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Orangenschalen in Honig konfieren

Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchClutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (~1597)

Orangenschalen konfieren. Man soll Orangenschalen nehmen, gut gereinigt von der Unreinheit oder den Häutchen, die darin sein könnten. Sind sie gut gereinigt, soll man zuerst die Schalen wiegen, die frisch und ungetrocknet sind, einen Topf nehmen und sie zum Einweichen in sauberes, reines Regenwasser legen. Das Regenwasser soll man alle Tage erneuern, neun oder zehn Tage lang, bis ihnen die Bitterkeit genommen ist und die Schalen durchscheinend sind.

Danach soll man die Schalen aus dem Wasser nehmen und sie in einem sauberen, neuen Topf in sauberem Regenwasser sieden, bis sie mürbe sind. Dann soll man die Schalen in ein Sieb oder eine durchlöcherte irdene Schale stürzen, damit sie ohne Wasser sind, und das gekochte Wasser weggießen.

Danach soll man vom geläuterten Honig, wie wir es gelehrt haben, zwei Pfund nehmen, den Honig in einem sauberen Topf auf die Schalen gießen und es so zusammen stehen lassen, bis man sieht, dass der Honig beinahe so dünn geworden ist wie Wasser. Dann soll man den dünnen Honig abgießen, ihn wieder einkochen bis zur Dicke eines Terpentins und ihn danach in einer anderen irdenen Schale abkühlen lassen. Ist er kalt geworden, soll man die Schalen wieder zum Honig geben. Wird der Honig nun wieder so dünn, soll man ihn jedes Mal wieder einkochen bis zur genannten Dicke. Dieses Einkochen und das kalte Aufgießen auf die Schalen muss so lange dauern, bis man sieht, dass der Honig nicht mehr dünn zu werden beginnt und seine Dicke behält wie ein dickes Öl.

Klären. Man soll immer darauf achten: Findet man, dass ein Sirup, den man über Schalen, Wurzeln oder andere Dinge gießt, die man konfieren will, [unsicheres Wort], trüb oder nicht klar wird, dann soll man diesen aus Honig gemachten Sirup mit dem Weißen von einem Ei klar machen, wie wir es gelehrt haben, und den so gesottenen Sirup kalt auf die Wurzeln und Schalen gießen.

Wirkung. Diese Orangenschalen sind sehr gut für die, die schlechte, verkühlte Mägen haben, denn sie erwärmen den Magen und machen einen guten Atem. Sie sind auch gut gegen eine verkühlte Brust und lassen den Schleim aufsteigen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Orangeſchellen wel geſuyvert Orangenschalen, frisch und ungetrocknet - - -
ſchoon ſuyver regenwater Regenwasser - - Weiches, sauberes Wasser
vanden geſuyverden Honich gelijck wy geleert hebben/ twee pondt zwei Pfund geläuterter Honig 2 Pfund - -
een wit van een Eye das Weiße von einem Ei, nur bei Bedarf 1 - -

Was ist das? In Honig eingelegte Orangenschalen, eine Verwandte des heutigen Orangeats, nur ohne Zucker. Die Arbeit hat drei Stufen: wässern, weich sieden, dann den Honig so oft einkochen, bis er dick bleibt.

Wiegen und zwei Pfund. Clutius lässt die frischen Schalen wiegen, nennt danach aber nur „twee pondt“ Honig, ohne Bezug auf das Gewicht. Bei den Nachbarn clu-006 und clu-007 steht ausdrücklich zwei Pfund Honig auf ein Pfund Früchte oder Wurzeln. Das würde das Wiegen erklären, ist hier aber nur eine Vermutung.

Warum der Honig dünn wird. Clutius beschreibt nur, was man sieht. Die Erklärung ist unsere: Die gewässerten und gekochten Schalen sind voller Wasser und geben es an den Honig ab. Jedes Einkochen nimmt es wieder heraus, bis nichts mehr nachkommt. Daraus ergibt sich seine Endprobe: Der Honig wird nicht mehr dünn und bleibt dick wie ein dickes Öl. Wie viele Durchgänge das sind, sagt er nicht.

Klären. Das Weiße vom Ei gehört nur in den Fall, dass der Sirup trüb wird. Das Verfahren steht in clu-001: Eiweiß und Wasser mit dem Honig kurz aufkochen und durchseihen. Clutius sagt es allgemein für alles, was man einmacht, und verlangt danach wieder das kalte Aufgießen.

Praxis. Heutiger Rat, nicht von Clutius: Schalen unbehandelter Früchte nehmen, weil sie mitgegessen werden, und statt Regenwasser weiches, sauberes Wasser. Die Schalen während des Wässerns kühl stellen. Maßstab sind seine Proben, nicht die Uhr: nicht mehr bitter und durchscheinend, dann mürbe, am Ende bleibend dicker Honig. Der Honig wird nur eingekocht und kalt wieder aufgegossen, die Schalen kochen darin nicht mit. Zur Haltbarkeit sagt der Text nichts.

Warum so lange wässern?

Um die Bitterkeit herauszuziehen. Clutius erneuert das Regenwasser neun oder zehn Tage lang täglich, bis die Bitterkeit genommen ist und die Schalen durchscheinend sind. Erst dann werden sie mürbe gesotten und kommen in den Honig.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Neun oder zehn Tage Wässern mit täglich frischem Wasser und das wiederholte Einkochen des Honigs lassen sich im Lager nicht führen.

Wie dick muss der Honig werden?

Clutius nennt zwei Vergleiche: Bei jedem Einkochen die Dicke eines Terpentins, am Ende die Dicke eines dicken Öls, die der Honig behält und nicht mehr dünn wird.

