Kalmus und Alantwurzel in Honig einmachen
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um Kalmus oder Acorus und Alantwurzel einzumachen:
Man soll den Acorus oder Kalmus und die Alantwurzel sehr sauber waschen und von aller Unreinheit befreien und sie 10 oder zwölf Tage in Lauge oder leichter Salzlake einweichen. Danach soll man die Wurzeln in sauberem Regenwasser erneut einweichen und es alle Tage erneuern, bis der Geschmack der Lauge und die Salzigkeit heraus sind. Danach soll man die Wurzeln waschen und in sauberem Regenwasser sieden, bis sie mürbe sind.
Danach soll man die Wurzeln ohne Wasser in einen Topf geben und auf jedes Pfund Wurzeln 2 Pfund Honig nehmen. Man soll den Honig mit Eiweiß klären, zu einer Art dünnem, leichtem Sirup, und danach den geklärten Sirup erkalten lassen. Ist er kalt geworden, soll man die Wurzeln einen Tag oder anderthalb darin lassen. Danach soll man den Sirup bis zur Dicke von Honig einkochen, wieder erkalten lassen und dann die Wurzeln dazugeben, bis man sieht, dass der Sirup nicht mehr dünn wird. Dann soll man sie in saubere Töpfe tun.
Von der Wirkung des Acorus: Die Kräfte des eingemachten Acorus sind sehr gut bei Frauenleiden, denn er öffnet die Gebärmutter. Er ist auch sehr gut für einen schlechten Magen, wenn man morgens nüchtern ein Stück von der Größe eines Fingerglieds davon nimmt. Man kann daraus auch einige Konserven für vielerlei Gebrechen machen, wenn man einige Gewürze oder aromatisierte Mischungen daruntermengt.
Von der Wirkung der Alantwurzel: Die Alantwurzel ist auch sehr gut gegen Husten und eine schlechte Brust. Sie bringt die verlorene Sprache zurück. Sie ist auch sehr gut für den Magen, wenn er von wässriger Feuchtigkeit geplagt ist, und auch geeignet für die Frauen, die ihre Monatsblutung schwer bekommen können. Man gebraucht sie auch in Pestzeiten. Man kann daraus auch Konserven aus den gestoßenen Wurzeln machen und einige Gewürze daruntermengen, die für Brust und Magen geeignet sind, ganz nach den Gebrechen, die den Menschen widerfahren können.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Calmus ofte Acorus | Kalmus oder Acorus | - | - | - |
| Alantwortel | Alantwurzel | - | Online-Kräuterhandel, Apotheke | - |
| loge ofte lichte pekel | Lauge oder leichte Salzlake | - | - | - |
| ſchoon regenwater | sauberes Regenwasser | - | - | - |
| 2. pont Honichs | Honig (auf je 1 Pfund Wurzeln) | 2 Pfund | - | - |
| wit van eyeren | Eiweiß | - | - | - |
Was ist das? In Honigsirup eingemachte Wurzeln, ein Konfekt, das Clutius als Hausarznei beschreibt: Davon isst man morgens ein Stück. Mit Kandieren im heutigen Sinn hat es nichts zu tun, von Trocknen oder einer Kruste steht nichts im Text. Die Wurzeln kommen am Ende in saubere Töpfe.
Kalmus heute. Die Asarone in der Kalmuswurzel gelten als erbgutverändernd, krebserregend und fortpflanzungsgefährdend. Das Rezept ist beim Kalmus deshalb Zeitzeugnis. Clutius behandelt beide Wurzeln gleich, das Verfahren lässt sich also auch mit Alantwurzel allein durchführen.
Einweichen und Wässern. Einen Zweck für die Lauge oder Lake nennt Clutius nicht, nur das Ende des Wässerns: Der Geschmack von Lauge und Salz muss heraus sein. Das prüft man durch Kosten. Welche Lauge gemeint ist, sagt er nicht. Lauge ist ätzend, heute nimmt man die leichte Salzlake.
Der Sirup. Mengen und Handgriffe zum Klären stehen in clu-001: Eiweiß in Wasser aufschlagen, den Honig dazu, aufwallen lassen und durchseihen. Dort wird dann bis zur Dicke von dünnem Terpentin eingekocht, hier bleibt der Sirup zuerst dünn und leicht. Die Wurzeln kommen erst in den kalten Sirup.
Wie oft einkochen? Der Text nennt keine Zahl, nur die Prüfung: Der Sirup wird nicht mehr dünn. Das spricht für Wiederholen, wie es clu-002 ausdrücklich beschreibt: Wird der Honig wieder dünn, abgießen, einkochen, kalt aufgießen. Für seine Rosen in clu-008 verweist Clutius genau auf dieses Verfahren.
Praxis. Wurzeln waschen, einweichen, täglich wässern, waschen, weich sieden, abtropfen und abwiegen. Honig klären, kalt werden lassen, die Wurzeln einen Tag oder anderthalb darin lassen. Dann Sirup ohne Wurzeln einkochen, kalt werden lassen, wieder zu den Wurzeln geben, bis er dick bleibt. Modern: Ohne sauberes Regenwasser nimmt man Trinkwasser. Das Eiweiß wird mitgekocht und abgeseiht, es bleibt also nichts Rohes im Konfekt.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Zehn oder zwölf Tage in Lauge oder Salzlake, tägliches Wasserwechseln und mehrfaches Einkochen im Sirup sind im Lager nicht zu führen.
Kann man das heute nachmachen?
Den Kalmus besser weglassen: Seine Asarone gelten als erbgutverändernd, krebserregend und fortpflanzungsgefährdend. Clutius behandelt beide Wurzeln gleich, das Verfahren geht also auch mit Alantwurzel allein. Statt Lauge, die ätzend ist, nimmt man die leichte Salzlake.
Wie viel nahm man davon?
Für den Acorus nennt Clutius ein Stück von der Größe eines Fingerglieds, morgens nüchtern. Das ist seine Angabe von 1597 und kein Gesundheitsrat.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- confijten
Einmachen, hier in Honigsirup. Gemeint ist das Ergebnis im Topf, nicht eine trockene Zuckerkruste.
- Calmus ofte Acorus
Zwei Namen derselben Wurzel, Kiliaan 1599 setzt Calmus mit Calamus aromaticus und acorus gleich: der Kalmus (Acorus calamus).
- Alantwortel
Wurzel des Echten Alants (Inula helenium), bei Kiliaan 1599 Helenium, inula.
- moeder
Gebärmutter. Die Wendung gibt Clutius' Wirkungsangabe wieder und ist kein Rat.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ſchoon regenwater | rain water Q21555202 |
| 2. pont Honichs | honey Q10987 |
| wit van eyeren | egg white Q796758 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
loge
Gewählte Lesart: Lauge, ohne Festlegung der Art. Mnw: Loog, bijtend of zuiverend vocht; Kiliaan führt looghe und looghasschen als lixivium. Der Text trennt sie von der Salzlake: 'vande loge ende ſoutheyt'.
Andere mögliche Lesart:
- Aschenlauge - Naheliegend wegen Kiliaans looghasschen, aber Clutius sagt nicht, woraus die Lauge gemacht ist.
tot datmen ſiet dat die Sijroop niet meer dunne en woꝛt
Gewählte Lesart: Das Einkochen und Zurückgeben wird wiederholt, bis der Sirup dick bleibt. So beschreibt es clu-002 ausdrücklich.
Andere mögliche Lesart:
- Nur ein Durchgang - Der Wortlaut nennt keine Wiederholung, aber die Prüfung ergäbe dann keinen Sinn.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
