Pfropfwachs mit Tonbrei vor Bienen schützen
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Damit die Bienen das Wachs an den Pfropfstellen nicht rauben.
Man soll das Wachs, mit dem die Pfropfreiser gepfropft sind, mit einem dünnen Brei aus Ton oder Schlick bestreichen. Auf diese Weise rauben sie das Wachs von den Pfropfreisern nicht, denn ein Bienchen sucht nur, was ganz rein und klar ist.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| het Was | het Was | - | - | - |
| dunne pap van Cley ofte ſlic | dunne pap van Cley ofte ſlic | - | - | - |
Was ist das? Ein Anstrich für das Pfropfwachs aus clu-039, wenn es schon am Baum sitzt: Ein dünner Brei aus Ton oder Schlick kommt über das Wachs, mit dem die Reiser eingesetzt sind. Kein Lebensmittel.
Warum der Anstrich? Clutius begründet ihn damit, dass eine Biene nur sucht, was rein und klar ist; der Brei nimmt dem Wachs dieses Aussehen. Das ist seine Erklärung, einen Versuch berichtet er nicht. Dass die Schicht das Wachs zudem einfach abdeckt, ist unsere Deutung.
Praxis. Es gibt nur diesen einen Arbeitsschritt: bestreichen. Der Brei muss dünn genug zum Streichen sein. Womit er angerührt wird, sagt Clutius nicht; naheliegend ist Wasser, das ist unsere Ergänzung. Auch wann man streicht, wie dick und ob man den Anstrich erneuert, bleibt offen.
Woraus besteht das Wachs, das hier geschützt wird?
Aus dem Pfropfwachs des Eintrags clu-039: nach Clutius ein Pfund gelbes Wachs und fünf Unzen Terpentin.
Wofür holen die Bienen das Pfropfwachs?
Hier sagt Clutius das nicht. Im ersten Buch nennt er es als Herkunft der schlechtesten Sorte Vorwachs, mit dem die Bienen ihre Eingänge zustopfen.
Ist belegt, dass der Brei wirkt?
Nein. Clutius behauptet es und begründet es, einen Versuch beschreibt er nicht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- griffien, gegriffijt
Kiliaan führt „greffie“ auch als Pfropfreis (lateinisch surculus, insitum) und stellt „greffien“ neben „enten“ (inserere, pfropfen). „Griffie“ heißt sonst auch Griffel und Schreibstube; hier sind wegen des Pfropfwachses nur Reis und Pfropfen gemeint.
- Cley ofte ſlic
Kiliaan erklärt „kleye“ als Ton, zähe Erde (argilla, terra tenax) und „slijck“ als Schlamm (coenum, lutum). Die Schreibung „ſlic“ steht dort nicht; Sinn und Klang weisen auf dieses Wort.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
