Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598
Apfelküchlein mit einem Teig sind nichts für die Kranken. Doch kann man sie, sofern sie nicht fettig werden, in Mehl wenden und das Mehl gut davon durch ein Seihbecken mit großen Löchern abschütteln und knusprig ausbacken, nicht oft umkehren.
Danach auf das Brot ziehen und gleich so warm gut mit Zucker bestreuen, darunter ein wenig Ingwer.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Aepffelkuͤchlein | Äpfel | - | - | - |
| Meel | Mehl | - | - | - |
| (erschlossen) | Schmalz zum Ausbacken | - | - | - |
| brot | Brot | - | - | - |
| Zucker | Zucker | - | - | - |
| ein wenig Jngwer | Ingwer | - | - | - |
Praxis. Äpfel schälen, entkernen und in Ringe oder Spalten von etwa 1 cm schneiden; der Text nennt keinen Zuschnitt, im folgenden Rezept (wec-234) werden sie geviertelt. In Mehl wenden und in einem groben Sieb schütteln, bis nur ein dünner Überzug bleibt. In mittelheißem Schmalz (etwa 170 Grad) je Seite 2 bis 3 Minuten goldbraun und knusprig backen, möglichst nur einmal wenden. Auf eine Scheibe Brot legen und sofort reichlich mit Zucker bestreuen, unter den eine Prise gemahlener Ingwer gemischt ist.
Backfett. Wecker nennt hier kein Fett. Schmalz ist erschlossen aus „ſchmaltzig“ und aus wec-234, das die Küchlein in Schmalz bäckt; die Menge bleibt offen.
Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.
Seihbecken: ein Becken mit Löchern, also ein grobes Sieb. Durch die großen Löcher fällt nur das überschüssige Mehl.
Aus dem Fett ziehen und auf das Brot legen. Das nächste Rezept (wec-234) sagt es ausführlicher: „zeuchs aber herauß/ legs auff brot oder ein weiß tuch“.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Aepffelkuͤchlein | apple Q89 |
| Meel | flour Q36465 |
| (erschlossen) | animal fat Q1423543 |
| brot | bread Q7802 |
| Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| ein wenig Jngwer | ginger Q15046077 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
muͤlben
Gewählte Lesart: In Mehl wenden. Wecker gebraucht das Wort sonst als „melben“ oder „maͤlben“ für das Mehlen vor dem Backen: „in ſchoͤnem meel gemelbet wie die Aepffel“ (wec-280), „melbs im ſchoͤnem meel“ (wec-290), „melben vnnd ſchnell bachen“ (wec-253), „maͤlbe es“ (wec-229). Dazu passt, dass das Mehl im selben Satz wieder abgeschüttelt wird. Die Form mit ü steht nur hier.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 23.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.