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Rosinenmus mit Zimt und Ingwer

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit40 Min.Portionen4-6 Personen (als süßer Aufstrich oder Torten-Fülle)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Die Weinbeeren zuvor gründlich waschen. Dann die Weinbeeren mit einem guten Wein durchpressen, bis eine feine Masse entsteht. Das Durchgepresste nehmen und sieden lassen, so wie man ein Mus siedet. Mit Wein verrühren und Zucker, Zimt und ein wenig Ingwer daruntermischen, je nachdem ob das Mus süß oder kräftig gewürzt sein soll.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
weinber Weinbeeren - - -
ainem gúten wein Guter Wein - - -
zúcker Zucker - - -
zimetrerlach Zimt - - -
jmber Ingwer - - -

Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Rosinenmus: getrocknete Weinbeeren werden mit Wein zu einer feinen Masse verarbeitet, kurz gesotten und mit Zucker, Zimt und Ingwer nach Belieben mild oder kräftig abgeschmeckt. Es ist kein exotischer Rekonstruktionsversuch, sondern hat bis heute lebende Verwandte: die Rosinen- beziehungsweise Weinbeersauce zu gekochtem Schinken oder Zunge und die Rosinenfülle für Torten gehören zur selben Familie.

Praxis. Die Rosinen zunächst gründlich waschen, dann mit einem guten Wein durchpressen - ein feines Sieb oder ein sauberes Tuch eignen sich beide dafür, der Text selbst nennt kein Werkzeug. Die durchgepresste Masse wie ein Mus einkochen, bis sie sämig wird, anschließend mit etwas Wein lockern und mit Zucker, Zimt und einer Prise Ingwer abschmecken. Die Würzmenge am Schluss bleibt bewusst offen - mehr Zucker für ein mildes, mehr Zimt und Ingwer für ein kräftiges Mus.

Wie presst man die Weinbeeren richtig durch?

Ein feines Sieb oder ein sauberes Küchentuch genügt. Die gewaschenen Rosinen mit dem Wein hineingeben und mit einem Löffel oder den Händen durchdrücken, bis nur noch Kerne und Häute zurückbleiben. Wer es sich leichter machen will, püriert die Rosinen zuerst kurz mit dem Wein im Mixer und streicht die Masse danach durch ein Sieb.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Rosinen, Wein und Gewürze sind lagerstabil und brauchen keine Kühlung, die Zubereitung dauert unter einer Stunde und kommt mit Topf und Sieb aus.

Warum darf man das Mus 'süß oder stark' machen?

Der Schlusssatz lässt bewusst offen, wie stark gewürzt wird. 'Süß' meint mehr Zucker, 'stark' mehr Zimt und Ingwer. Solche Wahlmöglichkeiten am Rezeptende sind typisch für Kochbücher dieser Zeit, die eher Richtwerte als feste Mengenangaben liefern.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain weinbermúsß machen/ So stosß die weinber dúrch mit ainem gúten wein/ doch sollen die weinber vor woll gewaschen sein, nim das dúrchtriben vnnd seúds, wie man ain músß seúdt, vnnd mengs mit wein vnnd thú zúcker, zimetrerlach vnnd ain wenig jmber daran, darnach du es siesß oder starck haben wilt.
weinber

Wörtlich 'Weinbeeren'. Gemeint sind hier getrocknete Rosinen, nicht frische Weintrauben, denn sie werden vor der Verarbeitung gewaschen und durch Pressen mit Wein zu einer glatten Masse verarbeitet - eine typische Vorbereitung für getrocknetes Obst. Dieselbe Lesart bestätigt sich im Buch selbst: an anderer Stelle (Rezept 7) stehen 'weinber' und 'ziwiben' (große Zibeben) nebeneinander als zwei unterschiedliche Trockenfrucht-Größen.

zimetrerlach

Wörtlich 'Zimt-Röhrlein', gemeint sind die zu Röllchen gerollten Zimtstangen. Der häufigste Gewürzbegriff im Kochbuch der Sabina Welserin.

dúrchtriben

Das durchgepresste Fruchtfleisch. Das Pressen mit Wein löst die Rosinen auf und ergibt eine glatte Masse.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 14 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

weinberraisin Q13186
ainem gúten weinwine Q282
zúckerunrefined cane sugar Q57656231
zimetrerlachcinnamon Q28165
jmberginger Q15046077

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 14 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Rosinen mit Wein durch ein Tuch pressen, kurz aufkochen, mit Zucker und Gewürz abschmecken, in gut 30 Minuten fertig. Alle Zutaten sind trocken oder lagerstabil, es braucht nur Topf, Sieb oder Tuch und ein Feuer.
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Stand dieser Fassung: 18.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.