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Wein mit Pechgeschmack umfüllen und mit Eppichkraut behandeln

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Den Wein aus dem Fass in einen großen Kübel oder ein anderes Gefäß umfüllen, damit der Pechgeschmack ausdünsten kann. Dann Eppichkraut in ein sauberes Leinentuch einwickeln, zum Wein hineingeben und zwei Tage so stehen lassen. Danach den Wein wieder in ein ungepichtes Fass gießen.

Hilft das nicht, soll man Salbei und Hopfen hineinhängen. Auf diese Weise kann man auch Wein, der nach Erde schmeckt, wieder in Ordnung bringen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Wein der nach Bech schmaͤcket Wein mit Pechgeschmack - - -
Eppichkraut Eppichkraut - - Selleriegrün (Blätter von Stangen- oder Blattsellerie)
Salbey Salbei (optional, falls das Eppichkraut nicht hilft) - - -
Hopffen Hopfen (optional, falls das Eppichkraut nicht hilft) - Online-Handel (Brauzubehör) Getrocknete Hopfendolden aus dem Heimbrauer-Bedarf

Was ist das? Kein Gericht, sondern die Behandlung eines Weinfehlers im Keller: Wein, der nach Pech schmeckt. Rumpolt gibt ein Verfahren in drei Schritten und ein Rückfallmittel. Der Schlusssatz überträgt das Ganze auf Wein, der nach Erde schmeckt; welche Stufe dort gilt, sagt er nicht.

Umfüllen und auslüften. Der Wein kommt aus dem Fass in einen großen Kübel oder ein anderes offenes Gefäß, damit der Geschmack "außriechen" kann. Das Material des Gefäßes nennt der Text nicht.

Eppichkraut im Leinentuch. Eppichkraut, in ein reines Leinentuch eingewickelt, kommt zum Wein; so bleibt es zwei Tage stehen. Mengen nennt der Text nicht. Wie das Kraut wirken soll, erklärt er nicht.

Ungepichtes Fass. Danach geht der Wein in ein Fass ohne Pechauskleidung zurück, sodass er nicht wieder mit Pech in Berührung kommt.

Salbei und Hopfen. "Wils jedoch nicht helffen", sollen Salbei und Hopfen hineingehängt werden. Ob im Tuch, ob in den Kübel oder ins neue Fass und wie lange, bleibt offen. Das Nachbarrezept rum-1966 nennt dafür einen Leinensack und drei bis vier Tage.

Praxis. Wer es nachstellt, folgt der Reihenfolge des Textes: erst auslüften und Eppich, Salbei und Hopfen nur, wenn der Geschmack bleibt. Farbe, Alter und Menge des Weins sind nicht festgelegt, Mengen für die Kräuter werden nicht geschätzt. Als Hopfen bieten sich heute getrocknete Dolden an. Eine Zubereitungszeit ist nicht angegeben, denn die zwei Tage sind Standzeit, keine Arbeitszeit. Ob das Verfahren einen Pechgeschmack wirklich behebt, ist nicht belegt; der Text rechnet selbst mit einem Fehlschlag.

Was bedeutet "ungepichtes Fass" und warum ist es wichtig?

Gepichte Fässer sind innen mit Pech abgedichtet. Käme der behandelte Wein wieder in ein solches Fass, träfe er erneut auf Pech. Deshalb verlangt das Rezept ausdrücklich ein Fass ohne Pechauskleidung.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Es ist Kellerarbeit an einem Fass Wein, kein Gericht. Der Ablauf dauert zwei Tage und braucht Kübel und ein zweites Fass.

Wie viel Eppichkraut, Salbei und Hopfen braucht man?

Das Rezept nennt keine Mengen. Salbei und Hopfen kommen laut Text erst zum Einsatz, wenn das Eppichkraut nicht hilft.

Was ist Eppich?

