisse Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartricht sie zu wie zu den Krapffen

Gewählte Lesart: Die Äpfel werden so zubereitet wie für Rumpolts Apfelgebäck im selben Kapitel (rum-1663): mit schwarzen Rosinen klein gehackt, in Butter mit Zimt und Zucker geröstet und kalt werden gelassen. Es ist das einzige vorausgehende Rezept des Kapitels mit einer Apfelfüllung für Teiggebäck; der Verweis selbst nennt aber keine Nummer.

Andere mögliche Lesart:

  • Rohe, klein geschnittene Äpfel als Füllung. - Möglich, wenn Rumpolt eine andere Krapfenzubereitung meint; ein solches Rezept mit Füllungsangabe steht im Buch aber nicht. Roh bleiben die Äpfel in der kurzen Backzeit hart.

Lesartstoß die oͤrter in den Teig

Gewählte Lesart: Die Schnittränder der gefüllten Stücke werden in den Teig getaucht, damit er die beiden Oblaten zusammenklebt und die Füllung einschließt. So begründet es Rumpolt im Weichselrezept (rum-1655), und die älteren Fassungen tunken ebenfalls nur die Ränder ein (w1-238 „mit den ortern“, std-193 „nur an otten“).

Andere mögliche Lesarten:

  • Nur die Ecken (Spitzen) der Stücke eintunken. - „Ort“ kann Spitze oder Ecke heißen; zum Zusammenkleben der Lagen müssen aber die ganzen offenen Schnittseiten geschlossen werden.
  • Das ganze gefüllte Stück durch den Teig ziehen. - So macht es die Koch- und Kellermeisterei (kkm-045), und Rumpolt taucht ungefüllte Oblaten ganz ein (rum-1692). Hier sagt er aber ausdrücklich „die oͤrter“.

Lesartden Teig/ dẽ du mit Wein hast angemacht

Gewählte Lesart: Ein Teig aus Wein und Mehl, wie Rumpolt ihn wenige Rezepte davor „von lauter Wein vnd Mehl“ anmacht (rum-1669, ebenso rum-1692); Mehl ist ergänzt, Mengen nennt er nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Moderne Praxis: ein dickflüssiger Teig wie für Pfannkuchen aus Weißwein und Mehl. - Brauchbarer Richtwert zum Nachkochen, aber nicht aus dem Text; die Dicke ergibt sich aus der Aufgabe, am Oblatenrand zu haften.

Lesartbacks geschwindt hinweg

Gewählte Lesart: Rasch ausbacken, „hinweg“ im Sinn von fertig, bis der Teigrand fest ist; Farbe und Zeit nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Moderne Praxis: in heißer Butter goldgelb ausbacken, Hitze wach führen. - Oblate und Butter bräunen schnell; Rumpolt warnt im Weichselrezept: „verbrenn es nicht“.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1673
LagerkücheLagerküche
Äpfel halten sich als Lagerobst, Oblaten, Mehl, Wein und Zucker sind Vorrat. Die Butter braucht etwas Kühlung, ausgebacken wird in der Pfanne über dem Feuer. Die Apfelmasse vorher rösten und abkühlen lassen.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.