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Fisch in Essig und Erde lagern

Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 · Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln · 1475

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.PortionenEin Gefäß FischBuchKölner Küchenmeisterei (~1475)

Um Fische lange frisch zu halten: Lege sie in ein Fässchen oder einen irdenen Topf und gieße guten Essig darüber, und gib Petersilie dazu. Vergrabe es in eine Grube von frischer Erde. Wenn du Fisch und Essig entnimmst, so gieße stets frischen Essig nach und verschließe es wieder gut. So bleibt es lange Zeit frisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Fische Fisch - Wochenmarkt, Fischhändler -
veszlin Fässchen - Fassbinder, Online-Handel Großes Einmachglas
erden toippen Irdener Topf - Töpferei, Online-Handel Großer Keramiktopf
guten esszig Essig - Supermarkt -
peterlin Petersilie - Supermarkt -
frischer erden Frische Erde - Garten -

Was ist das? Kein Kochrezept, sondern eine Haushaltsanweisung zur Fischkonservierung: Fisch wird in ein Fässchen oder einen irdenen Topf gelegt, mit gutem Essig übergossen, mit Petersilie versehen, und das verschlossene Gefäß wird in einer Grube in frischer Erde vergraben. Ein enger, nahezu wortgleicher Verwandter ist kkm-009 (Koch und Kellermeisterei, 1574) - über gut hundert Jahre Abschriftsdifferenz hinweg stimmt der Wortlaut Satz für Satz fast überein.

Gefäß und Erde. Die ausgewiesenen Lesart-Entscheidungen zu 'toippen' (irdener Topf als Vorratsgefäß statt Kochtopf) und 'veszlin' (Fässchen statt Fass) werden durch kkm-009 unabhängig bestätigt: Dort steht an derselben Stelle 'ärdin Hafen' (ebenfalls ein Vorratsgefäß, kein Kochtopf) und 'Feßlein' (ebenfalls die Verkleinerungsform). Beim Vergraben beschreibt das Original die Grube als 'von/aus frischer Erde' - also eine ins Erdreich gegrabene Grube, nicht eine Grube, der man Erde beigibt.

Praxis. Frischen Fisch in ein Fässchen oder einen irdenen Topf schichten, mit gutem Essig übergießen, Petersilie zugeben, gut verschließen und das Gefäß in frischer Erde vergraben - kühl und dunkel gelagert, wie heute im Kühlschrank. Bei jeder Entnahme frischen Essig nachgießen und wieder gut verschließen. Eine konkrete Haltbarkeitsdauer nennt die Handschrift nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Dies ist kein Kochrezept, sondern eine Methode zur Langzeitkonservierung von Fisch. Obwohl das Vergraben in Erde eine effektive Kühlmethode ist, ist es nicht für die Zubereitung oder den Verzehr eines Gerichts im Rahmen eines Mittelaltermarktes gedacht.

Wozu diente diese Methode der Fischkonservierung?

Diese Methode diente dazu, frischen Fisch haltbar zu machen, ohne ihn zu salzen, zu trocknen oder zu räuchern. Essig und das kühle, feuchte Erdreich sollten den Verderb verlangsamen und so über längere Zeit Zugriff auf frischer schmeckenden Fisch ermöglichen - eine konkrete Zeitspanne nennt die Handschrift dafür nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kölner Küchenmeisterei (2. Hälfte 15. Jh. oder 16. Jh. - umstritten). CoReMA-Handschrift K1: 182 Rezepte der Kölner Abschrift der "Küchenmeisterei" - derselben Drucktradition wie So1 (Solothurn), aber textlich vollständiger erhalten. Systematisch in fünf Teile gegliedert wie So1: Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig-/Kräuterwein-Herstellung, ein ausführliches lateinisch-deutsches Diätetik-Kapitel. Enthält denselben Brombeer-Honigwein wie So1 (dort §133), hier unter dem lateinischen Titel "Vinum de morisrubi" (k1-167) - K1 überliefert an dieser Stelle einen Rezepttitel, den So1 nicht hat.

Fische lange frisch zcu haltenn Lege sie In ein veszlin ader erden toippen vnd guß darvff guten esszig vnd legk peterlin dar an Begrab das In ein grub van frischer erden Wan thu der fisch vnd essig vsz nympst So guß alwege frischen essig dar an vnd tecke das wol widder zcu so blibt isz lange zcyt frisch
veszlin

Ein kleines Fass oder Fässchen, oft aus Holz, zur Lagerung von Flüssigkeiten oder Lebensmitteln.

erden toippen

Ein Topf aus gebranntem Ton, also Keramik. Er diente als Koch- oder Vorratsgefäß.

Begrab das In ein grub van frischer erden

Das Vergraben des Gefäßes in frischer Erde nutzte die natürliche Kühlung des Bodens, um den Inhalt länger haltbar zu machen. Dies war eine gängige Methode der Konservierung vor der Erfindung von Kühlschränken.

van

Ripuarische Form von 'von' (auch in k1-006, k1-168 belegt) - hier: 'aus/von frischer Erde', beschreibt die Beschaffenheit der Grube, nicht eine der Grube hinzugefügte Zutat.

thu

Homograph: meist Imperativ von 'tun' ('thu isz' = 'tu es'), hier aber Pronomen 'du' ('Wan thu ... nympst' = 'wenn du ... entnimmst'), erkennbar an der Kongruenz mit der Verbform 'nympst' (2. Person Singular).

Handschrift
Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27
Folio
Fol. 001r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung
Entstehung
Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln, 1475
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Fischefish Q600396
guten esszigvinegar Q41354
peterlinparsley Q25284

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarttoippen

Gewählte Lesart: Irdener Topf (als Vorratsgefäß)

Andere mögliche Lesart:

  • Kochtopf - CoReMA glossiert 'toippen' als 'cooking pot'; der Konservierungskontext hier sowie der unabhängige Zeuge kkm-009 ('ärdin Hafen' in identischer Konservierungsfunktion, kein Kochkontext) sprechen aber für die Lesart als Vorratsgefäß.

Lesartveszlin

Gewählte Lesart: Fässchen (kleines Gefäß, Diminutiv)

Andere mögliche Lesart:

  • Fass (ohne Verkleinerungsbedeutung) - Diminutivendungen wie '-lin' konnten im Frühneuhochdeutschen auch verblasst sein und ein normal großes Gefäß meinen; der unabhängige Zeuge kkm-009 verwendet an derselben Stelle jedoch ebenfalls die Diminutivform ('Feßlein') und bestätigt damit unabhängig die Lesart 'Fässchen'.

Lesartvan frischer erden

Gewählte Lesart: von/aus frischer Erde - beschreibt die Beschaffenheit der Grube: eine ins frische Erdreich gegrabene Grube

Andere mögliche Lesart:

  • mit frischer Erde - die Grube wird mit Erde befüllt oder bedeckt - Naheliegende Verwechslung, u.a. weil der textnahe Zeuge kkm-009 ('vergrabs in ein frisches Erdrich') eine ähnliche, aber syntaktisch andere Präposition ('in') verwendet. 'van' ist jedoch die ripuarische Form von 'von' (korpusweit über 2000 Belege) und beschreibt die Grube selbst, nicht eine ihr hinzugefügte Zutat.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 001r, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 ("Küchenmeisterei"-Abschrift, ripuarisch, Datierung umstritten) - CC BY-NC-SA 4.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), K1 (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Methode zur Langzeitkonservierung von Fisch. Das Vergraben in frischer Erde ist eine effektive Kühlmethode, aber nicht für die Zubereitung eines Gerichts im Lager geeignet.
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Stand dieser Fassung: 02.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.