Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598
Bereite es wie oben anfangs, auf welche Weise du willst. Mach einen Tortentopf und gib es hinein. Koche es in ziemlich viel Schmalz, mehr als anfangs, und gib ihm unten und oben Glut.
Wenn es ein wenig warm geworden ist, so nimm fein geriebenes Brot und Zimt, Zucker genug. Bestreiche es gut mit einem gut verklopften Ei, siebe die Mischung darauf. Danach gib ihm unten und oben gut Hitze, dass es braun und knusprig wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wie oben anfangs | Apfelmus wie oben anfangs (wec-223) | - | - | - |
| zimlich ſchmaltz | Schmalz, ziemlich viel | - | - | - |
| rein gerieben brot | Fein geriebenes Brot | - | - | - |
| Zimet | Zimt | - | - | - |
| zuckers genug | Zucker, genug | - | - | - |
| eim wolgeklopften Ey | gut verklopftes Ei | 1 | - | - |
Praxis. Zuerst das Apfelmus nach wec-223 bereiten. Eine Teigschale formen, die Masse einfüllen und in reichlich Schmalz garen, mehr als für das Mus; das Gefäß dafür nennt der Text nicht, eine flache Pfanne genügt. Wie die Glut „oben“ hinkommt, sagt der Text nicht; heute geht das mit einem gusseisernen Topf, auf dessen Deckel Kohlen liegen (modernes Hilfsmittel). Auf Sicht arbeiten: erst bei mäßiger Hitze durchwärmen, dann mit verklopftem Ei bestreichen, Brot, Zimt und Zucker daraufgeben und mit kräftiger Hitze von unten und oben bräunen, bis die Oberfläche knusprig ist. Zeiten und Mengen nennt Wecker nicht, außer „Zucker genug“.
Wecker nennt hier keinen. Der Tortentopf ist bei ihr eine Teigschale (wec-004: „von einem teig“); wer nachkocht, wählt einen festen Teig, der die feuchte Apfelmasse hält.
Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.
Tortentopf: bei Wecker die Teigschale, in der sie Torten bäckt; in wec-004 ist er „von einem teig“. Welchen Teig sie hier meint, sagt der Text nicht.
Knusprig mit harter Kruste (DWB rösch 3), nicht zu verwechseln mit roͤßlecht = rötlich.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Zimet | cinnamon Q28165 |
| zuckers genug | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ſeihe den zeug darauff
Gewählte Lesart: Das „Zeug“ ist die eben bereitgelegte Mischung aus geriebenem Brot, Zimt und Zucker, die auf die mit Ei bestrichene Masse gesiebt wird; sonst wird diese Mischung im Rezept nirgends verwendet.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 23.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.