Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Für einen Käse aus Nüssen geh so vor: Nimm ein Lot Hausenblase und schlage die Nüsse damit durch. Mache die Masse mit Zucker süß. Bestecke sie oben mit Nusskernen. Gieße die Nussmilch darüber, so wie du es bei dem anderen Käse schon gemacht hast.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| nussen | Nüsse | - | - | - |
| hausen plater | Hausenblase (Fischleim) | 15 g | Online-Handel, Bierbrau-Bedarf (Hausenblase / Isinglass) | Speisegelatine oder Agar-Agar (für eine vegetarische Fassung) |
| zucker | Zucker | - | - | - |
| nuskeren | Nusskerne | - | - | - |
| milich | Nussmilch | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein milchfreier Fastenkäse: Nüsse werden mit aufgelöster Hausenblase (Fischleim aus der Schwimmblase des Störs) zu einer Masse verarbeitet, gesüßt, mit Nusskernen bestreut und mit Nussmilch übergossen. Fisch war in der Fastenzeit erlaubt, Milchprodukte nicht - die Hausenblase ersetzt hier Lab oder echte Milch als Bindemittel. Nahe Verwandte im selben Buch sind mha-198 (Hühnermagenbrühe-Käse) und mha-199 (Hanfkäse mit Mandelmilch-Guss), die dasselbe Prinzip mit derselben Menge Hausenblase (ein Lot) verwenden.
Das Durchschlagen der Nüsse. Der Text nennt kein Zerkleinerungsverb vor dem Schlagen - "schlach die nussen damit durch" beschreibt nur, dass die Nüsse durch die aufgelöste Hausenblase geschlagen beziehungsweise passiert werden, nicht dass sie vorher zerstoßen wurden. In der Praxis liegt es nahe, die Nüsse vorher fein zu reiben oder zu mahlen, sonst lässt sich die Masse kaum durchschlagen - das ist aber eine Praxisempfehlung, kein wörtlich belegter Textinhalt.
Die Bindung. Das Transkript beschreibt nur die Handlung des Durchschlagens, nicht das Ergebnis. Damit Hausenblase tatsächlich bindet, muss sie zuvor in warmer Flüssigkeit aufgelöst und die Masse danach abgekühlt werden - erst beim Erkalten geliert sie fest, vergleichbar mit mha-198, wo es ausdrücklich heißt: "wann sy kalt worden ist, so wirt sy hert". Dieser Kühlschritt fehlt im Transkript von mha-200 vollständig, ist aber technisch zwingend und wahrscheinlich über den Verweis auf das Referenzrezept mitgemeint.
Praxis. Hausenblase (etwa 15 g) in warmem Wasser oder warmer Nussmilch auflösen, mit fein geriebenen oder gemahlenen Nüssen vermengen und durch ein Tuch oder Sieb schlagen. Mit Zucker süßen, in eine Form füllen und kühl stellen, bis die Masse fest geliert ist. Vor dem Servieren oben mit Nusskernen bestecken und mit gesüßter Nussmilch übergießen.
Hausenblase ist im normalen Supermarkt nicht erhältlich, aber über Online-Handel für Bierbrauzubehör oder Naturkostläden zu finden, da sie traditionell auch zum Klären von Bier verwendet wird. Wer darauf verzichten will, kann ersatzweise Speisegelatine (ebenfalls tierisch) oder Agar-Agar (pflanzlich) zum Binden nehmen.
Eingeschränkt geeignet. Die gelierte Nussmasse hält Sommerhitze ohne Kühlung nicht lange durch und weicht dann auf, außerdem braucht man vorbereitete Nussmilch aus einem Begleitrezept. Am besten zu Hause die Nussmilch ansetzen und die Käsemasse gekühlt mitbringen, im Lager nur noch mit Nusskernen bestecken und mit Milch übergießen.
Ein Lot ist ein historisches Gewichtsmaß, im süddeutschen Raum entsprach es etwa 15 bis 16 Gramm. Ein Lot Hausenblase sind also rund 15 g des Bindemittels.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Hier kein echter Milchkäse, sondern ein käseähnliches Fastengericht aus Nüssen, das in Form und Anrichtung an Käse erinnert.
Hausenblase: Fischleim aus der Schwimmblase des Störs (hausen = Hausen/Stör), diente als Bindemittel, vergleichbar mit heutiger Gelatine. Als Fischprodukt in der Fastenzeit erlaubt.
Als 'Nusskerne' gelesen, mit denen die Oberfläche des Nusskäses bestreut wird - die Lesart ist über CoReMA-Glossen korpusweit (unter anderem am Zwilling mon-136) als 'nut' bezeugt, nicht bloß vermutet.
Verweis auf ein im Manuskript vorangehendes Käse-Rezept, vermutlich mha-199 (Hanfkäse mit Mandelmilch-Guss), das mit einer fast identischen Schlussformulierung endet. Die Zuordnung ist naheliegend, aber nicht zweifelsfrei gesichert.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
schlach die nussen damit durch
Gewählte Lesart: Die Nüsse durch die aufgelöste Hausenblase schlagen bzw. passieren, um sie zu einer gebundenen Masse zu verarbeiten.
Andere mögliche Lesart:
dem anndern
Gewählte Lesart: Bezieht sich vermutlich auf mha-199, das im Manuskript unmittelbar vorausgeht und mit einer fast identischen Schlussformulierung endet.
Andere mögliche Lesart:
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