Unreife Feigen, Mandeln, Birnchen, Quitten und Zitronenschalen in Honig einmachen
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um unreife Feigen, Mandeln, Birnchen, Quitten und andere Zitronenschalen einzumachen: Man soll die genannten Früchte zum Einweichen in eine leichte Salzlake oder in Lauge setzen, zehn oder zwölf Tage lang. Danach soll man die Lauge oder Lake abgießen und die genannten Früchte erneut in klarem Regenwasser einweichen, bis die Salzigkeit oder Schärfe weg ist.
Dann soll man die Früchte in Regenwasser in einem irdenen Topf sieden, bis sie mürbe sind. Auf jedes Pfund Früchte soll man 2 Pfund Honig nehmen und sie zubereiten, wie wir es bei den Walnüssen gelehrt haben.
Diese eingemachten Früchte gebraucht man bei Banketten und anderen Mahlzeiten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| onrijpe Vijgen | Unreife Feigen | - | - | - |
| Amandelen | Unreife Mandeln | - | - | - |
| Peerkens | Unreife Birnchen | - | - | - |
| Queen | Quitten | - | Wochenmarkt (Herbst) | - |
| andere Cytroenſchellen | Andere Zitronenschalen | - | - | - |
| lichte pekel van ſout | Salz für eine leichte Salzlake | - | - | - |
| loge | Lauge, wahlweise statt der Salzlake | - | - | - |
| claer regenwater | Klares Regenwasser | - | - | Weiches, kalkarmes Wasser (heutiger Ersatz) |
| 2. pont Honichs | Honig auf je 1 Pfund Früchte | 2 Pfund | - | - |
Was ist das? Früchte und Schalen, die erst lange gebeizt und gewässert, dann weich gesotten und in Honig eingekocht werden. Der Eintrag beschreibt nur die Vorbehandlung, für den Honig verweist er auf die Walnüsse (clu-005). Dieselbe Vorbehandlung mit demselben Honigverhältnis steht gleich danach bei Kalmus und Alant (clu-007).
Lake und Lauge. Den Zweck des langen Beizens nennt Clutius hier nicht. Beim Wässern der Orangenschalen (clu-002) soll die Bitterkeit weichen, für unreife Früchte liegt das nahe, ausdrücklich steht es hier nicht. Das Wässern danach hat einen genannten Zweck: Salz oder Schärfe müssen heraus. Wie viel Salz eine „leichte“ Lake enthält und woraus die Lauge gemacht ist, sagt der Text nicht.
Der Honigschritt. Bei den Walnüssen kommt der Honig auf die kalten Stücke: Die gesottenen Stücke werden vom Kochwasser getrennt und abgekühlt, dann gießt man den geläuterten Honig darüber. Wird er wässrig, kocht man ihn wieder ein, bis er so dick ist wie Terpentin. Das Walnuss-Rezept verweist für diesen Ablauf seinerseits auf die Orangenschalen, und dort wird das Einkochen und Wiederaufgießen wiederholt, bis der Honig nicht mehr dünn wird.
Praxis. Heute nimmt man die Salzlake, die der Text gleichrangig nennt, denn Lauge ist ätzend und braucht Handschutz und ein passendes Gefäß. Gewässert wird, bis eine Kostprobe nicht mehr salzig schmeckt. Dann im Regenwasser oder weichem Wasser sieden, bis sich die Stücke leicht eindrücken lassen, und abkühlen lassen. Geläuterten Honig (clu-001) daraufgießen und nach dem Walnuss-Verfahren einkochen, bis er dick bleibt. Ob die Früchte zusammen oder getrennt eingemacht werden, lässt der Text offen. Wegen der Reifezeit im Jahr wird man sie heute getrennt ansetzen.
Was ist dieses Walnuss-Rezept, auf das verwiesen wird?
Das Rezept direkt davor (clu-005). Dort kommt zu den gesottenen, abgekühlten Nüssen der geläuterte Honig, wird wässrig und wird wieder eingekocht, bis er dick wie Terpentin ist. Ohne diesen Schritt fehlt hier der Weg vom gekochten zum eingemachten Obst.
Muss es Lauge sein?
Nein. Clutius nennt Salzlake und Lauge wahlweise. Lauge ist ätzend, heute nimmt man deshalb die Salzlake.
Ist das etwas für die Lagerküche?
Nein. Zehn oder zwölf Tage Einlegen, das Auswässern und das wiederholte Einkochen im Honig lassen sich im Lager nicht verlässlich führen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- confijten
Hier: in Honig einmachen. Wie das geht, steht nicht in diesem Eintrag, sondern bei den Walnüssen.
- pekel / loge
„Pekel“ ist Salzlake, „loge“ ist Lauge. Der Text stellt beide gleichrangig nebeneinander, und „sulticheyt ofte scharpheyt“ nimmt das Paar wieder auf: die Salzigkeit der Lake oder die Schärfe der Lauge.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Queen | quince Q2751465 |
| claer regenwater | rain water Q21555202 |
| 2. pont Honichs | honey Q10987 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
andere Cytroenſchellen
Gewählte Lesart: Zitronenschalen. Kiliaan führt „Citroen“ als Citreum, Medicum malum. „Andere“ bleibt wörtlich stehen und grenzt wohl von den zuvor behandelten Orangenschalen ab, nicht von den Quitten.
Andere mögliche Lesarten:
- Schalen der Zitronatzitrone - Kiliaans lateinische Namen decken diese Frucht ebenso. Der Text unterscheidet die Sorten nicht, deshalb nicht enger übersetzt.
- Zitrusschalen allgemein - Passt zu „andere“, doch Orangen heißen bei Clutius eigens „Orangie“.
onrijpe Vijgen, Amandelen, Peerkens; Queen
Gewählte Lesart: „Unreif“ gilt sicher für Feigen, Mandeln und Birnchen, denn nach „Peerkens“ steht im Druck ein Strichpunkt. Für Quitten und Schalen bleibt es deshalb offen, die Übersetzung behält die Reihe wie gedruckt.
Andere mögliche Lesart:
- „Unreif“ gilt für die ganze Reihe - Grammatisch möglich, bei Schalen aber wenig sinnvoll.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
