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Alte Augsburger Salami-Würste

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

SchweinHauptspeise · SchweinLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit120 Min.PortionenErgibt mehrere Salami-Würste (ca. 8,5 kg Fleischmasse)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Wer gute Salami-Würste machen will, nimmt 10 Pfund Schweinefleisch und 5 Pfund Rindfleisch, also immer zwei Drittel Schweinefleisch auf ein Drittel Rindfleisch. Das macht zusammen 15 Pfund Fleisch.

Dazu gehören 16 Lot Salz und 5 Lot Pfeffer. Der Pfeffer soll nur ein wenig zerstoßen sein, nicht ganz zerstoßen.

Ist das Fleisch gehackt, gibt man 2 Pfund Speck dazu, klein gewürfelt geschnitten. Je nachdem wie fett das Schweinefleisch bereits ist, kann man mehr oder weniger Speck nehmen. Nimm den Speck vom Rücken, nicht vom Bauch. Alles soll gut und fest zusammengedrückt werden.

Je eher man die Würste danach zum Trocknen aufhängt, desto besser. Hänge sie in der Stube oder in der Küche auf, aber niemals im Rauch und nicht zu nahe am Ofen, damit der Speck nicht zerläuft. Am besten geschieht dies im zunehmenden Mond.

Das Gehackte muss gut und fest in die Wurst eingedrückt werden, dann bleiben die Würste lange gut. Binde jede Wurst oben und unten zu und lass an beiden Enden ein Bändel stehen, an dem man sie aufhängen kann. Kehre die Würste alle zwei Tage um, damit das untere Ende nach oben kommt. Sind sie schließlich ganz ausgetrocknet, schlage sie in ein Tuch und lege sie in die Truhe.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
10 pfúnd schweinin fleisch Schweinefleisch 5 kg - -
5 pfúnd oxenfleisch 2,5 kg Rindfleisch 2½ kg - -
16 lott saltz Salz 240 g - -
5 lott pfeffer grob geschroteter Pfeffer 75 g - -
2 pfúnd speck Rückenspeck, gewürfelt 1 kg Metzger -

Welches Gericht ist das? Eine luftgetrocknete Rohwurst - eine frühe Salami: gehacktes Schweine- und Rindfleisch im Verhältnis zwei zu eins wird mit Rückenspeck, Salz und grob zerstoßenem Pfeffer versetzt, fest verdichtet, gebunden und über Wochen rauchfrei getrocknet. Keine weiteren Gewürze, kein Räuchern. Die nächste lebende Verwandtschaft ist die alemannisch-schweizerische Salami-Tradition, die bis heute "Salsiz" heißt (siehe Annotation zu "sallat").

Zusammensetzen. Das Fleisch wird gehackt und mit Salz und dem grob zerstoßenen Pfeffer versehen, danach kommt gewürfelter Rückenspeck dazu. Wie viel Speck nötig ist, hängt vom Fettgehalt des Schweinefleischs ab - mageres Fleisch braucht mehr Speck, fettes weniger. Rückenspeck statt Bauchspeck lässt sich sauber würfeln und schmiert beim Verarbeiten nicht. Alles wird anschließend fest zusammengedrückt, damit keine Luft eingeschlossen bleibt, die beim Trocknen zu Fehlstellen führen könnte.

Trocknen. Die gebundenen Würste hängen an einem trockenen, rauchfreien Ort, der nicht zu nah am Ofen liegt, damit der Speck nicht schmilzt. Alle zwei Tage werden sie gewendet, damit sich Feuchte gleichmäßig verteilt. Das Trockenkriterium ist rein sensorisch - der Text nennt weder eine Zeitspanne noch eine Zieltemperatur, sondern nur "bis sie ganz ausgetrocknet sind".

