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Piscoten aus ganzen Eiern und Mehl

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Mach einen Teig an aus lauter Eiern, mit Dotter und Weiß, besonders wenn die Eier sehr frisch sind, und feinem Mehl, so werden es schöne Piscoten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyer mit Dotter vnnd weiß Eier mit Dotter und Weiß (ganze Eier) - - -
schoͤn Mehl feines Mehl - - -

Welches Gericht ist das? Ein Teig aus ganzen Eiern und feinem Mehl, aus dem Piscoten werden, ein trockenes, zweimal gebackenes Gebäck in der Art von Zwieback. Rumpolt gibt in dieser Nummer nur den Teig an: keine Mengen, keinen Zucker, kein Gewürz, keinen Backschritt. Von den Nachbarnummern unterscheidet sie sich durch den Teig selbst: in Nr. 51 (rum-1703) mit Anis und Koriander, in Nr. 52 (rum-1704) nur aus Eiweiß, hier aus ganzen Eiern ohne weitere Zutat.

Was heißt „Piscoten“? Das Wort ist das italienische biscotto und meint Zwieback. Rumpolt beschreibt das Verfahren in Nr. 51 selbst: backen, auskühlen lassen, fingerdick schneiden und im nicht mehr heißen Ofen trocknen, bis die Stücke durch und durch trocken sind. Mit dem heutigen Biskuit, einem luftigen, einmal gebackenen Schaumteig, ist es nicht gleichzusetzen.

Die Eier. „Lauter Eyer mit Dotter vnnd weiß“ heißt: nur Eier, ganz, ohne Wasser oder Milch. Ganze Eier binden und lockern zugleich, das Eiweiß schäumt, der Dotter bindet und macht mürbe. Rumpolts Hinweis auf sehr frische Eier ist sachlich: frisches Eiweiß schlägt höher auf und trägt den Teig besser.

Die Teigfestigkeit. Wie fest der Teig wird, sagt Rumpolt nicht. Für die Praxis empfiehlt sich ein formbarer Teig, der sich zu Stangen formen und nach dem ersten Backen schneiden lässt. Ein fließender Schlagteig, der wie in Nr. 52 mit dem Löffel aufgesetzt wird, ist ebenso möglich.

Backen und Trocknen. Diese Nummer nennt keinen Backschritt, nur das Ergebnis. Wir folgen Nr. 51; ob Rumpolt hier dasselbe Zweimalbacken meint, sagt der Text nicht ausdrücklich, der Name legt es nahe. Zucker, Anis oder Koriander aus den Nachbarnummern ergänzen wir nicht.

Praxis. Etwa 1 Ei auf 50 bis 60 g Mehl gibt einen formbaren Teig, das ist ein moderner Ansatz, keine Angabe Rumpolts. Den Teig zu einem länglichen Laib formen, im heißen Ofen backen, auskühlen lassen, fingerdick schneiden und die Scheiben im nicht mehr heißen Ofen unter gelegentlichem Wenden trocknen, wie Rumpolt es in Nr. 51 beschreibt. Ohne Zucker bleiben die Piscoten neutral im Geschmack.

Was sind Piscoten?

Zwieback, also ein zweimal gebackenes, trockenes Gebäck. Das Wort kommt vom italienischen biscotto und ist im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch und bei Lexer als „Zwieback“ bzw. „Schiffszwieback“ belegt. Rumpolt beschreibt das Verfahren in Nr. 51 (rum-1703): backen, fingerdick schneiden, im nicht mehr heißen Ofen trocknen. Mit heutigem Biskuit hat es nur den Wortstamm gemeinsam.

Wie werden diese Piscoten gebacken?

Diese Nummer sagt es nicht, sie gibt nur den Teig aus ganzen Eiern und feinem Mehl. Wir folgen dem Verfahren aus Nr. 51 (rum-1703); das ist eine Ergänzung aus der Reihe, kein Schritt dieses Rezepts.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Mehl ist Vorrat, aber Piscoten brauchen einen Ofen zum Backen und zum langsamen Nachtrocknen. Im Lager geht das allenfalls im Dutch Oven mit Glut oben und unten, das Trocknen ist dort schwer zu steuern. Frische Eier halten ohne Kühlung nur begrenzt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

