Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Das Fass mit einem Schwenkwasser ausschwenken und dieses Wasser wieder herauslassen. Dann ein Lot Zimtrinde, ein Lot Nelken, ein Lot langen Pfeffer, ein Lot Zucker, einen Vierling Enzian und für zwei Pfennig Schwefel nehmen und alles in einem Mörser zerstoßen. Wenn der Wein im Fass ist, ein Säcklein von einer Spanne Länge machen und die Masse hineintun, sodass er warm in das Fass kommt. Das Fass zuspunden und drei Wochen ruhen lassen.
Ein weiteres Verfahren: Ein Pfund Kandiszucker, zwei Lot Zimtrinde, Branntwein auf ein Maß und weißen Weinstein nehmen und den Weinstein klein stoßen. Zehn Maß von demselben Wein dazunehmen und alles zusammen in einem Krug sieden. Wenn du den Wein in das Fass gelassen hast, die Masse ebenfalls in den Wein schütten, ihn zuspunden und drei Wochen ruhen lassen. So bleibt der Wein das Jahr über beständig.
Noch ein Verfahren: Zwei Lot Tropfwurz, ein Pfund Zucker, Christianwurzeln und Muskatblüte nehmen und alles zerstoßen. Einen langen Baumwollsack machen, die Masse hineintun und ihn im Herbst in den Wein hängen. Das Fass sehr gut zuspunden und den Wein vierzehn Tage so ruhen lassen. Danach nachsehen: So findest du guten, köstlichen Wein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Lot Zimmetrinden | Zimtrinde | 15 g | - | - |
| ein Lot Negelein | Nelken | 15 g | - | - |
| ein Lot langen Pfeffer | Langer Pfeffer | 15 g | Online-Gewürzhandel | - |
| vnd ein Lot Zucker | Zucker | 15 g | - | - |
| ein vierling Entian | Enzian (ein Vierling, als Viertelpfund gerechnet; Pflanzenteil nicht genannt, üblich ist die Wurzel) | 125 g | - | - |
| fuͤr zween Pfenning Schwebel | Schwefel (für zwei Pfennig, zerstoßen) | - | - | - |
| wenn der Wein in dem Faß ist | Wein (Fassgröße nicht genannt) | - | - | - |
| ein Pfundt Zucker Candel | Kandiszucker | 500 g | - | - |
| zwey Lot Zimmetrinden | Zimtrinde | 30 g | - | - |
| gebraͤnnten Wein auff ein Maß | Branntwein (auf ein Maß) | - | - | - |
| weissen Weinstein | Weißer Weinstein, klein gestoßen | - | - | - |
| desselbigen Weins zehen Maß | Wein (zehn Maß von demselben Wein) | - | - | - |
| zwey Lot Tropffwurtz | Tropfwurz (Gewöhnlicher Tüpfelfarn, Engelsüß) | 30 g | - | - |
| ein Pfundt Zuckers | Zucker | 500 g | - | - |
| Christianwurtzeln | Christianwurzeln (Pflanze ungeklärt) | - | - | - |
| Muscatenbluͤt | Muskatblüte | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern drei Kellerverfahren aus Rumpolts Weinanhang. Jedes Mal bekommt der Wein beim Ablassen ins Fass einen Zusatz: im ersten ein Säcklein mit gestoßenen Gewürzen, Zucker, Enzian und Schwefel, im zweiten einen im Krug gesottenen Sud aus Kandis, Zimt, Branntwein, Weinstein und zehn Maß desselben Weins, im dritten einen langen Baumwollsack mit Tropfwurz, Zucker, Christianwurzeln und Muskatblüte, der im Herbst in den Wein gehängt wird. Danach wird das Fass zugespundet und ruht drei Wochen, beim dritten Verfahren vierzehn Tage.
Tropfwurz und Christianwurz. Tropfwurz ist der Tüpfelfarn (Engelsüß); gestoßen wird wohl der Wurzelstock. Welche Pflanze die Christianwurzel ist, bleibt offen. Das dritte Verfahren lässt sich deshalb nicht vollständig nachstellen.
Enzian. Der Vierling ist hier als Viertelpfund gerechnet, also etwa 125 g. Ob Wurzel oder Kraut gemeint ist, sagt der Text nicht; üblich war die Wurzel.
