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Blauer Wein oder Wasser herstellen

Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 · Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln · 1475

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit10 Min.PortionenNach BedarfBuchKölner Küchenmeisterei (~1475)

Um blauen Wein oder Wasser in schönen Gläsern herzustellen, kannst du dies mit Kornblumensaft vermischen oder mit einer klaren Milch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
win Wein - - -
wasser Wasser - Leitung -
kornbloemen safft Kornblumensaft - Wochenmarkt (frische Kornblumen), selbst herstellen Blauer Lebensmittelfarbstoff (nicht historisch)
ludern milch Klare Milch - - Normale, frische Milch

Was ist das? Eine Anleitung, blauen Wein oder Wasser für die Tafel zu färben - kein eigenständiges Getränk mit Zubereitungsschritten, sondern ein reiner Präsentationstrick. Der nahezu wortgleiche Zwilling so1-005 aus der Solothurner Küchenmeisterei führt genau diesen Text redaktionell als Blauer Wein als Tafeltrick. Gefärbt wird wahlweise mit Kornblumensaft oder mit Milch. Kornblumen (Centaurea cyanus) enthalten Anthocyane, die den Blauton liefern - ein moderner Fachbegriff, den der Text selbst nicht kennt. Getränke mit Blütenpigmenten zu färben, hat bis heute eine lebendige Linie, etwa moderne mit Schmetterlingserbse gefärbte Drinks - eine Parallele, kein Beleg für besondere Modernität dieses Rezepts.

Schöne oder saubere Gläser? Der Text verlangt 'In Schonen glasen'. Die korpusweite Lesefalle 'schon statt schön' legt grundsätzlich 'sauber' nahe, betrifft in ihren Referenzstellen aber andere, verbnahe Reinigungs- und Garkontexte (Kalbsfüße waschen, gründlich sieden) - eine andere Konstruktion als hier, wo 'schonen' ein Gefäß-Substantiv in einem reinen Präsentationstrick modifiziert. Der Zwilling so1-005 hat exakt dieselbe Wendung ('schonen gle=sern') und liest sie dort - passend zum eigenen Titel 'Tafeltrick' - als 'schönen Gläsern': Schauwert, nicht Hygiene. Beide Lesarten bleiben möglich; die ausgewiesenen Lesart-Entscheidungen folgen hier probeweise dem Zwilling, ohne die Gegenlesart als widerlegt zu behandeln.

Was für Milch? Der Text schreibt 'ludern milch' - eine im Rheinischen Wörterbuch unbelegte Schreibung. Der Zwilling so1-005 hat an derselben Stelle 'lutern milch' (mittelhochdeutsch lûter = klar, rein, unvermischt; im ReF-Korpus gut bezeugt) und liest das dort selbst als 'klare Milch'. Am wahrscheinlichsten ist eine d/t-Verschreibung desselben Wortes - sicher ist das nicht, aber deutlich besser gestützt als die frühere Lesart einer 'ansprechenden' Milch, für die sich im zuständigen rheinischen Wortschatz kein Beleg findet.

Praxis. Wein oder Wasser in die Gläser füllen und mit frisch gepresstem Kornblumensaft oder mit klarer Milch vermischen, bis die gewünschte Blaufärbung erreicht ist. Für den Kornblumensaft frische Blüten im Mörser zerstoßen und durch ein Tuch seihen.

Was ist eine 'ludern milch'?

Vermutlich eine d/t-Verschreibung von 'lutern' (mittelhochdeutsch lûter = klar, rein). Der nahezu wortgleiche Zwilling so1-005 aus der Solothurner Küchenmeisterei hat an derselben Stelle 'lutern milch' und liest das selbst als klare Milch. Sicher ist das nicht, aber es ist die am besten belegte Lesart; ersatzweise eignet sich normale, frische Milch.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Schaugericht: Ja, gut geeignet als visuelles Element. Die Zutaten sind robust, lediglich der Kornblumensaft muss frisch gepresst werden, was etwas Vorbereitung erfordert. Es ist ein einfacher Trick, um Getränke für die Tafel zu färben.

Wie stelle ich Kornblumensaft her?

Sammle frische Kornblumenblüten und presse sie aus. Du kannst sie in einem Mörser zerstoßen und durch ein Tuch seihen, um den Saft zu gewinnen. Für eine intensivere Farbe benötigst du eine größere Menge Blüten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kölner Küchenmeisterei (2. Hälfte 15. Jh. oder 16. Jh. - umstritten). CoReMA-Handschrift K1: 182 Rezepte der Kölner Abschrift der "Küchenmeisterei" - derselben Drucktradition wie So1 (Solothurn), aber textlich vollständiger erhalten. Systematisch in fünf Teile gegliedert wie So1: Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig-/Kräuterwein-Herstellung, ein ausführliches lateinisch-deutsches Diätetik-Kapitel. Enthält denselben Brombeer-Honigwein wie So1 (dort §133), hier unter dem lateinischen Titel "Vinum de morisrubi" (k1-167) - K1 überliefert an dieser Stelle einen Rezepttitel, den So1 nicht hat.

