Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Ein Öl, aus Rosmarinblüten gemacht, wirkt wie der Balsam. Der Rosmarinwein wird so zubereitet, wie es oben bei den anderen Weinen beschrieben ist.
Er ist gut gegen alle kalten Krankheiten und stärkt die Glieder und die Adern. Wer das Gesicht damit wäscht, macht es schön. Er sorgt für wohlriechenden Atem und ist gut für das Zahnfleisch. Er heilt Krebs und Fistel und ist gut gegen Gicht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Roßmarin | Rosmarin | - | - | - |
| Wein | Wein | - | - | - |
Welches Getränk ist das? Ein Rosmarinwein aus Rumpolts Weinanhang, aber kein Rezept zum Nachmachen: Der Eintrag nennt den Wein, verweist für die Herstellung auf die vorher beschriebenen Weine und zählt dann auf, wogegen er helfen soll. Heute erinnert er am ehesten an einen Rosmarin-Weinansatz aus der Hausmittel-Tradition.
Welches Verfahren? „Wie obberuͤrt von andern Weinen“ führt auf keine einheitliche Anleitung. Die vorangehenden Einträge arbeiten verschieden: Kräuter im Sack im Fass mit teils gesottenem Most (rum-1977), Borretsch in Most gesotten (rum-1978), eine Wurzel in Wein gezogen (rum-1979), Rosinen und Zimt in Most gekocht und ins Fass gegossen (rum-1980). Welcher Weg für den Rosmarin gemeint ist, sagt der Text nicht.
Blüten oder Kraut, Wein oder Most? Von „Blumen“ ist nur beim Öl die Rede. Ob der Wein aus Blüten oder Kraut entsteht und ob er auf Wein oder Most angesetzt wird, bleibt offen.
Praxis. Wer den Wein heute probieren will, setzt am einfachsten blühende Rosmarinzweige in Weißwein an und lässt sie ziehen. Das ist eine moderne Wahl, nicht Rumpolts Angabe; Menge und Ziehzeit lassen sich aus dem Eintrag nicht ableiten.
Der Eintrag sagt es nicht. Er verweist auf die anderen Weine weiter oben im Anhang, und die entstehen bei Rumpolt auf verschiedene Weise: Kräuter im Sack im Fass mit Most, Kraut in Most gesotten, eine Wurzel in Wein gezogen. Welches Verfahren für den Rosmarin gilt, bleibt offen. Mengen und Zeiten fehlen.
Nein. Es ist ein Heilmittel-Eintrag ohne eigene Zubereitung, der auf andere Rezepte verweist.
Der erste Satz sagt nur, ein Öl aus Rosmarinblüten wirke wie der Balsam. Als Zutat des Weins wird es nicht genannt.
Das sind Aussagen des 16. Jahrhunderts, hier wörtlich wiedergegeben. Sie sind keine Heilempfehlung.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Wörtlich „oben berührt“, also oben schon erwähnt. Gemeint sind die vorher im Anhang beschriebenen Weine. Sie werden nach verschiedenen Verfahren bereitet; welches hier gilt, sagt der Text nicht.
Ein harz- oder ölartiges Heilmittel, dem besondere Kraft zugeschrieben wurde. Nicht zu verwechseln mit dem Balsamkraut.
„Siechtage“ sind Krankheiten. „Kalt“ ordnet sie nach der Säftelehre ein: Leiden, die man auf Kälte zurückführte.
„Schmecken“ heißt hier, wie oft im Oberdeutschen, auch „riechen“. Gemeint ist ein angenehm riechender Atem.
Das Zahnfleisch.
Gicht, vor allem am Fuß.
Wörtlich übernommen. Welche Leiden genau gemeint sind, legt der Text nicht fest; eine moderne Diagnose lässt sich daraus nicht ableiten.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Roßmarin | rosemary Q122679 |
| Wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Von Roßmarinblumen Oel gemacht/ ist der Wirckung/ als der Balsam
Gewählte Lesart: Ein aus Rosmarinblüten hergestelltes Öl wirkt wie der Balsam. Das Öl ist ein Vergleich und keine Zutat des Weins, denn der Folgesatz nennt für den Wein nur den Verweis auf die anderen Weine.
Andere mögliche Lesart:
wie obberuͤrt von andern Weinen
Gewählte Lesart: Offener Verweis auf die vorher beschriebenen Weine. Diese zeigen verschiedene Verfahren: Sack im Fass mit Most (rum-1977), Einsieden in Most (rum-1978), Ziehen in Wein (rum-1979), Einsieden und ins Fass gießen (rum-1980). Keines ist für Rosmarin ausdrücklich bestimmt.
Andere mögliche Lesart:
Rosmarin im Wein (Pflanzenteil)
Gewählte Lesart: Nicht gesagt. „Blumen“ steht nur beim Öl, für den Wein nennt der Text nur „Roßmarin“.
Andere mögliche Lesart:
Grundwein oder Most
Gewählte Lesart: Nicht gesagt. Die Nachbareinträge sieden teils in Most (rum-1977, rum-1978, rum-1980), teils ziehen sie in Wein (rum-1979).
Andere mögliche Lesart:
Menge Rosmarin und Ziehzeit
Gewählte Lesart: Nicht genannt und aus dem Eintrag nicht ableitbar.
Andere mögliche Lesart:
Krebs vnd Fistel
Gewählte Lesart: Wörtlich „Krebs und Fistel“ übernommen, ohne die Krankheit festzulegen. Eine Bedeutung als fressendes Geschwür ist für diese Stelle nicht belegt.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.