Praxis. Wer das nachvollziehen will, sollte für die Reifung eine kühle, gut belüftete Umgebung einplanen, deutlich kühler als ein beheizter Wohnraum, wie bei traditioneller Rohwurst üblich, und mehrere Wochen Zeit - nicht nur wenige Tage in einem warmen Zimmer (der Text selbst nennt weder Ort noch Dauer genauer, siehe Interpretationshinweis). Der Text setzt das Füllen der Masse in eine Wursthülle oder einen Darm stillschweigend voraus, beschreibt diesen Schritt aber nie. Ohne Kühlung, Starterkultur oder Pökelsalz ist rohe Fleischreifung nach heutigen Maßstäben ein Lebensmittelsicherheits-Risiko - für das Marktlager ist das Rezept deshalb nicht geeignet (siehe FAQ).

Ist 'Sallat' in diesem Rezept ein grüner Salat?

Nein. Trotz des irreführenden Namens beschreibt das Rezept eindeutig die Herstellung einer gewürzten, luftgetrockneten Dauerwurst, also eine frühe Form von Salami. Der gesamte Text handelt von Fleischmischung, Salzen, Pfeffern, Pressen und Trocknen - kein Blattgemüse kommt vor.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht geeignet. Die Würste müssen wochenlang an einem trockenen, rauchfreien und nicht zu warmen Ort reifen und alle zwei Tage gewendet werden, das lässt sich in einem Wochenend-Lager nicht abbilden. Wer trotzdem zeigen will, wie es geht, kann fertig durchgereifte Würste mitbringen und nur das Anmischen und Einbinden als Schauelement vorführen.

Was bedeutet 'im zunehmenden Mond' im Rezept?

Damit ist die zunehmende Mondphase gemeint. Die Vorstellung, dass sich bestimmte handwerkliche Arbeiten - darunter Trocknen, Reifen oder Einlagern von Fleisch - nach dem Mondkalender richten sollten, war in der Frühen Neuzeit ein verbreiteter Volksglaube, auch ohne dass sich dafür ein kausaler Wirkmechanismus nachweisen lässt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Welt jr gút wirst zúm sallat machen So nempt 10 pfúnd schweinin fleisch, 5 pfúnd oxenfleisch, allweg zwen tritail schweinin, ain tail oxenflesch/ das wer 15 pfúnd, soll man 16 lott saltz/ vnnd 5 lott pfeffer, soll ain wenig erstossen sein, nit gantz, vnnd so das flesch gehackt jst/ thut man erst 2 pfúnd speck darein, klain gewirfflet geschniten, darnach das schweinin flesch faist jst, mag man minder oder mer nemen, man soll den speck vom rúggen nemen vnnd nit vom wamen, vnnd das sý woll jberainandergetrúckt werden, ýe er man sý tricknet, ye pesser/ hencken sý jn stúben oder jn kúchin, doch nit jn raúch/ vnnd nit zú nach zúm offen, das der speck nit ergang, solchs soll jm zúnementen mon geschechen, vnnd soll man das geheck woll vnnd hert aintrúcken, so beleiben die wirst lang gút/ vnnd soll ain yedliche wúrst oben vnnd vnndten zúbinden, aúch bendel lassen an beden ordten, damit man die auffhencken soll, vnnd soll man die all 2 tag vmbkerenn, das vnndertail jber, vnnd wan sý gar aústricknet seind, schlagst jn ain túch vnnd legts jn kasten.
sallat

Vermutlich nicht 'Salat' im Sinne von Blattgemüse, sondern eine frühe Bezeichnung für Salami bzw. Dauerwurst. Der gesamte Text beschreibt eindeutig Fleischverarbeitung und Trocknung, keinen Gemüse-Salat. Die alemannische Dialektform 'Salsiz' (Schweizerisches Idiotikon), abgeleitet von italienisch 'salsiccia', stützt diese Lesart lexikalisch.

tritail

Gelesen als 'Drittel' (dritteil): zwei Drittel Schweinefleisch, ein Drittel Rindfleisch. Die Rechnung im Text (10+5=15 Pfund) bestätigt dieses Mischverhältnis.

wirst

Hier als Plural 'Würste' gelesen, nicht als Verbform von 'werden' - der Rezepttitel handelt durchgehend von Wurstherstellung.