Schwefel. Der Schwefel wird nicht verbrannt, sondern zerstoßen und mit den Gewürzen ins Säcklein gegeben. Die Menge ist ein Geldwert („für zween Pfenning“) und lässt sich nicht in Gramm umrechnen; sie bleibt offen.
Warm ins Fass. Rumpolt verlangt, dass der Wein warm ins Fass kommt, und sagt nicht, warum. Die Angabe ist wörtlich übernommen.
Praxis. Keine Fassgröße ist genannt, also auch keine Skalierung: Die Lot- und Pfundangaben sind nur als Gewichte umgerechnet. Der Sud im zweiten Verfahren wird gesotten, ohne dass eine Dauer dasteht; Kandis und Weinstein sollten sich dabei lösen. Ob im dritten Verfahren Most, gärender oder fertiger Wein gemeint ist, bleibt offen, ebenso Farbe, Alkoholgehalt und Süße des Weins.
Das ist nicht geklärt. Das Wort ist ein eigener Pflanzenname des 16. Jahrhunderts; alte Wörterbücher stellen es neben „Erdmotte“, ohne eine Art zu bestimmen. Mit der Christwurz (Nieswurz) ist es nicht gleichzusetzen, auch wenn es ähnlich klingt. Weil die Pflanze unbekannt ist, lässt sich diese Zutat nicht sicher besorgen, und etwas Beliebiges an ihrer Stelle wäre nicht mehr Rumpolts Rezept.
Der alte Name des Gewöhnlichen Tüpfelfarns, auch Engelsüß genannt (Polypodium vulgare). Grimm, Lexer und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch belegen das übereinstimmend. Mit Mädesüß hat das Wort nichts zu tun.
Rumpolt sagt es nicht. Er lässt den Schwefel zerstoßen und mit den Gewürzen ins Säcklein geben. Das ist etwas anderes als das Schwefeln mit brennenden Schwefelschnitten, das andere Kellertexte dieses Anhangs beschreiben. Nach heutigem Wissen entsteht das Schwefeldioxid, das Wein schützt, beim Verbrennen des Schwefels, nicht aus zerstoßenem Schwefel im Wein.
Ein Lot sind etwa 15 g, ein Vierling bei Rumpolt sonst ein Viertelpfund, etwa 125 g. Für welche Fassgröße die Mengen gedacht sind, sagt der Text nicht.
Nein. Es ist kein Gericht, sondern Fassarbeit mit zwei bis drei Wochen Ruhezeit. Ein Fass lässt sich nicht an einem Markttag fertigstellen. Als Vorführung kannst du höchstens zeigen, wie das Gewürzsäcklein gefüllt wird.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Rumpolts Wort dafür, den Wein in das Fass zu lassen („Wenn du den Wein in das Faß hast gelassen“). Heute spricht man vom Abziehen, wenn Wein vom Bodensatz in ein anderes Fass umgefüllt wird; ob Rumpolt genau diesen Arbeitsgang meint, sagt der Text nicht.
Spülwasser, mit dem das Fass ausgeschwenkt wird. Es wird danach wieder herausgelassen.
Altes Gewichtsmaß, hier mit etwa 15 g gerechnet; die genaue Größe schwankt je nach Region leicht. Ein Pfund entspricht etwa 500 g.
Ein Viertel einer Einheit. Neben Lot und Pfund ist es bei Rumpolt sonst ein Viertelpfund, also etwa 125 g; so ist es hier gerechnet. Ausdrücklich nennt der Text die Bezugsgröße nicht.
Flüssigkeitsmaß von grob einem Liter, regional verschieden. Hier unverändert als „Maß“ übernommen.
Kandiszucker, also grob kristallisierter Zucker.
Gebrannter Wein ist Branntwein, ein Destillat aus Wein. Hier wird er mit Kandis, Zimt, Weinstein und Wein zusammen gesotten.
Kristalliner Niederschlag aus dem Wein (Kaliumhydrogentartrat), der sich an den Fasswänden absetzt. Rumpolt lässt ihn klein stoßen und mitsieden.
Schwefel. Er wird hier zerstoßen und mit den Gewürzen ins Säcklein gegeben, nicht verbrannt wie bei den Schwefelschnitten, die andere Kellertexte dieses Anhangs beschreiben. Die Menge richtet sich nach dem Preis: so viel, wie man für zwei Pfennig bekommt.
Das Fass zuspunden, also mit dem Spund im Spundloch fest verschließen.