53. Mach ein Teig an mit lauter Eyer mit Dotter vnnd weiß, sonderlich wenn die Eyer gar frisch seyn, vnnd schoͤn Mehl, so werden es schoͤne Piscoten.
Piscoten

Zweimal gebackenes, trockenes Gebäck, Zwieback. Frühneuhochdeutsches Wörterbuch (biscotte): „Schiffszwieback, Zwieback“; Lexer (piscot): „zwieback“, aus italienisch biscotto; Benecke/Müller/Zarncke: Schiffszwieback. Rumpolt beschreibt das Verfahren in Nr. 51 (rum-1703). Kein Biskuit im heutigen Sinn.

lauter Eyer

„Lauter“ heißt hier „nur, ausschließlich“: ein Teig nur aus Eiern, ohne Wasser oder Milch, vgl. „lauter Eyerdotter“ in Nr. 54. Nicht „reine“ im Sinne von Qualität.

schoͤn Mehl

Feines, helles Mehl; in Nr. 51 heißt es „schoͤn weiß Mehl“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyer mit Dotter vnnd weißchicken egg Q15260613
schoͤn Mehlflour Q36465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartPiscoten

Gewählte Lesart: Zwieback-artiges, zweimal gebackenes Trockengebäck. Belegt im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch (biscotte: Schiffszwieback, Zwieback), bei Lexer (piscot: zwieback, aus it. biscotto) und bei Benecke/Müller/Zarncke (Schiffszwieback); Rumpolt beschreibt in Nr. 51 (rum-1703) selbst Backen, Schneiden und Nachtrocknen.

Andere mögliche Lesart:

  • Biskuit im heutigen Sinn, ein luftiger, einmal gebackener Schaumteig - Verworfen: falscher Freund. Die Wörterbücher geben Zwieback, und Rumpolts Piscoten werden in Nr. 51 nachgetrocknet; die Teigzutaten allein tragen die moderne Gattung nicht.

Lesartlauter Eyer

Gewählte Lesart: „nur Eier“: der Teig wird ausschließlich mit ganzen Eiern angemacht, ohne Wasser oder Milch; vgl. „lauter Eyerdotter“ in Nr. 54.

Andere mögliche Lesart:

  • „reine, saubere Eier“ als Qualitätsangabe - Unwahrscheinlich: die Qualität nennt Rumpolt eigens („gar frisch“), und „lauter“ steht in den Nachbarnummern für „nur“.

LesartTeigfestigkeit

Gewählte Lesart: Offen: Rumpolt sagt nur „Teig“ und nennt kein Verhältnis von Eiern zu Mehl. Möglich ist ein fließender Schlagteig, der wie in Nr. 52 (rum-1704) mit dem Löffel aufgesetzt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Formbarer Teig aus etwa 1 Ei auf 50 bis 60 g Mehl, zu Stangen geformt - Praxisansatz in der Zubereitungsnotiz: passt zum Schneiden und Nachtrocknen nach Nr. 51; die Menge ist modern, nicht Rumpolts.

Lesartso werden es schoͤne Piscoten

Gewählte Lesart: Der Satz nennt nur das Ergebnis, keinen Backschritt. Über den Namen und das Verfahren in Nr. 51 (rum-1703) liegt das Zweimalbacken nahe: backen, schneiden, im nicht mehr heißen Ofen trocknen.

Andere mögliche Lesart:

  • Einmal gebacken und frisch gegessen - Möglich, weil dieses Rezept selbst kein Trocknen nennt; nur Rumpolts Nachbarrezepte und der Name sprechen für das Nachtrocknen.

LesartZucker und Gewürze

Gewählte Lesart: Nichts ergänzt: der Text nennt nur Eier und feines Mehl.

Andere mögliche Lesart:

  • Anis, Koriander oder Zucker wie in Nr. 51 und Nr. 52 - Im Text dieser Nummer nicht belegt; wer die Piscoten süß oder würzig möchte, folgt den Nachbarnummern, nicht dieser.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXIXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1705
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Backofen): Rumpolt nennt hier nur den Teig. Gebacken werden Piscoten nach Nr. 51 im Ofen und danach im nicht mehr heißen Ofen nachgetrocknet; im Lager geht das allenfalls im Dutch Oven mit Glut oben und unten, das Nachtrocknen ist dort schwer zu steuern. Mehl ist Vorrat, frische Eier halten ohne Kühlung nur begrenzt.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.