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Gebratene Hirschleber mit Senfbrühe

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 6/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Die Hirschleber ein wenig auf einem Rost braten und dazu eine Senfbrühe bereiten, süß oder säuerlich.

Bratenfett oder Butter zerlassen und ein wenig geriebenes Brot hineingeben. Wenn das Brot hart geworden ist, Pfeffer und Weinessig dazugeben. Dann die Hirschleber ebenfalls hineingeben, rasch fertig braten lassen und dabei einmal wenden. Danach Farbe darübergeben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die Hirſchlebern Hirschleber - Wildhändler oder Metzger mit Wildangebot -
Bratenfeiſt oder Butter Bratenfett - - Butter
ein wenig zerrieben Brot Brot, gerieben - - -
Pfeffer Pfeffer - - -
Weineſsig Weinessig - - -
Senff Senf (für die Senfbrühe) - - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Hirschleber in einer sauren Pfannensauce aus Fett, gerösteten Brotbröseln, Pfeffer und Weinessig, dazu eine Senfbrühe. Heute erinnert das an saure Leber.

Rost und Pfanne. Der Rost gibt der Leber Farbe und Festigkeit, durchgaren soll sie dort noch nicht ("ein wenig"). Das Gefäß für den zweiten Schritt nennt der Text nicht, praktisch ist eine Pfanne.

Die Brösel. Das geriebene Brot wird im heißen Fett geröstet, bis es hart ist; erst dann kommen Pfeffer und Essig dazu, sonst würden die Brösel weich. Sie nehmen Fett und Essig auf und binden leicht.

Senfbrühe und Farbe. Beides nennt der Text, ohne es zu beschreiben. Senf lässt sich in die Pfannenmischung einrühren oder getrennt reichen; wer sie süß will, findet im Rezept davor das Abmachen mit Zucker und Zimt (ron-0157), hier steht dazu nichts. Die Farbe kann man ohne Angabe des Mittels weglassen.

Praxis. Leber in dicke Scheiben schneiden, kurz auf dem Rost anbraten, dann in der Brösel-Essig-Mischung zügig fertig braten und nur einmal wenden, damit sie innen rosa und zart bleibt. Sofort auftragen. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Wo bekomme ich Hirschleber?

Beim Wildhändler oder beim Metzger mit Wildangebot, am ehesten in der Jagdzeit im Herbst und Winter. Leber verdirbt rasch und sollte möglichst frisch verarbeitet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Hirschleber ist eine Innerei, heute schwer zu bekommen und rasch verderblich. An der Technik liegt es nicht: Ein Rost und ein Gefäß über der Glut würden genügen.

Kommt Senf in die Brühe?

Der Text nennt eine Senfbrühe, süß oder säuerlich, beschreibt sie aber nicht. Man kann Senf in die Essig-Brot-Mischung einrühren oder eine Senfsauce getrennt dazu reichen; beides deckt der Wortlaut.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / die Hirſchlebern bradet man ein wenig auff einer Roſt / vnd machet ein Senff bruͤh ſuͤß oder ſaͤwrlich / Man ſchmeltzet Bratenfeiſt oder Butter da thut man ein wenig zerrieben Brot ein / wenn das Brot hart iſt / thut man da Pfeffer vnd Weineſsig / gibt alßdan die Hirſchlebern auch darein leſſet ſie eilig abbraten / vnnd man wendet ſie einmahl vmb / gibt darnach Farb daruͤber / etc.
Farb

Das Rezept endet mit 'gibt darnach Farb darüber'. Ein bestimmtes Färbemittel nennt es nicht, deshalb steht im Text nur 'Farbe darübergeben'.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Ochsen vnd Hirsch Leber
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

die Hirſchleberndeer liver Q96756392
ein wenig zerrieben Brotbread Q7802
Pfefferpepper Q3143131
Weineſsigvinegar Q41354
Senffmustard seed Q1937700

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSenff bruͤh ſuͤß oder ſaͤwrlich

Gewählte Lesart: Die Senfbrühe wird genannt, aber nicht beschrieben. Der folgende Satz (Fett, geriebenes Brot, Pfeffer, Weinessig, darin die Leber fertig braten) schildert, wie die Leber fertig gegart wird; ob der Senf in diese Mischung kommt, sagt der Text nicht. Auch womit die Brühe süß oder säuerlich wird, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Fett-Brot-Essig-Mischung ist selbst die Senfbrühe, der Senf wird darin verrührt. - Der Satz folgt unmittelbar auf 'machet ein Senff bruͤh' und Essig macht sie säuerlich. Dagegen spricht, dass der Senf in dieser Zutatenfolge fehlt.
  • Die Senfbrühe ist eine eigene Sauce, die neben der Leber gereicht wird. - Möglich, weil der Text sie nur nennt; ihre Zubereitung steht dann nicht da.

Lesartdie Hirſchlebern (ganz oder geschnitten)

Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Zuschnitt; gelesen wird die Leber, wie sie dasteht, ohne Schneideschritt.

Andere mögliche Lesart:

  • In dicke Scheiben oder Stücke geschnitten. - Die Nachbarrezepte schneiden die Leber in Streifen oder Stücke (ron-0154, ron-0156, ron-0157); in der Praxis gart Leber in Scheiben gleichmäßiger und rascher, wie es 'eilig abbraten' verlangt.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 055, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0158
LagerkücheLagerküche
Nein: Leber als Hauptzutat ist eine Innerei, heute nur über den Wildhandel zu bekommen und rasch verderblich. An der Technik liegt es nicht, Rost und Gefäß über der Glut genügen.
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Stand dieser Fassung: 28.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.