Ein langer Beutel aus Baumwollstoff, in den die zerstoßene Masse kommt. Er wird in den Wein gehängt.
Alter Name des Gewöhnlichen Tüpfelfarns (Engelsüß, Polypodium vulgare), eines kleinen Farns, der auf Steinen und an Bäumen wächst. Grimm, Lexer und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch belegen diese Bedeutung. Gestoßen wird wohl der Wurzelstock.
Ein eigenes Pflanzenwort, dessen Art ungeklärt ist. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch stellt es neben „Erdmotte“, das Schweizerische Idiotikon zitiert einen alten Beleg, nach dem manche es mit „Moren oder Erdmotten“ verdeutschten. Mit der ähnlich klingenden Christwurz (Nieswurz) ist es nicht gleichzusetzen.
Muskatblüte (Macis), der Samenmantel der Muskatnuss.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein Lot Zimmetrinden | cinnamon Q28165 |
| ein Lot Negelein | clove Q15622897 |
| ein Lot langen Pfeffer | long pepper Q685336 |
| vnd ein Lot Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| zwey Lot Zimmetrinden | cinnamon Q28165 |
| ein Pfundt Zuckers | unrefined cane sugar Q57656231 |
| Muscatenbluͤt | mace Q1882876 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Tropffwurtz
Gewählte Lesart: Gewöhnlicher Tüpfelfarn, Engelsüß (Polypodium vulgare): Grimm (tropfwurz 1, „polypodium“, Belege seit dem 12. Jahrhundert und im Nürnberger Vokabular von 1482), Lexer und BMZ („polypodion“), das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch (bedeutungsverwandt zu „baumfarn“) stimmen überein.
Andere mögliche Lesarten:
Christianwurtzeln
Gewählte Lesart: Als „Christianwurzeln“ übernommen, Art offen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „christianwurz“ als eigenes Stichwort, bedeutungsverwandt zu „Erdmotte“; das Schweizerische Idiotikon zitiert „etlich verteutschend es moren oder erdmotten“. Eine Pflanzenart nennen beide nicht.
Andere mögliche Lesart:
Entian / ein vierling
Gewählte Lesart: Ein Vierling als Viertelpfund, also etwa 125 g. So steht es bei Rumpolt auch sonst neben Lot-Mengen (rum-1993 „ein vierling Galgant“, rum-1946 „ein vierling Eniß“).
Andere mögliche Lesart:
Entian (Wurzel oder Kraut)
Gewählte Lesart: Enzianwurzel, die übliche Droge dieser Pflanze; der Text sagt nur „Entian“.
Andere mögliche Lesart:
fuͤr zween Pfenning Schwebel
Gewählte Lesart: Gestoßener Stangenschwefel, wie ihn Apotheker oder Gewürzhändler verkauften, in der Menge, die zwei Pfennig kosteten; zerstoßen und mit den Gewürzen ins Säcklein gegeben, wie der Text sagt.
Andere mögliche Lesarten:
daß er warm in das Faß kompt
Gewählte Lesart: Wörtlich „sodass er warm in das Fass kommt“; „er“ bezieht sich grammatisch am ehesten auf den Wein. Ein Zweck ist nicht genannt.
Andere mögliche Lesarten:
gebraͤnnten Wein auff ein Maß
Gewählte Lesart: Branntwein in der Menge von einem Maß, der mit Kandis, Zimt, Weinstein und dem Wein im Krug gesotten wird.
Andere mögliche Lesart:
Mengenbezug und Fassgröße
Gewählte Lesart: Die Mengen gelten für ein Lagerfass, dessen Größe Rumpolt nicht nennt.
Andere mögliche Lesart:
seudt das alles vntereinander (Dauer des Siedens)
Gewählte Lesart: Sieden, bis Kandis und Weinstein gelöst sind; erschlossen, der Text nennt keine Dauer.
Andere mögliche Lesart:
henck es in dem Herbst in den Wein (welcher Wein)
Gewählte Lesart: Junger oder noch gärender Wein im Herbst; ein Kräutersäckchen im gärenden Most kennt schon Hirnkofen (1478).
Andere mögliche Lesart:
ablassen
Gewählte Lesart: Den Wein in das Fass lassen, wie es der Text selbst umschreibt („Wenn du den Wein in das Faß hast gelassen“).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.