Fackeln aus halb Wachs, halb Harz
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Manche nehmen halb das eine, halb das andere, Wachs und Harz, und machen so die Fackeln.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Was | Wachs | - | Imker | - |
| Harſch | Harz | - | - | - |
Was ist das? Ein einziger Satz ohne eigene Überschrift: eine Abwandlung der Fackel aus dem Eintrag davor. Clutius gibt nur das neue Mischungsverhältnis an, keine Mengen.
Der Bezug. Im Eintrag davor wird der Docht durch ein Gemisch aus einem Teil Wachs und einem halben Teil rheinischem Harz gezogen, mit gefetteten Händen gerollt und warm auf den geharzten Stock gelegt. Hier ist das Verhältnis halb und halb. Dass alles Übrige gleich bleibt, ist die naheliegende Lesart, steht aber nicht da.
Wachs und Harz. Warum manche mehr Harz nehmen, sagt Clutius nicht. Aus heutiger Werkstatterfahrung, nicht aus dem Text: Mehr Harz macht die erkaltete Masse härter und spröder, sie ist dann schwerer zu rollen.
Praxis. Heutiger Rat: Wachs und Harz sind entzündlich, und heißes Harz klebt an der Haut. Zum Schmelzen nimmt man ein Wasserbad statt offener Flamme und lässt es nicht unbeaufsichtigt; die fertigen Fackeln brennt man nur im Freien ab.
Was ändert sich gegenüber der Fackel im Eintrag davor?
Das Verhältnis: Dort kommt auf einen Teil Wachs ein halber Teil rheinisches Harz, hier von beidem gleich viel. Das Harz ist hier nicht näher benannt. Weitere Unterschiede nennt Clutius nicht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- Tooꝛtſen
Fackeln. Kiliaan (1599) führt „tortse“ als fax und beschreibt die Fackel als gedrehte Stränge, mit Wachs oder Pech bestrichen.
- Harſch
Harz; im nächsten Eintrag stehen „Harſch“ und „Hars“ für denselben Stoff. Die Sorte nennt Clutius hier nicht, im Eintrag davor verlangt er „rinſchen Harſch“.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
half een half ander Was ende Harſch
Gewählte Lesart: Wachs und Harz zu gleichen Teilen als Masse für die Dochte: Der Satz folgt unmittelbar auf das Verfahren mit einem Teil Wachs und einem halben Teil Harz und ändert das Verhältnis. Stock, Grundierung und Rollen bleiben demnach wie dort.
Andere mögliche Lesart:
- Das Gemisch ersetzt das ganze Verfahren, etwa auch das Harz auf dem Stock - „alſo“ lässt das offen, aber Clutius beschreibt kein zweites Verfahren, und ohne die Schritte davor wäre der Satz keine Anleitung.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
