Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Der Fenchelwein macht klare Augen, weckt Unkeuschheit, befreit von der Wassersucht und dem Aussatz, von Husten und Lungensucht und vermehrt die Milch. Er hilft gegen die Krankheiten der Nieren, heilt die Blattern und reinigt die Frauenkrankheit. Er öffnet die Verstopfung von Milz und Leber.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Fenchel | Fenchel | - | - | - |
| Wein | Wein | - | - | - |
Was ist das für ein Eintrag? Kein Gericht, sondern ein Heilwein aus der Reihe der Kräuter- und Gewürzweine im Wein-Anhang. Rumpolt sagt nur, wogegen der Fenchelwein helfen soll. Pflanzenteil, Weinart, Mengen und Arbeitsgang nennt er nicht.
Herstellung. Der Text gibt keine, und hier wird keine ergänzt. Bei Nachbareinträgen steht ein Verfahren dabei: Gewürz im leinenen Säcklein, durch das der Wein mehrmals geseiht wird (rum-1976), Borretsch im Most gesotten, „biß er lauter wirt“ (rum-1978), Nelken im Säcklein ins Mostfass gehängt (rum-1984). Ob eines davon für den Fenchelwein gedacht war, bleibt offen.
Fenchel und Wein. Welcher Teil des Fenchels gemeint ist, sagt der Text nicht. Wer den Eintrag heute nachempfinden will, greift am ehesten zu Fenchelsamen. Auch die Weinart bleibt offen; heute läge ein trockener, nicht zu säurebetonter Weißwein nahe. Farbe und Süße sind dabei Annahmen, kein Befund.
Praxis. Ohne Mengen und Arbeitsgang lässt sich der Eintrag nicht nachkochen. Eine Trinkmenge oder Dauer nennt der Text nicht. Die Wirkungen sind Heilkunde des 16. Jahrhunderts, kein medizinischer Rat.
Nein. Der Eintrag besteht nur aus einer Liste von Heilwirkungen, ohne Mengen und ohne Arbeitsschritte. Ein Würzwein bräuchte außerdem Ansatz und Ziehzeit.
Der Text sagt es nicht. Naheliegend ist, dass Fenchel in Wein ziehen gelassen wurde, so wie Rumpolt es bei Nachbareinträgen beschreibt: Gewürz im leinenen Säcklein (rum-1976) oder ein Säcklein im Mostfass (rum-1984). Für den Fenchelwein selbst ist das nicht belegt, sondern eine Vermutung aus der Reihe. Die Heilwirkungen sind Heilkunde des 16. Jahrhunderts, kein medizinischer Rat.
„Siechtagen“ ist ein älteres Wort für Krankheiten oder langwierige Beschwerden. „Der Nieren Siechtagen“ sind also die Nierenleiden. Rumpolt verwendet das Wort auch beim Rosmarinwein („zu allen kalten Siechtagen“).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Gemeint ist: macht die Augen klar. Lauter heißt klar, rein, ungetrübt. Bei Rumpolt steht das Wort sonst auch vom geklärten Wein („biß er lauter wirt“, rum-1978).
Wörtlich „Unkeuschheit“. Gemeint ist, dass der Wein die Geschlechtslust weckt.
Ältere Bezeichnung für krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Körper (Ödeme).
Lepra, im weiteren Sinn auch andere chronische Hautleiden. Das Wort ist in dieser Bedeutung zeitgenössisch; Rumpolt nennt es auch beim Borretschwein („für Grindt vñ Aussatz“, rum-1978).
Älterer Sammelbegriff für Lungenleiden, in erster Linie die Schwindsucht. Sucht bedeutet hier Krankheit, nicht Abhängigkeit.
Krankheiten, Leiden (mhd. siechtage). „Der Nieren Siechtagen“ sind die Nierenleiden. Rumpolt gebraucht das Wort auch beim Rosmarinwein: „zu allen kalten Siechtagen“ (rum-1981).
Blattern, also Pocken oder pockenartige Blasen der Haut. Mit der heutigen Krankheit Pocken ist nicht in jedem Fall dasselbe gemeint.
In erster Linie die Monatsblutung: Das Grimmsche Wörterbuch führt frauenkrankheit als Wort für die Menstruation (Vokabular 1482). Die Heilkunde der Zeit behandelte sie als „Reinigung“, dazu passt das Verb „reinigt“.
Milz und Leber. Verstopfungen dieser Organe waren in der Vier-Säfte-Lehre ein verbreitetes Krankheitsbild, das Kräuterweine lösen sollten.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Fenchel | fennel Q27658833 |
| Wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
reinigt der Frauwen Kranckheit
Gewählte Lesart: Reinigt die Frauenkrankheit, also fördert die Monatsblutung. Das Grimmsche Wörterbuch belegt frauenkrankheit = Menstruation, und das Verb „reinigt“ passt zur damaligen Auffassung der Monatsblutung als Reinigung.
Andere mögliche Lesart:
Blatern
Gewählte Lesart: Blattern, also Pocken oder pockenartige Blasen der Haut.
Andere mögliche Lesart:
Wein (Weinart)
Gewählte Lesart: Wein ohne nähere Angabe: Farbe, Süße und Stärke nennt Rumpolt nicht. Nördlich der Alpen war Wein im Regelfall eher dünn und sauer; ob fertiger Wein oder Most gemeint ist, bleibt offen. Die Nachbareinträge nennen teils Wein (rum-1976, rum-1985), teils Most (rum-1978, rum-1980, rum-1984).
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.