Ganze Rosen und andere Blüten in Honig einmachen
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Ganze Rosen und andere Blüten einmachen: Man nehme Rosen, die kaum geöffnet sind, und siede sie in sauberem Regenwasser, bis sie mürbe sind. Dann nehme man dasselbe Wasser und gebe Honig hinein, die Hälfte mehr an Gewicht als die Rosen. Man kläre den Honig mit Eiweiß und mache daraus einen Julep, das ist ein dünner, leichter Sirup, und lasse es einen Tag oder anderthalb zusammen stehen. Danach koche man den Honig ein, in der Weise, wie wir es weiter vorn bei Kalmus und Alantwurzel gelehrt haben.
Wirkung und Wahl des Honigs: Diese Rosen sind sehr gut gegen Beschwerden der Kehle, die von Hitze kommen, und sie stärken sehr das Gehirn, das Herz und den Magen. Obwohl der Honig von erwärmender Natur ist, ist er dennoch reinigend und austrocknend in seinen Kräften. Darum soll man die Rosen und auch alle kühlenden Dinge mit dem weißesten Honig einmachen, so wie wir es zuvor gezeigt haben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Roſen die naulicx open zijn | Rosen, kaum geöffnet | - | Eigener Garten oder Wochenmarkt (ungespritzte Rosen) | - |
| ſchoon regenwater | Sauberes Regenwasser | - | - | Kalkarmes Wasser |
| Honich de helft meer in gewicht als Roſen | Honig, die Hälfte mehr an Gewicht als die Rosen | - | - | - |
| witte van eyeren | Eiweiß | - | - | - |
Was ist das? Eingemachte ganze Rosenblüten: kaum geöffnete Rosen, weich gesotten, die zuletzt in dick eingekochtem Honigsirup stehen. Am nächsten kommt heute eine Rosenkonfitüre mit ganzen Blüten.
Sirup aus dem Kochwasser. Das Wasser, in dem die Rosen gesotten wurden, wird zur Grundlage des Sirups. Wie viel Wasser es ist, sagt Clutius nicht; das Ergebnis soll ein dünner Sirup sein. Das Klären mit Eiweiß nennt er hier nur. Ausgeführt ist es im Rezept zum Honigläutern: Eiweiß in Wasser aufschlagen, den Honig dazugeben, auf glatter Kohlenglut ein- oder zweimal aufwallen lassen und durch einen Hypocras-Sack oder ein Wolltuch gießen, bis es klar läuft.
Der Schritt, auf den er verweist. Das Einkochen steht bei Kalmus und Alantwurzel: Den Sirup bis zur Dicke von Honig einkochen, erkalten lassen, die Einlage wieder hineingeben und das wiederholen, bis der Sirup nicht mehr dünn wird. Die Wiederholung ist nötig, weil die Einlage den Sirup wieder verdünnt. Danach kommt alles in saubere Töpfe. Dass die Rosen in den erkalteten Sirup kommen, steht nur dort, nicht in diesem Eintrag.
Praxis. Heutiger Hinweis: Nur ungespritzte Rosen verwenden. Statt Regenwasser geht kalkarmes Wasser. Die gesottenen Rosen wiegen und die Hälfte mehr an Honig nehmen. Heute den Ansatz abgedeckt und kühl stehen lassen, denn ein so dünner Honigsirup kann in der Wärme zu gären beginnen. Zum Abfüllen saubere Gläser nehmen. Eine Haltbarkeit nennt Clutius nicht.
Welche Rosen kann ich nehmen?
Clutius verlangt nur Rosen, die kaum geöffnet sind, eine Sorte nennt er nicht. Heutiger Hinweis: Nur ungespritzte Rosen nehmen, Ware aus dem Blumenhandel ist in der Regel nicht zum Essen gedacht.
Wie viel Honig nehme ich?
Die Hälfte mehr an Gewicht als die Rosen, also drei Teile Honig auf zwei Teile Rosen. Eine Wassermenge nennt Clutius nicht.
Ist das Rezept für die Lagerküche geeignet?
Ja. Es braucht nur Topf und Feuer, aber Geduld: Der Ansatz steht einen Tag oder anderthalb, danach wird eingekocht. Kaum geöffnete Rosen gibt es nur zur Blütezeit.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- Julep
Clutius erklärt das Wort selbst: ein dünner, leichter Sirup. Das Mittelniederländische Wörterbuch kennt es als kühlenden Trank, eigentlich Rosenwasser, aus dem Arabisch-Persischen über das Französische.
- confijten
Einmachen, hier in Honig. Das Mittelniederländische Wörterbuch nennt dazu „al wat ingemaakt of ingelegd wordt“. Die Blüten bleiben im Sirup, sie werden nicht kandiert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| witte van eyeren | egg white Q796758 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
verſiet den Honich
Gewählte Lesart: Der Sirup wird ohne die Rosen eingekocht, sie kommen danach in den erkalteten Sirup zurück. Der Satz nennt nur den Honig und verweist auf Kalmus und Alantwurzel, wo genau das steht.
Andere mögliche Lesart:
- Rosen und Sirup zusammen einkochen - Möglich, weil es zuvor „te ſamen“ stand, aber das Bezugsrezept verfährt anders, und die Blüten sollen ganz bleiben.
in gewicht als Roſen
Gewählte Lesart: Die gesottenen Rosen werden gewogen, denn das Gewicht kommt in der Reihenfolge des Textes erst nach dem Sieden zur Sprache.
Andere mögliche Lesart:
- Die frischen Rosen werden gewogen - Bei den Orangenschalen schreibt Clutius ausdrücklich vor, sie zuerst frisch zu wiegen. Hier sagt er das nicht.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
