Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Schäle die Äpfel und entferne die Kerngehäuse sauber, dann hacke sie klein. Gib 3 oder 4 Eidotter darunter. Lass ein Butterschmalz in einem kleinen Pfännlein zergehen und gieße es über die Äpfel. Tu Zimt, Zucker und Ingwer hinein und lass es backen.
Röste die Äpfel zuvor in einem Schmalz, ehe du es hackst.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| epffel | Äpfel | - | - | Feste, säuerliche Sorte wie Boskoop oder Elstar statt süßer Standardsorten - hält beim Rösten besser die Form |
| airtetter | 3-4 Eidotter | - | - | - |
| púterschmaltz | Butterschmalz | - | - | - |
| rerlach | Zimt | - | - | - |
| zúcker | Zucker | - | - | - |
| jmber | Ingwer | - | - | - |
| schmaltz | Schmalz | - | - | Butterschmalz, wenn eine mildere Note gewünscht ist |
Welches Gericht ist das? Eine klein gehackte, mit Eidotter gebundene Apfelfüllung mit Zimt, Ingwer und Zucker. Der Text nennt keinen eigenen Teigboden - vermutlich, weil Sabina Welserin ihn schon bei der Pflaumentorte (saw-070) als Grundrezept für „allen Tortenteig" eingeführt hat: die direkten Nachbarrezepte saw-071 und saw-072 verweisen für ihren Boden sogar ausdrücklich auf dieses Grundrezept zurück ('wie er verzaichnet jst no [70]'). Wahrscheinlicher als eine bodenlose Pfannenmasse ist daher, dass auch diese Apfeltorte auf dem Tortenteig aus Rezept 70 aufgebaut wird und saw-074 nur noch die Füllung beschreibt, ohne den bereits etablierten Boden zu wiederholen - anders als etwa die Mandeltorte saw-076, die laut Text ausdrücklich ohne Boden als reine Ei-Milch-Creme gebacken wird. Sicher belegt ist die Boden-Frage für saw-074 selbst aber nicht, da der Text schlicht keine Aussage dazu trifft.
Am Ende des Rezepts korrigiert ein nachgeschobener Satz die Reihenfolge: Die Äpfel sollen zuerst in Schmalz angeröstet und erst danach gehackt werden, obwohl der Haupttext vorher scheinbar Schälen, Entkernen und Hacken als ersten Schritt nennt. Küchentechnisch ergibt das Sinn: Das Rösten treibt Flüssigkeit aus den Apfelstücken und gart sie leicht vor, sodass die kurze Back-Phase mit der eingebundenen Masse durchgart statt roh oder wässrig zu bleiben. Dieselbe Technik in wechselnder Reihenfolge zu Hacken/Entkernen findet sich auch in saw-075, saw-079 und saw-080 wieder - kein Einzelfall, sondern Stil des Buchs.
Für den letzten Schritt, das Backen der fertigen Masse, nennt der Text kein Gefäß - nur das kleine Pfännlein für das separat geschmolzene Butterschmalz wird erwähnt. Andere Torten dieses Buchs backen ausdrücklich „jn ainer tortenpfannen" (saw-051, saw-089, saw-121), während ein Backofen im Buch nur dort genannt wird, wo er wirklich gebraucht wird (saw-163, Lebkuchen). Das spricht für die Tortenpfanne auch hier, sicher belegt ist es für dieses Rezept aber nicht - und passt zugleich zur Teigboden-Vermutung oben, da ein Teigboden ohnehin eine formgebende Pfanne braucht.
Praxis. Wer den vermuteten Tortenboden mitbacken will, bereitet zuerst den Grundteig aus Rezept 70 (2 Eier verschlagen, Mehl untermischen, bis dick, gut durcharbeiten) und rollt ihn als Boden für eine Tortenpfanne aus. Für die Füllung: Äpfel schälen, entkernen und in Stücke schneiden. In Schmalz kurz anrösten, dann klein hacken. 3 bis 4 Eidotter untermischen. Butterschmalz separat im kleinen Pfännchen zergehen lassen und über die Apfelmasse gießen. Zimt, Zucker und Ingwer nach Geschmack einrühren - Mengen sind nicht überliefert. In der (Torten-)Pfanne mit Deckel bei mittlerer Glut, bei Bedarf mit zusätzlicher Glut auf dem Deckel, in etwa 30 bis 40 Minuten fest backen; ohne Boden geht es ebenso als reine Pfannenmasse, dann etwas kürzer.