Wozu das Eiweiß?

Nur wenn der Sirup trüb oder nicht klar wird. Dann klärt man ihn mit dem Weißen von einem Ei auf die Weise, die clu-001 beschreibt, und gießt ihn kalt wieder auf.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.

Om Orangeſchellen te confijten. Men ſal nemen Orangeſchellen wel geſuyvert van de vuylicheydt ofte vellekens die daer in ſoude mogen zijn, eñ wel geſuyvert zijnde ſalmen int eerſt wegen die ſchellen die verſch zijn ongedꝛoocht, ende nemen een pot ende ſalſe te weycken leggen in ſchoon ſuyver regenwater, ende ververſchẽ alle dage het regẽwater tot negen ofte thien dagen toe, tot dat hun bitterheydt wech genomen ende die ſchellen dooꝛſchijnich zijn. Daer nae ſalmẽ die ſchellen uyt het water nemẽ, ende ſiedenſe in een ſchone nieuwe pot, in ſchoon regenwater tot dat de ſchillen moꝛwe zijn, dan ſalmẽ de ſchellen ſtoꝛten in een ſeve ofte dooꝛgate teyle, ten eynde dat die ſchellen ſonder water mogen zijn, eñ men ſalt geſoden water wech gieten. Daer na ſalmẽ nemen vanden geſuyverden Honich gelijck wy geleert hebben, twee pondt, ende gieten den honich op die ſchellen in een ſchone pot, ende laten dat alſo te ſamen ſtaen, tot datmen ſiet dat den Honich by na ſo dunne is gewoꝛdẽ gelijc water: dan ſalmen dẽ dunnen honich daer af gieten, ende verſieden den Honich wederom tot der dickten van een Terpentijn, ende laten als dan den Honich vercoelen in een andere aerden teyle, ende alſt dan cout gewoꝛden is, ſoo ſalmen die ſchellen wederom by den Honich doen, ende als nu den Honich wederom ſo dun woꝛt, ſo ſalmen die telckẽ reyſe wederom verſieden, tot die vooꝛſeyde dicte, eñ dit verſieden ende cout op de ſchellen te gietẽ moet ſo lang duyꝛen, tot datmen ſiet dat den Honich niet meer en begint dun te woꝛden, ende dat ſy hun dicte behout gelijc een dicken olye: Men ſal altoos aenmercken alſmẽ bevint dat een Sijroop diemen over eenige ſchellen, woꝛtelen ofte ander dingen giet, (diemen wil confijten) ſter[?], troubel ofte niet claer woꝛden, datmen alſdan dien Sijroop van Honich gemaect, ſal claer maken met een wit van een Eye, gelijc wy geleert hebben, ende alſo den geſodenen Sijroop cout gieten op die woꝛtelen ende ſchellen. Deſe Orangeſchellen zijn ſeer goet vooꝛ die quade vercoyde Magen hebben, want ſy verwarmẽ de Mage, ende doen eenen goeden Aſem hebbẽ: ſy zijn ooc goet tegens eẽ vercoude boꝛſt, eñ doẽ de flumẽ rijſen.
geſuyverden Honich

Geläuterter Honig: mit Eiweiß und Wasser aufgekocht und durchgeseiht, siehe clu-001.

Terpentijn

Nur ein Vergleich für die Dicke, keine Zutat. Terpentin ist ein zähflüssiges Baumharz (Braekman). Auch clu-001 misst die Dicke des Honigs daran.

vercoyde

Druckform neben „vercoude“ im selben Satz: durch Kälte erkrankt, verkühlt (Verdam).

Druck
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich)
Teil
Geläuterter Honig und Eingemachtes
Sprache
Frühneuniederländisch (Leiden 1597), Fraktur; Gespräch zwischen Theodorus Clutius und Carolus Clusius
Entstehung
Leiden (Holland), 1597

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ſchoon ſuyver regenwaterrain water Q21555202
een wit van een Eyeegg white Q796758

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartſter[?]

Gewählte Lesart: Das Wort steht vor „troubel“ und lässt sich nicht sicher lesen, der Druck zeigt „ſter“ oder „ſier“. Die Übersetzung lässt es offen; der Sinn des Satzes hängt an „trüb oder nicht klar“.

Andere mögliche Lesart:

  • „ſuer“ (sauer), als Druckversehen - Passt sachlich, denn Clutius sagt im Gespräch nach clu-001, ungeklärter dünner Honig werde „in ſuyricheit veranderen“. Es ist aber eine Vermutung, das Schriftbild stützt sie nicht.

Lesarttwee pondt

Gewählte Lesart: Wie gedruckt: zwei Pfund Honig, ohne Bezug auf das Gewicht der Schalen.

Andere mögliche Lesart:

  • Zwei Pfund Honig je Pfund Schalen - So in clu-006 und clu-007, und es erklärte das Wiegen der frischen Schalen. Hier steht es aber nicht.

LesartOrangeſchellen

Gewählte Lesart: Orangenschalen. Kiliaan führt nur „Aranie-appel“ (malum aurantium) und trennt nicht nach bitter und süß, deshalb nennt die Übersetzung keine Sorte.

Andere mögliche Lesart:

  • Schalen der Bitterorange - Die lange Entbitterung passt dazu, beweist aber nichts: Auch die Schalen süßer Pomeranzen werden in std-226 tagelang gewässert.

Originalwerk (~1597) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 178, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Google-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/clu-002
LagerkücheLagerküche
Neun oder zehn Tage Wässern mit täglich frischem Regenwasser und das wiederholte Einkochen des Honigs lassen sich im Lager nicht führen.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.