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Dünne Pfannkuchen, in Milchteig gezogen und in Butter ausgebacken

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 60 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Schlage Eier auf und schlage sie gut mit Mehl und ein wenig Salz. Streiche die Masse durch ein Haartuch und mache ganz dünne Pfannkuchen, so dünn wie Papier. Lege sie auf ein Brett und lass sie kalt werden. Schneide sie danach viereckig oder wie du willst.

Rühre einen Teig aus süßer Milch und Mehl an, ziehe die Pfannkuchen durch den Teig und ziehe sie danach in heiße Butter. So gehen sie schön auf und bleiben knusprig. Bestreue sie mit Zucker und gib sie warm auf den Tisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyer Eier - - -
Mehl Mehl - - -
saltz Salz - - -
suͤsser Milch süße Milch - - -
heisse Butter heiße Butter - - -
Zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Dünne Eierpfannkuchen, „wie ein Papier“, werden kalt zugeschnitten, durch einen Teig aus süßer Milch und Mehl gezogen und ein zweites Mal in heißer Butter gebacken, dann gezuckert und warm aufgetragen. Mit dem Folgerezept (rum-1686, Brotschnitten im Teig) bilden sie ein Paar.

Der erste Teig. Eier, Mehl und ein wenig Salz gut verschlagen und durch das Haartuch streichen: Das Tuch hält Eiklumpen und Mehlklümpchen zurück, damit der Teig glatt und sehr dünn in der Pfanne ausläuft. Kalt geworden lassen sich die papierdünnen Pfannkuchen sauber schneiden; warm reißen und kleben sie.

Der Milchteig. Rumpolt nennt nur süße Milch und Mehl, kein Ei und kein Salz, und keine Dicke. Zum Nachkochen den Teig dünn-sämig anrühren, so dass er als Schicht an den Stücken haftet; nur dann geht der Mantel beim Backen schön auf.

Die heiße Butter. Menge und Hitze nennt der Text nicht. Zum Nachkochen die Butter in der Pfanne mäßig heiß werden lassen und die Stücke flach ausbacken, bis sie goldgelb und knusprig sind; bei sehr hoher Hitze bräunt Butter schnell.

Praxis. Eier mit Mehl und einer Prise Salz glatt schlagen, durch ein feines Tuch oder Sieb streichen und in der Pfanne papierdünne Pfannkuchen backen. Auf einem Brett auskühlen lassen, in Vierecke schneiden. Milch und Mehl zu einem dünn-sämigen Teig rühren, die Stücke hindurchziehen und in Butter bei mittlerer Hitze goldgelb ausbacken. Mit Zucker bestreuen und warm servieren. Die Zubereitungszeit von etwa 60 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Was ist ein „Pfantzel“?

Ein dünner Eierpfannkuchen, in den Wörterbüchern als „Pfannzelte“ verzeichnet. Rumpolt backt ihn hier „wie ein Papier“ dünn, lässt ihn kalt werden, schneidet ihn zu, zieht die Stücke durch einen Teig aus süßer Milch und Mehl und dann in heiße Butter. So gehen sie auf und bleiben knusprig.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Pfanne, Brett und Feuer genügen. Mehl, Salz und Zucker sind Vorrat; Eier, Milch und Butter brauchen bis zur Zubereitung Kühlung.

Wofür wird ein „Haartuch“ verwendet?

Es ist ein Seihtuch, meist aus Pferdehaar. Rumpolt lässt die Eiermasse hindurchstreichen, bevor die Pfannkuchen gebacken werden. Heute tut es ein feines Passiertuch oder ein sehr engmaschiges Sieb.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

33. Schlag Eyer auff, zerschlag sie wol mit Mehl, vnnd saltz ein wenig, streichs durch ein Haͤrin Tuch, mach gar duͤnne Pfantzel, wie ein Papier, thu es auff ein Bret, vnd laß kalt werden, schneidts darnach vierecket, oder wie du wilt. Mach ein Teig an von suͤsser Milch, vnd mit Mehl, zeuch die Pfantzel in den Teig, vnnd zeuchs darnach in heisse Butter, so wirdt es fein aufflauffen, vnnd resch bleiben, bestraͤw es mit Zucker, vnnd gibs warm auff ein Tisch.
Pfantzel

Pfannkuchen. Das Wort lebt als „Pfannzelte“ in den Wörterbüchern: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt pfanzelte als in Schmalz gebackenen Kuchen, Pfannkuchen, Grimms Wörterbuch führt pfannzelte ebenso. Rumpolts Pfantzel sind dünne Eierpfannkuchen mit wenig Mehl; dieselbe Formel „wie ein Papier“ steht beim Eierkraut (rum-1354).

Haͤrin Tuch

Haartuch: ein Seihtuch aus Haar, meist Pferdehaar, durch das eine Masse gestrichen wird. Heute tut es ein feines Passiertuch.

suͤsser Milch

Frische Milch, im Gegensatz zu saurer Milch.

aufflauffen

Aufgehen, sich aufblähen: Der Teigmantel hebt sich beim Backen in der Butter.

resch

Knusprig. Beim Gebäck meint Rumpolt mit „resch“ durchweg das Knusprige; das Elsässische und das Pfälzische Wörterbuch erklären „resch“ als trocken, knapperig vom Brot.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gebackenem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyerchicken egg Q15260613
Mehlflour Q36465
saltztable salt Q11254
suͤsser Milchmilk Q8495
heisse Butterbutter Q34172
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzeuch die Pfantzel in den Teig / zeuchs … in heisse Butter

Gewählte Lesart: „Ziehen“ heißt hier: die Stücke durch den Teig führen und dann in die heiße Butter legen, um sie darin zu backen. Im Folgerezept rum-1686 steht dieselbe Formel, dort mit „backs“.

Andere mögliche Lesart:

  • Frittieren, also schwimmend in viel Fett ausbacken - Steht nicht im Text; Rumpolt nennt weder eine Fettmenge noch ein Schwimmen im Fett.

Lesartheisse Butter

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt nur „heisse Butter“, ohne Menge und ohne Hitzegrad; ob flach in der Pfanne oder reichlich gebacken wird, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Butter mäßig heiß in der Pfanne, flach ausbacken, bis die Stücke goldgelb sind - Praxis zum Nachkochen; die Nachbarrezepte rum-1684 („nicht gar heiß“) und rum-1686 („fein langsam“) sprechen für mäßige Hitze, für dieses Rezept ist das nur Analogie.
  • Reichlich Butter, die Stücke schwimmend ausgebacken - Möglich, im Text aber nicht belegt.

LesartTeig von suͤsser Milch vnd mit Mehl

Gewählte Lesart: Ein Teig nur aus süßer Milch und Mehl, ohne Ei und ohne Salz; die Dicke nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Dünn-sämiger Ausbackteig, der als Schicht an den Pfannkuchen haftet - Praxis zum Nachkochen: Nur ein haftender Mantel kann „aufflauffen“; ein sehr dünner Anguss haftet kaum und hebt sich wenig.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1685
LagerkücheLagerküche
Ja: Pfanne, Brett und Feuer genügen, kein Ofen. Mehl, Salz und Zucker sind Vorrat; Eier, Milch und Butter brauchen bis zur Zubereitung Kühlung. Aufwendig ist nur das Backen der papierdünnen Pfannkuchen.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.