Rerlach ist in diesem Kochbuch der gängige Begriff für Zimt, abgeleitet von den gerollten Zimtstangen ('Zimmet-Röhrlein'). Er taucht im Buch sehr häufig auf, mal als 'zimerrerlach', mal als bloßes 'rerlach'.
Das ist eine nachträgliche Präzisierung: Die Äpfel sollen tatsächlich VOR dem Kleinhacken kurz in Schmalz angeröstet werden, nicht danach, wie es die anfängliche Reihenfolge im Text vermuten lässt. Solche Nachträge sind typisch für Sabina Welserins knappen Stil - am besten die Äpfel schälen, entkernen, in Stücke schneiden, kurz in Schmalz anrösten und erst dann klein hacken.
Ja, gut geeignet. Äpfel, Eidotter, Butterschmalz und die Gewürze sind bei Raumtemperatur unproblematisch, eine besondere Kühlung braucht es nicht. Der Text nennt für das abschließende Backen kein Gefäß - andere Apfeltorten dieses Buchs backen aber ausdrücklich in einer Tortenpfanne, während ein Backofen im Buch nur dort genannt wird, wo er wirklich gebraucht wird. Naheliegend ist also auch hier eine Pfanne mit Deckel über der Glut.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Der Text nennt hier keinen eigenen Teigboden. Sabina Welserin führt den Tortenteig bei der Pflaumentorte (saw-070) als Grundrezept für 'allen Tortenteig' des Buchs ein ('also macht man all tortentaig') - zwei direkt benachbarte Rezepte (saw-071, saw-072) verweisen dafür sogar ausdrücklich auf 'no [70]' zurück. Wahrscheinlich gilt dieser Grundteig auch für saw-074, auch wenn er hier nicht eigens wiederholt wird; saw-074 würde dann nur die Füllung beschreiben, nicht das ganze Gericht.
Das Kerngehäuse des Apfels, im Schwäbischen bis heute als 'Butzen' bekannt - auch im Schweizerischen Idiotikon belegt ('nur der butzen des obstes').
Zimt, wörtlich 'Zimmet-Röhrlein' nach den gerollten Zimtstangen. Häufigster Begriff des Buchs für dieses Gewürz.
Verkleinerungsform von 'Pfanne', also ein kleines Pfännlein - hier zum Schmelzen der Butter.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| epffel | apple Q89 |
| rerlach | cinnamon Q28165 |
| zúcker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| jmber | ginger Q15046077 |
| schmaltz | animal fat Q1423543 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
airtetter
Gewählte Lesart: Eidotter (Eigelb) - gelesen als 'air' (Eier, ai=ei-Lautung) + 'tetter' (Dotter, mit t/d-Verhärtung wie im Schwäbischen üblich).
Andere mögliche Lesart:
bachen
Gewählte Lesart: Backen in einer (Torten-)Pfanne mit Deckel über oder neben der Glut, bei Bedarf mit zusätzlicher Glut auf dem Deckel - der Text nennt für diesen Schritt kein Gefäß, aber andere Apfeltorten des Buchs backen ausdrücklich 'jn ainer tortenpfannen' (saw-051, saw-089, saw-121).
Andere mögliche Lesart:
torten (Teigboden)
Gewählte Lesart: Vermutlich wird - wie bei den benachbarten Torten-Rezepten des Buchs - der in saw-070 als Grundrezept eingeführte Tortenteig verwendet, auch wenn saw-074 ihn nicht eigens erwähnt; die direkten Nachbarrezepte saw-071 und saw-072 verweisen dafür sogar explizit auf 'no [70]' zurück.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.