Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Nimm Haferkerne, die du finden kannst. Wasche sie gründlich und verlese sie. Weiche sie in Wasser ein. Gib sie dann in süße, frische Kuhmilch und lass sie darin sieden, damit der Hafer nicht zerkocht.
Nimm zwölf Eidotter für ein Gericht und schlage sie gut durch. Nimm ein wenig Semmelmehl. Wenn du das Gericht anrichten willst, ziehe dies alles hinein und lass es danach nicht mehr sieden. Serviere es.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| haber kernn / haberchernn | Haferkerne | - | gut sortierter Supermarkt, Bio-Laden | Grobe Haferflocken (mit kürzerer Kochzeit) |
| wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| suesse chue milch | Süße Kuhmilch | - | - | - |
| xij tutter | Eidotter | 12 | - | - |
| ein wenig semel mel | Ein wenig Semmelmehl | - | - | Feine Weißbrotkrume |
Hafermus mit Dottern.
Das Rezept gart zuvor eingeweichte Haferkerne in süßer Kuhmilch und bindet sie erst beim Anrichten mit zwölf Eidottern und etwas Semmelmehl. Es ist eine herzhafte, weiche Beilage, keine Süßspeise. Die fast wortgleiche Berliner Parallelfassung b4-084 bestätigt diese Abfolge.
Nicht zerkochen.
Die Anweisung, der Hafer solle nicht „versied“ werden, bezieht sich auf die Haferkerne: Sie sollen beim Sieden nicht zerkochen. Den Garzustand kontrolliert man daher an den Körnern; sie sollen weich sein, aber noch Struktur haben. Der Text nennt keine Garzeit und kein Verhältnis von Hafer zu Milch.
Dotter erst zum Schluss.
„Wenn du anrichten willst“ leitet den letzten Schritt ein: Erst dann kommen die gut geschlagenen Dotter und das Semmelmehl in das heiße Hafermus; anschließend soll es nicht mehr sieden. Für die heutige Umsetzung bedeutet das, den Topf vor dem Einrühren vom stärksten Feuer zu nehmen und die Masse anschließend nur noch durch die vorhandene Hitze sämig werden zu lassen. Der genaue Zeitpunkt und die Zielkonsistenz bleiben im Text offen.
Ja, gut geeignet. Haferkerne und Semmelmehl lassen sich gut mitführen; Milch und Eidotter werden erst für die Zubereitung benötigt. Ein Topf und eine Möglichkeit zum mäßigen Erhitzen genügen.
Gemeint ist geriebene Semmel oder Weißbrotkrume. Sie wird zusammen mit den Eidottern zum Binden des Hafermuses verwendet.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
Haferkerne sind geschälte, aber unzerkleinerte Haferkörner. Sie müssen vor dem Kochen eingeweicht werden, um gar zu werden.
Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚gründlich‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Die Haferkerne sollen sorgfältig gereinigt und verlesen werden.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit ‚Semmelmehl‘ meist geriebene Semmel oder Weißbrotkrume gemeint, die als Bindemittel dient, nicht Weizenmehl im modernen Sinne. Eine Mehlbindung war in dieser Zeit unüblich.
Eidotter, also das Eigelb. Es dient hier zur Bindung und Anreicherung des Breis und verleiht ihm eine gelbliche Farbe.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wasser | water Q283 |
| xij tutter | yolk Q16336079 |
| ein wenig semel mel | wheat flour Q2249305 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
swel in
Gewählte Lesart: Der Begriff 'swel in' wurde als 'weiche sie ein' übersetzt, was dem Verb 'schwellen' (einweichen, aufquellen lassen) entspricht. Dies ist eine gängige Vorbereitung für Getreide wie Haferkerne.
Andere mögliche Lesart:
versied
Gewählte Lesart: Der Originalbegriff 'versied' im Kontext 'das er icht versied' wurde als 'nicht verkochen oder verdampfen' übersetzt. Dies bedeutet, dass der Haferbrei nicht zu stark reduziert oder überkocht werden soll, um die gewünschte Konsistenz zu erhalten.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Obwohl CoReMA 'wheat flour' glossiert, wurde 'semel mel' als 'Semmelmehl' (geriebene Semmel oder Weißbrotkrume) übersetzt. Im mittelalterlichen Kochkontext diente dies als Bindemittel, da eine Mehlbindung im modernen Sinne anachronistisch wäre.
Andere mögliche Lesart:
zu einem essen zu
Gewählte Lesart: Die Phrase 'zu einem essen zu' wurde als 'für ein Gericht' oder 'für eine Portion' interpretiert. Dies deutet darauf hin, dass die zwölf Eidotter für die gesamte Zubereitung des Breis bestimmt sind, nicht für eine einzelne Person.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 14.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.