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Fackeln am Föhrenstock mit Wachs-Harz-Dochten

Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchClutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (~1597)

Um Fackeln zu machen.

Man nimmt einen runden Föhrenstock, so dick wie ein Daumen und ungefähr 6 Fuß lang, und bestreicht etwas mehr als ein Drittel des Stocks mit geschmolzenem Harz.

Dann nimmt man den Docht, angemessen dick, und zieht ihn durch geschmolzenes Wachs, einen Teil, und rheinisches Harz, einen halben Teil. Man rollt ihn mit gefetteten Händen und legt diese Dochte so warm auf die geharzte Stelle, bis der Stock bedeckt ist.

Dann hält man die Fackel ein wenig über das Feuer und lässt es sacht schmelzen, damit die Unebenheit eben wird und die Fackel eine angemessene Dicke hat.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
een ronde vueren ſtoc inder dicten vã een duym/ inder lengte van 6.voeten Runder Föhrenstock, daumendick, ungefähr 6 Fuß lang - Holzhandel -
geſmolten Harſch Geschmolzenes Harz - Online-Handel -
het lemmet redelicken dic Docht, angemessen dick - Online-Handel -
geſmoltẽ Was een deel Geschmolzenes Wachs, ein Teil - Imkerei, Online-Handel -
rinſchen Harſch een half deel Rheinisches Harz, ein halber Teil - - -
vette handen Fett für die Hände - - -

Was ist das? Eine Fackel mit Holzkern: Ein Föhrenstock bekommt auf gut einem Drittel seiner Länge einen Mantel aus Dochten, die mit Wachs und Harz getränkt sind.

Der Aufbau. Das Harz auf dem Holz ist der Haftgrund, auf dem die noch warmen Dochte liegen bleiben. Die gefetteten Hände halten die klebrige Masse beim Rollen von der Haut fern; bei den Handkerzen nennt Clutius dafür Öl oder Butter, hier sagt er nur „vette handen“. Über dem Feuer verlaufen zuletzt die Übergänge zwischen den Strängen, bis die Oberfläche eben ist.

Warum rheinisches Harz? Bei den großen Fackeln schreibt Clutius, es lasse das Wachs besser verarbeiten, die Masse sei „veel ſachter ende werckelicker“. Bei den Wachstüchern nennt er als Ersatz anderes Harz und Terpentin zu gleichen Teilen. Welche Ware es genau war, sagt er nicht.

Was offen bleibt. Clutius nennt weder das Stockende noch die Zahl der Stränge, das Material des Dochts oder die Brenndauer. Dass der freie Teil des Stocks als Griff dient, ist unsere Folgerung.

Praxis. Heutiger Rat, nicht bei Clutius: Wachs und Harz im Wasserbad schmelzen, nicht über offener Flamme. Beide verursachen schwere Verbrennungen und sind brennbar, deshalb beim Glätten über dem Feuer auf Abstand zur Flamme achten und Löschmittel bereithalten. Die getränkten Dochte erst anfassen, wenn sie nur noch warm sind.

Woraus besteht der Docht?

Das sagt der Text hier nicht. Bei den Handkerzen nennt Clutius Kerzenmachergarn und Baumwollgarn, miteinander gedreht. Kiliaan (1599) nennt für das Wort Werg oder Baumwolle.

Wie ist das Mischungsverhältnis gemeint?

Ein Teil Wachs auf einen halben Teil rheinisches Harz, also zwei zu eins. Ob nach Gewicht oder nach Raum, sagt der Text nicht. Für das Harz, mit dem der Stock bestrichen wird, nennt er keine Menge.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.

Fackeln am Föhrenstock mit Wachs-Harz-Dochten – Originalseite aus Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig)
Scan 220, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Om Toortſen te maken. Men ſal nemen een ronde vueren ſtoc inder dicten vã een duym, inder lengte van 6.voeten ofte daer ontrent, ende wat meer als het derdendeel den ſtock beſtrijcken met geſmolten Harſch, dan ſalmen nemen het lemmet redelicken dic, ende trecken dat deur geſmoltẽ Was een deel, rinſchen Harſch een half deel, ende rollent met vette handen, ende leggent alſoo warm deſe lemmetten, op die geharſte plaetſe tot dat den ſtoc bedeckt ſy: dan ſalmen de Tooꝛtſe over 'tuyer een weynich houden ende laten dat ſoetelic ſmelten dat die oneffenheyt effẽ ſy ende in redelicker dicte.
lemmet

Docht. Kiliaan (1599) beschreibt das Wort als Schnur aus Werg oder Baumwolle für Lampe oder Kerze. Im heutigen Niederländisch heißt „lemmet“ Klinge.

vueren ſtoc

Ein Stock aus Föhrenholz. Kiliaan (1599) setzt „vueren-hout“ mit Pinus siluestris und deutsch „forhen“ gleich.

Druck
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich)
Teil
Wachs: läutern, bleichen, Kerzen, Siegelwachs
Sprache
Frühneuniederländisch (Leiden 1597), Fraktur; Gespräch zwischen Theodorus Clutius und Carolus Clusius
Entstehung
Leiden (Holland), 1597

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartrinſchen Harſch

Gewählte Lesart: Rheinisches Harz: „rinsch“ ist laut Mittelniederländischem Wörterbuch eine Form von „rijnsch“, vom Rhein. Clutius unterscheidet es bei den großen Fackeln vom „gemeynen Harſch“, es ist also eine eigene Sorte. Welches Harz das war, ist nicht geklärt.

Andere mögliche Lesart:

  • säuerlich - Kiliaan führt „rijnsch“ auch als subacidus. Das beschreibt den Geschmack, etwa von Wein, und passt nicht zu einem Harz.

Originalwerk (~1597) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 220, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Google-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/clu-033
LagerkücheLagerküche
Kein Lebensmittel.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.