Blowen win zcu machen ader wasser In Schonen glasen Das magstu mit kornbloemen safft vermischen ader mit einer ludern milch
schonen glasen

Zwei Lesarten sind möglich: ‚schön‘ oder ‚sauber‘ - die im Korpus verbreitete Lesefalle ‚schon statt schön‘ (siehe etwa mon-117, m384-065) betrifft dort andere, verbnahe Reinigungs-/Garkontexte und lässt sich nicht ohne Weiteres auf diese Konstruktion übertragen, wo ‚schonen‘ ein Gefäß-Substantiv in einem reinen Präsentationstrick modifiziert. CoReMA glossiert ‚glasen‘ für genau diese Stelle direkt als ‚preserving jar‘ (Wikidata Q56297888), was für gewöhnliche Vorratsgefäße statt spezieller Schaugläser spricht. Der Zwilling so1-005 hat dieselbe Wendung (‚schonen gle=sern‘) und liest sie dort - passend zum eigenen Titel ‚Blauer Wein als Tafeltrick‘ (Schauwert, nicht Hygiene) - als ‚schönen Gläsern‘.

kornbloemen safft

Der Saft aus Kornblumen (Centaurea cyanus) wurde im Mittelalter zum Färben von Speisen und Getränken verwendet. Er liefert eine natürliche blaue Farbe.

ludern milch

Vermutlich eine d/t-Verschreibung von ‚lutern‘ (mittelhochdeutsch lûter = klar, rein, unvermischt; im ReF-Korpus gut bezeugt). Der Zwilling so1-005 hat an derselben Textstelle ‚lutern milch‘. Wörterbucheinträge zu ‚ludern/luder‘ im Sinn von ‚verführerisch‘ stammen aus alemannischen, bairischen und ostpreußischen Wörterbüchern (Idiotikon, Schmeller, Frischbier) - für das ripuarische k1 nicht die zuständigen Autoritäten. Das Rheinische Wörterbuch selbst hat zu ‚ludern‘ keinen passenden Eintrag.

Handschrift
Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27
Folio
Fol. 004v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung
Entstehung
Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln, 1475
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

winwine Q282
wasserwater Q283
kornbloemen safftcornflower juice Q107262382

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschonen glasen

Gewählte Lesart: Schönen Gläsern - der Zwilling so1-005 hat exakt dieselbe Wendung ('schonen gle=sern') und liest sie dort, passend zum eigenen Rezepttitel 'Blauer Wein als Tafeltrick', als 'schönen Gläsern' (Schauwert, kein Hygienehinweis).

Andere mögliche Lesart:

  • Sauberen Gläsern - Die korpusweite Lesefalle 'schon statt schön' (siehe mon-117, m384-065) legt grundsätzlich 'sauber' nahe, betrifft dort aber verbnahe Reinigungs-/Garkontexte (Kalbsfüße waschen, gründlich sieden) - eine andere Konstruktion als hier, wo 'schonen' ein Gefäß-Substantiv modifiziert. Bleibt als plausible Lesart offen, nicht widerlegt.

Lesartludern milch

Gewählte Lesart: Klare/lautere Milch - vermutlich eine d/t-Verschreibung von 'lutern' (mhd. lûter = klar, rein, unvermischt). Der Zwilling so1-005 hat an derselben Textstelle 'mit einer lutern milch', dort selbst als 'klare Milch' gelesen; 'lûter' ist im ReF-Korpus mit rund 92-175 Belegen gut bezeugt. Stark gestützt, aber nicht sicher.

Andere mögliche Lesarten:

  • Geklärte Milch - Deckt sich inhaltlich mit der 'klaren Milch'-Lesart, ergänzt um die technische Nuance einer eigens geklärten (abgesetzten/gefilterten) Milch.
  • Ansprechende/verführerische Milch (bisherige Primärlesart) - Setzt einen ripuarischen Wortstamm 'ludern' = 'verführerisch' voraus, für den das zuständige Rheinische Wörterbuch keinen Beleg liefert. Angesichts der Zwillingsevidenz schwächer gestützt als 'klare Milch', aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Lesartkornbloemen safft

Gewählte Lesart: Kornblumensaft - CoReMA glossiert dies direkt als 'cornflower juice' (Wikidata Q107262382), was die Lesart stützt.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 004v, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 ("Küchenmeisterei"-Abschrift, ripuarisch, Datierung umstritten) - CC BY-NC-SA 4.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), K1 (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: Dieses Rezept ist ein visueller Trick zur Präsentation von Getränken (ein Tafeltrick). Kornblumensaft muss frisch gepresst werden, was vor Ort etwas Aufwand bedeutet; die im Text genannte Milch ist unter der am besten gestützten Lesart einfach klare, unvermischte Milch und dadurch unkompliziert mitzubringen.
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Stand dieser Fassung: 02.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.