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Pfropfwachs aus gelbem Wachs

Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchClutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (~1597)

Um Pfropfwachs zum Pfropfen zu machen.

Nimm 1 Pfund gelbes Wachs und 5 Unzen Terpentin, schmilz es, wie es zuvor beim roten Wachs gelehrt ist, und mache daraus Rollen zum Gebrauch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gelu Was j. pont gelbes Wachs 1 Pfund Imker -
Terpentijn v. Oncen Terpentin 5 Unzen Künstlerbedarf oder Online-Handel, Balsamterpentin (Harz), nicht Terpentinöl -

Was ist das? Baumwachs, wie man es beim Veredeln von Obstbäumen bis heute verwendet: eine Masse aus Wachs und Harz, in Rollen bereitgelegt. Kein Lebensmittel.

Der Verweis. Clutius nennt hier nur die Stoffe. Das Verfahren steht beim roten Siegelwachs in clu-036: das Wachs in Stücke brechen, über einem klaren Kohlenfeuer sanft schmelzen, den Terpentin hineinmengen, etwas abkühlen lassen und ständig rühren, damit es nicht ungleich oder klumpig wird, bis es fast kalt ist. Dann aus der Pfanne in lauwarmes Wasser legen, herausnehmen und rollen. Für das Rollen verweist clu-036 weiter auf die Kerzen in clu-031, wo man Hände und Brett mit Öl oder Butter fettet. Zinnober und Öl des roten Wachses gehören nicht hierher, sie stehen in diesem Eintrag nicht.

Der Terpentin. Fünf Unzen auf das Pfund sind die obere Grenze dessen, was Clutius beim Siegelwachs angibt (clu-038: vier oder fünf). Beim roten Wachs nimmt er vier, beim grünen fünf im Winter, weil das Wachs dann härter ist. Hier nennt er keinen Grund. Vermutlich soll das Pfropfwachs weicher und klebriger bleiben; das ist eine Deutung.

Am Baum. Wie das Wachs aufgebracht wird, beschreibt er nicht. Üblich ist, damit die Stelle abzudecken, an der das Reis eingesetzt wird. Dass Bienen dieses Wachs rauben, behandelt clu-041.

Praxis. Heutiger Rat: Wachs und Terpentin sind entzündlich, Terpentindämpfe reizen. Darum im Wasserbad statt über offenem Feuer schmelzen, gut lüften, nicht unbeaufsichtigt lassen und einen Topf nehmen, der nicht mehr für Essen gebraucht wird. Heißes Wachs verursacht Verbrennungen.

Was ist mit dem „roten Wachs“ gemeint?

Das rote Siegelwachs aus clu-036. Von dort kommt nur das Verfahren; Zinnober und Öl nennt dieser Eintrag nicht.

Wozu dient das Wachs?

Zum Pfropfen von Bäumen, sagt die Überschrift. Wie es aufgebracht wird, beschreibt Clutius nicht; clu-041 erklärt nur, wie man es vor Bienen schützt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.

Om Ent-was te maken om te griffien. Neemt gelu Was j. pont, Terpentijn v. Oncen, ſmeltet als voꝛẽ int root Was geleert is, ende maecter rollẽ af om te gebꝛuycken.
Ent-was

„Ente“ ist bei Kiliaan das Pfropfreis, „enten“ das Pfropfen. Ent-was ist demnach das Wachs für diese Arbeit. Das zusammengesetzte Wort selbst steht in keinem der geprüften Wörterbücher.

griffien

Kiliaan stellt „greffien“ neben „enten“ (lateinisch inserere, pfropfen). „Griffie“ heißt sonst auch Griffel und Schreibstube; hier ist nur das Pfropfen gemeint.

Terpentijn

Kiliaan erklärt „terpentijn“ als ölige Harzmasse (resina oleosa). Gemeint ist das zähe Baumharz, nicht das dünnflüssige Terpentinöl.

Druck
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich)
Teil
Wachs: läutern, bleichen, Kerzen, Siegelwachs
Sprache
Frühneuniederländisch (Leiden 1597), Fraktur; Gespräch zwischen Theodorus Clutius und Carolus Clusius
Entstehung
Leiden (Holland), 1597

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartals voren int root Was geleert is

Gewählte Lesart: Der Verweis gilt dem ganzen Arbeitsgang beim roten Wachs in clu-036, ohne dessen Farbe und Öl: Clutius schreibt nur „schmilz“, nennt danach aber die Rollen, die dort den Abschluss bilden.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur das Schmelzen und Mischen wird übernommen, das Rollen bleibt frei. - Möglich, weil „ende maecter rollen af“ als eigener Schritt dasteht; am Ergebnis ändert es wenig.

Originalwerk (~1597) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 222, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Google-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/clu-039
LagerkücheLagerküche
Kein Lebensmittel: Wachs zum Pfropfen von Bäumen.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.