München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Für ein Krebsmus nimm Krebse und schneide das Schlechte bis zu den Augen heraus. Das Übrige stoße in einem Mörser. Nimm ein weißes Brotkrümel darunter und treibe es dann mit Milch durch. Gib es dann in eine Pfanne und mache daraus ein Mus, das rot wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| kreps | Krebse | - | Fischhändler (aus Zucht), Wochenmarkt | Garnelen oder Langustenschwänze |
| wisz brosem | Weißes Brotkrümel | - | - | - |
| milch | Milch | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein feines Krebsmus: Flusskrebse werden von den ungenießbaren Eingeweiden im Kopfbereich (bis zu den Augen) befreit, im Mörser zerstoßen, mit weißem Brot gebunden und mit Milch durch ein Tuch passiert; in der Pfanne wird daraus ein Mus, das beim Garen rott wird (der Krebspanzer färbt sich rot). Eine vornehme Fastenspeise - der direkte Zwilling zum Krebsmus der Koch- und Kellermeisterei und zum nahezu wortgleichen Krebsmus aus Cgm 5919; technisch verwandt mit den anderen durchpassierten Tier-Musen (Mus von Fischrogen, Lebermus).
Buch-von-guter-Speise-Strang. Das Rezept ist nahezu wörtlich mit dem Reichenauer Krebsmus verwandt (dort teils mit Eigelb angereichert); Cgm 384 bleibt schlicht bei Krebs, Brot und Milch.
Flusskrebse stehen in Deutschland unter Artenschutz. Du kannst sie aber aus nachhaltiger Zucht beim gut sortierten Fischhändler oder auf dem Wochenmarkt bekommen. Alternativ eignen sich auch Garnelen oder Langustenschwänze.
Eingeschränkt (Kühlung & Aufwand): Frische Krebse und Milch erfordern eine Kühlkette, was im Lager eine Herausforderung sein kann. Das Zerstoßen der Krebse im Mörser ist zudem aufwendig, aber mit einem großen Mörser und etwas Geduld machbar.
Das 'Böse bis zu den Augen' bezieht sich auf die ungenießbaren Teile des Krebskopfes, die entfernt werden. 'Durchtreiben' bedeutet, die Masse durch ein feines Sieb oder Tuch zu passieren, um ein glattes Mus zu erhalten.
Ein 'Mörser' im mittelalterlichen Kochkontext ist ein großer, schwerer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente dazu, Zutaten wie Krebse zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für ein authentisches Ergebnis ist ein solcher Mörser ideal, alternativ kann eine moderne Küchenmaschine verwendet werden, um die Krebse zu zerkleinern und zu pürieren.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Mus, ein dickflüssiger Brei oder Püree.
Flusskrebse. Im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise, da sie im Wasser leben.
Wörtlich 'das Böse bis zu den Augen davon'. Ehlert glossiert 'das Böse' als die Eingeweide im Kopfbereich der Krebse, die bis zu den Augen herausgeschnitten werden.
Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder Nüssen verwendet wurde. Nicht zu verwechseln mit einem kleinen Gewürzmörser.
Die Masse mit der Milch durch ein Sieb oder Tuch passieren, um ein feines, glattes Mus zu erhalten.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| kreps | crayfish Q210959 |
| wisz brosem | white bread Q1501889 |
| milch | milk Q8495 |
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.