Orangenschalen-Konserve mit Ysop- und Süßholzsirup
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um eine kleine Konserve aus Orangenschalen zu machen, stößt man sie klein und mengt ein wenig Sirup von Ysop und von Süßholz darunter, in der Art einer kleinen Konserve.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Orangeſchellẽ | Orangenschalen | - | - | - |
| Sijroope van Hyſop | ein wenig Sirup von Ysop | - | - | Heutiger Behelf: Ysop auskochen, abseihen und den Sud mit Honig zu Sirup einkochen |
| van Soethout | ein wenig Sirup von Süßholz | - | - | Heutiger Behelf: Süßholzwurzel auskochen, abseihen und den Sud mit Honig zu Sirup einkochen |
Was ist das? Eine gestoßene, mit Sirup gebundene Masse aus Orangenschalen. Clutius gibt dafür nur einen Satz, ohne Mengen und ohne Gerät.
Welche Schalen? Der Satz selbst sagt nur „Orangenschalen“. Der Zusammenhang spricht für die zuvor konfierten: Sie sind weich und süß, und ein wenig Sirup genügt, um sie zu binden. Frische Schale wäre nach Clutius' eigener Angabe bitter.
Die Sirupe. Wie sie gemacht werden, sagt er nicht, auch nicht, ob mit Honig oder Zucker. Kiliaan (1599) gibt für sirope lateinisch syrupus, serapium und apozema, das Mittelniederländische Wörterbuch umschreibt es als süßen Saft oder süße Arznei; Clutius selbst kocht seinen Sirup in diesem Kapitel aus Honig. Eine Wirkung nennt er für diese Konserve nicht. Unmittelbar davor lobt er die Schalen gegen eine verkühlte Brust, und das Wörterbuch belegt für Ysop „is gut der bosen lungen“; die Wahl der Sirupe dürfte darauf zielen. Das ist eine Vermutung und kein heutiger Gesundheitsrat.
Praxis. Die Schalen klein stoßen, das Wort spricht für einen Mörser. Dann nach und nach wenig Sirup untermengen, bis die Masse zusammenhält. Eine genaue Festigkeit nennt der Text nicht, sein einziger Maßstab ist „in der Art einer kleinen Konserve“.
Wie viel Sirup kommt zu den Orangenschalen?
Clutius sagt nur „een weynich“, ein wenig, und nennt auch für die Schalen keine Menge. Sein einziger Maßstab ist, dass es wie eine kleine Konserve werden soll.
Wo bekomme ich Ysop- und Süßholzsirup?
Der Text sagt nicht, wie die Sirupe entstehen. Als heutiger Behelf lassen sich Ysop oder Süßholzwurzel auskochen, abseihen und mit Honig zu Sirup einkochen. Gebraucht wird davon nur wenig.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, wenn Schalen und Sirupe fertig mitkommen: Stoßen und Mengen brauchen weder Feuer noch Kühlung, nur einen Mörser und ein Gefäß. Das Konfieren der Schalen selbst dauert für das Lager zu lange.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- conſerfken
Verkleinerung von conserf, das bei Clutius auch conserve heißt. Emmels deutsch-lateinischer Nomenclator von 1592 setzt „conserf“ mit saccharatum gleich, also etwas Gezuckertem.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Orangeſchellẽ
Gewählte Lesart: Die konfierten Schalen aus dem vorangehenden Eintrag. Der Satz steht zwischen „Deſe Orangeſchellen“, womit die konfierten gemeint sind, und „Men maect van deſe geconfijte ſchellẽ ooc bagijnebouten“: Das „ooc“ setzt voraus, dass gerade schon eine Verwendung der konfierten Schalen genannt wurde. Bei den kandierten Wurzeln heißt es ebenso „conſerven vande geſtoten woꝛtelen“.
Andere mögliche Lesart:
- Frische oder nur getrocknete Schalen - Der Satz selbst sagt nicht „geconfijte“. Clutius wässert frische Schalen aber neun bis zehn Tage wegen „hun bitterheydt“; mit nur wenig Sirup bliebe die Masse bitter.
Sijroope van Hyſop eñ van Soethout
Gewählte Lesart: Zwei Sirupe, einer von Ysop und einer von Süßholz, weil das „van“ wiederholt wird.
Andere mögliche Lesart:
- Ein gemeinsamer Sirup aus beiden Pflanzen - „Sijroope“ steht im Singular, und mittelniederländische Rezepte kochen Ysop und Süßholz auch zusammen („hyssop, gerst en drop“, Braekman 1975). Die Übersetzung behält die offene Form des Originals.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