Meist der Sellerie; im Frühneuhochdeutschen kann das Wort auch die Petersilie meinen. Selleriegrün ist die naheliegende heutige Entsprechung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Wein der nach Bech schmaͤcket. Thu jhn auß dem Faß in ein grossen Kuͤbel, oder ander Geschirr, daß der Geschmack davon außriechen moͤg, thu darnach Eppichkraut in ein rein leinen Tuch gewunden darein, laß zween tag also stehen, darnach geuß den Wein wider in ein vngebichtes Faß. Wils jedoch nicht helffen, so sol man Salbey vnd Hopffen darein hencken. Also mag man auch Wein, der nach der Erden schmaͤcket, wider bringen.
Bech

Pech. Fässer wurden innen mit Pech ausgestrichen (gepicht), um sie abzudichten. Der Text nennt nur den Pechgeschmack des Weins, keine nähere Ursache.

außriechen

Den Geruch abgeben, ausdünsten. Hier soll der Pechgeruch im offenen Gefäß entweichen.

vngebichtes Faß

Fass ohne Pechauskleidung; zu bichen / pichen (mit Pech ausstreichen), belegt u. a. bei Henisch ("bestrichen/gebicht") und im Schwäbischen Wörterbuch. Die verneinte Form selbst ist nicht belegt, die Bildung aber durchsichtig.

Eppichkraut

Eppich ist meist der Sellerie, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt daneben auch die Petersilie. Hier als Kraut im Leinentuch im Wein, nicht zum Essen. Selleriegrün ist die heutige Entsprechung, die Art ist im Wort nicht ganz gesichert.

hencken

Hängen, hineinhängen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Anhang: Wie man Wein macht, pflegt und bessert
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Wein der nach Bech schmaͤcketwine Q282
Salbeycommon sage Q1111359

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartEppichkraut

Gewählte Lesart: Sellerie bzw. Blattsellerie. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt eppich zuerst als Sellerie (Apium graveolens), mit dem Hinweis, dass die Zuordnung nicht immer sicher ist.

Andere mögliche Lesarten:

  • Petersilie - Im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch als zweite Bedeutung von eppich belegt. Der Text gibt keinen Hinweis, der zwischen Sellerie und Petersilie entscheidet.
  • Efeu - Lexer und das Mittelniederdeutsche Wörterbuch kennen eppich auch für Efeu. Als Kraut, das man im Tuch in den Wein gibt, ist Efeu hier nicht plausibel, daher verworfen.

LesartSalbey vnd Hopffen darein hencken

Gewählte Lesart: Salbei und Hopfen hineinhängen, wie der Text es sagt. Ob sie in ein Tuch kommen und ob sie in den Kübel oder in das neue Fass gehängt werden, sagt der Text nicht; die Übersetzung ergänzt nichts davon.

Andere mögliche Lesart:

  • In einem Leinensack ins Fass hängen - So steht es im Nachbarrezept rum-1966 ("thu es in ein leinen Sack/ henck es drey oder vier tag in das Faß"). Das ist eine buchinterne Parallele, für diese Stelle aber nicht belegt.

LesartMengen von Eppichkraut, Salbei und Hopfen

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Mengen; sie werden hier nicht geschätzt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Handvoll Salbei und ebenso viel Hopfen - Mengenformel aus rum-1966 ("ein Handt voll Salbeyen/ vnd so viel Hopffen"). Auf dieses Rezept nicht übertragbar, weil es selbst keine Menge nennt.

LesartDauer für Salbei und Hopfen

Gewählte Lesart: Der Text nennt für die zweite Stufe keine Dauer; die zwei Tage gelten nur für das Eppichkraut.

Andere mögliche Lesart:

  • Drei bis vier Tage - rum-1966 lässt denselben Salbei-Hopfen-Sack "drey oder vier tag" im Fass hängen. Als Parallele zitiert, nicht als Dauer für dieses Rezept übernommen.

Lesartgrossen Kuͤbel/ oder ander Geschirr

Gewählte Lesart: Ein großer Kübel oder ein anderes Gefäß, ohne Angabe des Materials.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein offenes, sauberes Holzgefäß - Für die Zeit naheliegend und eine vernünftige heutige Wahl, im Text aber nicht genannt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXCIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1969
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern Kellerarbeit an einem fertigen Fass Wein. Sie braucht Kübel, ein zweites, ungepichtes Fass und zwei Tage Standzeit.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.