zúnementen mon

Zunehmender Mond. Ein Hinweis auf volksastrologische Alltagspraxis: Fleisch- und Wurstherstellung sollte oft nach Mondphasen ausgerichtet werden, um Haltbarkeit und Reifung zu begünstigen.

ergang

Gelesen als 'zergehen/schmelzen' - der Speck soll durch zu große Ofennähe nicht schmelzen bzw. austreten.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 7 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

16 lott saltztable salt Q11254
5 lott pfefferpepper Q3143131
2 pfúnd speckbacon Q11106

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsallat

Gewählte Lesart: Als 'Salami' gelesen, eine frühe Verwendung/Anlehnung an das italienische Lehnwort, da der gesamte Rezepttext eine klassische Rohwurst-Herstellung beschreibt. Der cross-book-Zwilling mar-023 (deutsche Bearbeitung von Martino de' Rossi) beschreibt dasselbe Grundverfahren und nennt das Ergebnis dort ausdrücklich 'Salami' - das stützt diese Lesart zusätzlich als Gattungs-Parallele, auch wenn 'sallat' selbst dort nicht wörtlich vorkommt.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtlich 'Salat' (Blattgemüse oder Gemüsegericht) - Naheliegende moderne Assoziation des Wortstamms, ergibt aber inhaltlich keinen Sinn, da nirgends im Text Gemüse vorkommt, sondern ausschließlich Fleisch, Speck, Salz, Pfeffer und Trocknungstechnik beschrieben werden.

Lesarttritail

Gewählte Lesart: Als 'Drittel' gelesen (mhd. dritteil), passend zum im Text selbst vorgerechneten Mischverhältnis von zwei Dritteln Schwein zu einem Drittel Rind (10+5=15 Pfund).

Andere mögliche Lesart:

  • Unbestimmte Mengenangabe ohne festen Bruchwert - Das Wort ist im Buch selbst nur an dieser Stelle belegt, buchintern aber an zwei weiteren Stellen bezeugt (saw-004: '2 tail wasser vnnd das tritail essich' bestätigt dasselbe 2:1-Verhältnis; saw-007a: Orthographievariante 'trittail'). Eine vagere Bedeutung wie 'Anteil' ist daher unwahrscheinlich, die Drittel-Lesart bleibt die tragfähige.

Lesartergang

Gewählte Lesart: Als 'zergehen/schmelzen' gelesen, bezogen auf den Speck, der durch zu große Ofennähe nicht schmelzen soll.

Andere mögliche Lesart:

  • Allgemein 'verderben' - Ergang könnte auch allgemeiner für Verderb stehen, doch im unmittelbaren Kontext der Ofennähe ist das Schmelzen des Fetts die naheliegendere technische Sorge.

LesartReifedauer und Lagerort

Gewählte Lesart: Praxis-Empfehlung: eine mehrwöchige Reifung bei kühler, gut belüfteter Raumtemperatur einplanen, deutlich unter der Wärme eines beheizten Wohnraums, wie bei traditioneller Rohwurst/Salami üblich.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtliche historische Lesart: irgendeine unbeheizte Ecke von Stube oder Küche, für unbestimmte Dauer, bis die Wurst 'gar ausgetrocknet' erscheint - ohne Kühlung, ohne Zeitvorgabe, wie im 16. Jahrhundert praktiziert. - Der Text selbst nennt weder eine Zeitspanne noch eine Zieltemperatur, nur den Ort ('in der Stube oder Küche, nicht zu nah am Ofen') und das sensorische Trockenkriterium. Die kühlere, längere moderne Empfehlung ist eine Sicherheits-/Praxis-Ergänzung, kein Textbefund, und wird deshalb hier getrennt von der wörtlichen Quellenlage dokumentiert.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 7 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Wurst muss wochenlang aufgehängt und regelmäßig gewendet werden, bis sie durchgehärtet ist, das ist Speisekammer-Handwerk, kein Wochenend-Programm. Rohfleisch-Reifung ohne kontrollierte Temperatur- und Feuchtebedingungen ist am Lagerfeuer zudem ein Lebensmittelsicherheits-Risiko.
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.