Forellen in der Pastete
Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598
Die Fische vorbereiten: Wenn du Fische gut und aufs Beste braten willst, so nimm sie vorher aus, besonders Forellen, Aal und Äschen, die man gewöhnlich kalt gibt, und lass die Rücken ganz. Haben sie Rogen und recht fettes Eingeweide, so such die Galle heraus und lass das andere darin. Lege sie in Essig, so lange du Zeit hast. Vorher aber schneide sie vom Rücken bis zum halben Bauch ordentlich ein, auf beiden Seiten, je nachdem die Fische dick oder dünn sind, nicht durch.
Würzen und braten: Wenn sie genug im Essig gelegen haben, so mach Pfeffer und Ingwer bereit, und zwar so, wie jeder seine Fische beim Sieden gern gewürzt hat. Das taugt auch zum Braten. Karpfen mögen gern Pfeffer, Ingwer und Nelken, das taugt auch zum Braten, beim Braten aber am allermeisten Pfeffer. Zu Brassen, Forellen, Rotaugen, Barschen, Aal, Nasen und dergleichen nimm Muskatblüte und Nelken, auch gern Salbei hinter die Ohren und in den Bauch. Zuvor aber bereite sie gut mit dem Gewürz und salze sie in den Schnitten und innen das Eingeweide. Und wenn sie auch keines haben, leg sie auf den Rost und trockne sie sanft. Der Essig macht sie recht fein und frisch. Bereite eine Brühe mit Schmalz, Essig, dem genannten Gewürz und fein geschnittenem Salbei und lass sie sieden. Reibe sie immer wieder mit Salbei ein, bis sie fast gebraten sind, dann trockne sie ab.
In der Pastete: Auf dieselbe Weise bereite andere Fische, die du in die Pastete machen willst, und schneide sie ebenso ein. Lass sie aber immer über Nacht oder von früh am Morgen bis zum Abend im Essig liegen. Danach bereite sie mit Pfeffer, Ingwer, Muskatblüte, Nelken und geschnittenem Salbei in den Pastetentopf, wie du es vom Lachs her kennst. Es ist ein herrlicher Fisch für die Pastete, wenn man ihn recht zu kochen weiß. Du kannst Zitronen dazutun, sie geben ihnen aber nichts als die Pracht, denn sie trocknen aus und hängen am Deckel. Man isst die Forellen als Lachs. Backe sie anderthalb Stunden, je nachdem sie groß oder klein sind.
Zum Schluss: Wie man alle Formen bereiten, verzieren und machen soll, würde mir diesmal zu viel Zeit nehmen. Bereite es also so, wie zuvor gesagt, mit Hechten, Karpfen und allem, was gut zu braten ist.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Fohren | Forellen | - | - | - |
| Eſſig | Essig | - | - | - |
| Pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| Jngwer | Ingwer | - | - | - |
| Naͤgelein | Nelken | - | - | - |
| Muſcatbluͤh | Muskatblüte | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Salvey | Salbei | - | - | - |
| ſaltze | Salz | - | - | - |
| ſchmaltz | Schmalz | - | - | - |
| Lemonien | Zitronen (optional) | - | - | - |
Praxis. Die Fische ausnehmen, beidseitig vom Rücken bis zur Bauchmitte einschneiden, ohne durchzuschneiden, und für die Pastete 8 bis 12 Stunden kühl in Essig legen. Gewürzmengen nennt die Quelle nicht: Pfeffer vorherrschend, Muskatblüte und Nelken sparsam, Salbei in Bauch und Kopfgegend. Für die Pastete einen festen Teig für Boden und Deckel nehmen (moderner Ersatz). Als moderner Anhalt: Ober- und Unterhitze um 180 °C, anderthalb Stunden je nach Größe, wie im Text.
Vom Rost. Die Brühe aus Schmalz, Essig, Gewürz und Salbei aufkochen und die Fische auf dem Rost immer wieder mit dem Salbei einreiben, bis sie fast gar sind.
Welchen Teig nimmt man für den Pastetentopf?
Das Rezept nennt ihn nicht, es verweist für die Pastete auf den Lachs. Dort legt Wecker den Fisch auf den Teig und deckt ihn mit „den andern teig“ zu (wec-452), ohne die Zusammensetzung zu nennen. Heute tut es ein fester Pastetenteig für Boden und Deckel; das ist ein modernes Hilfsmittel, keine Angabe der Quelle.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.
- Fohren
Forellen, nicht die Föhre (Kiefer). Henisch 1616 führt „teich fohre“ als truta piscinaria, und Wecker sagt selbst, man esse sie „für Salmen“.
- Perſing
Der Barsch; „Aſch“ in derselben Reihe ist die Äsche.
- hinder die Ohren
Wörtlich „hinter die Ohren“. Gemeint ist vermutlich die Gegend hinter dem Kopf bei den Kiemen; einen Wörterbuchbeleg für „Ohren“ beim Fisch gibt es nicht.
- keck
Lebendig, frisch (EtymWb: keck zu ahd. quec ‚lebendig‘). Der Essig hält das Fischfleisch frisch und straff.
- hafen
„Hafen“ ist sonst der Topf. Bei Pasteten meint Wecker die aus Teig aufgezogene Schale mit Teigdeckel, im Lesetext „Pastetentopf“; hier ist der Deckel genannt, ein Tongefäß nennt Wecker ausdrücklich „irden“.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Fohren | trout Q2258881 |
| Eſſig | vinegar Q41354 |
| Pfeffer | pepper Q3143131 |
| Jngwer | ginger Q15046077 |
| Naͤgelein | clove Q15622897 |
| Muſcatbluͤh | mace Q1882876 |
| Salvey | common sage Q1111359 |
| ſaltze | table salt Q11254 |
| ſchmaltz | fat, unspecified Q2789594 · Q1423543 · Q427457 |
| Lemonien | lemon Q1093742 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
dann ſie trockẽ auß, vnd hangen an dem deckel
Gewählte Lesart: Die Zitronen trocknen aus und hängen am Deckel. Nur so begründet der Satz, warum sie den Fischen „nichts dann die herrligkeit“ geben: Sie kleben am Teigdeckel, statt an den Fisch zu kommen. Der Lesetext lässt das „sie“ offen wie das Original.
Andere mögliche Lesart:
- Die Fische trocknen aus und hängen am Deckel - „jhnen“ und „sie“ stehen dicht beieinander und können beide die Fische meinen; dann wäre der Satz eine Warnung, dass Forellen in der Pastete leicht trocken werden.
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Stand dieser Fassung: 26.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
