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Kohltorte aus jungem Weißkohl

Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin köstlich new Kochbuch (~1598)

Die Torte: Nimm das Kraut, solange es noch jung ist, schneide es in vier oder mehr Teile und lass es im Wasser sieden. Wenn es schön weich ist, lege es auf ein weißes Tuch, damit das Wasser gut davon abläuft. Hacke es so fein wie möglich und bereite es zu wie zum Füllen in einem Tortentopf.

Dann klopfe noch zwei Eier gut und streiche sie rundherum darauf. Streue fein zermahlenes Brot, mit Pfeffer vermengt, darein, also die Brösel. Back sie rasch fertig, damit sie oben knusprig ist. Sie soll ordentlich Butterschmalz haben.

Weiße Fassung: Willst du es dann, so lass es und bestreiche sie nicht, behalte sie weiß und rühre eine Handvoll Brot darein.

Andere Kräuter: Auf diese Weise kann man allerhand Kräuter zubereiten, wenn es die Jahreszeit gibt, dass man sie frisch hat: etwa wenn im Leib ein Glied wie die Lunge verletzt und von Geschwüren offen ist, oder bei einem anderen Geschwür in Nieren oder Blase, oder wenn jemand von Steinen verwundet ist, und was es sonst sein mag. Bei geronnenem Blut nimmt man allerhand Wundkräuter, Körbelkraut, spitzigen Wegerich, und so fort bei anderen Leiden andere Wundkräuter, je nachdem, was der Arzt rät. Alles tut seinen Teil, und zuzeiten braucht man auch alles. Ein Kranker kann aber nicht alle Arznei gebrauchen. Nach der Regel der Ärzte muss man versuchen, was man kann, damit der Krankheit etwas zu Hilfe kommt, so wie man auch beim Trinken mit solchen Sachen vieles verbessern kann.

Kräuterpulver und Brühlein: Man gibt etwa einem Verwundeten einen Wundtrank, der innen und außen heilen soll; das tut auch im Essen gut. Und so kann man die getrockneten Kräuter pulvern und wie Gewürz brauchen, gute Brühlein an ein Fleisch oder Hühnchen oder sonst in ein Gemüse machen und bereiten. Bei der Lungensucht brauche es vor allem, damit alles Essen zu Speise und Nahrung gerichtet ist und zum Kurieren und Heilen dient, und nimm dann reichlich Rosenhonig dazu. Es hilft auch bei der Brustsucht, wie schon öfter gemeldet, samt anderen Säften, wie sie bei allen Krankheiten ordentlich beschrieben sind.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kraut/ wann es noch jung iſt Junger Weißkohl - - Frühkohl oder Spitzkohl
zwey Eyer Eier 2 - -
klein zermahlen Brot Fein zermahlenes Brot; für die weiße Fassung zusätzlich eine Handvoll - - Semmelbrösel
Pfeffer Pfeffer - - -
ziemlich Schmaltz/ daß da ſuͤß iſt Ordentlich Butterschmalz - - -
Teighafen Teig für den Tortentopf (Art und Menge nicht genannt) - - -
(erschlossen) Zusätze je nach Beschwerde (siehe Text) - - -

Praxis. Den Kohl vierteln, weich sieden, auf einem Tuch gut abtropfen lassen, sonst weicht die Füllung den Boden durch, und sehr fein hacken. In die Teigschale füllen; welchen Teig, sagt das Rezept nicht, heute geht ein einfacher ungesüßter Mürbteig (modern). Zwei verklopfte Eier rundum aufstreichen, die Pfefferbrösel aufstreuen und heiß backen (modern etwa 200 °C mit Oberhitze), bis die Oberfläche knusprig ist. Wo das Butterschmalz hingehört, in die Schale oder über die Torte, sagt der Text nicht.

„darein“. Die Brösel kommen nach dem Wortlaut „darein“. Auf die bestrichene Oberfläche passt zur knusprigen Kruste am besten; in die Masse gerührt ist ebenfalls möglich.

Welchen Kohl nehme ich für diese Torte?

Der Text verlangt jungen Kohl. Am nächsten kommen Frühkohl oder Spitzkohl, die zarter sind als lagerfähiger Winterkohl.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.

Ein herꝛliche Dorten von Kabißkraut. NJmb das Kraut, wann es noch jung iſt, ſchneids in vier oder mehr theil, laß in dem Waſſer ſieden, wann es wol lind iſt, legs auff ein weiß Tuch, daß das Waſſer wol darvon kompt, hack es zum kleineſten, bereits wie zu dem Fuͤllen inn einem Teighafen, vnd dann klopffe noch zwey Eyer wol, ſtreichs darauff hervmb, vñ ſtrewe klein zermahlen Brot von Pfeffer gemengt darein, die Broſen, bachs ſchnell hinweg, daß es oben roͤſch ſey, es ſol ziemlich Schmaltz, daß da ſuͤß iſt, haben, wiltu dann, ſo laß vnd beſtreichs nicht, behalts weiß, vnd ruͤhre ein Hand voll Brot darein. Alſo kan man allerhand Kraͤuter, wann es die zeit gibt, daß man ſie gruͤn hat, bereiten: Als wo im Leib ein Glied als die Lung verſeeret, vnd offen von geſchweren iſt, oder andern geſchwer inn Nieren, Blaſen, oder von ſteinen verwund, vnd was dann ſeyn mag, aller hand Wundkraͤuter inn gerunnen Blut, Koͤrbleinkraut, ſpitzigen Wegerich, vnd ſo fort in andern Sachen andere Wundkraͤuter, nach dem der Artz raͤth, es thut alles ſein theil, vnnd bedarffs zu zeiten auch alles, es kan auch ein Krancker nicht alle Artzney brauchẽ: Nach der Artzt Regel muß man verſuchen was man kan, das etwas der Kranckheit zu Huͤlff komme, wie auch inn dem trincken vil kan mit ſolchen ſachen verbeſſert werden. Man gibt jrgend einen Verwundten einen Wundtranck, das innen vnnd auſſen heilen ſolle, dz thut auch im Eſſen recht. Vnd alſo kan man die duͤrꝛen Kraͤuter puͤlvern, vnd wie gewuͤrtz brauchen, gute Bruͤlein an ein Fleiſch oder Huͤnlein oder ſonſten in ein Gemuͤß machen vnd bereiten, inn der Lungſucht brauchs vorab, daß alles Eſſen zur Speiß vnd Nahrung gerichtet ſey, vnd zu curieren vnd heilen, vnd da nimb dan Roſenhonig weidlich zu, es hilfft auch in der Bruſtſucht, wie mehr gemeldet, ſampt andern Saͤfften in allen Kranckheiten ordentlich gemeldet.
Teighafen

Die aus Teig aufgezogene Schale, in der Wecker Torten und Pasteten bäckt (vgl. wec-270, wec-370), im Lesetext „Tortentopf“. Ein irdenes Gefäß nennt der Text hier nicht; den Teig setzt das Rezept voraus und beschreibt ihn nicht.

Schmaltz/ daß da ſuͤß iſt

Butterschmalz. Süß heißt bei Wecker ungesalzen, im Gegensatz zu gesalzenem Fleischfett; zur Herleitung siehe wec-026.

Kabißkraut

Kohl, oberdeutsch meist Weißkohl. „Kraut“ ist hier der Kohl selbst, nicht Sauerkraut.

Koͤrbleinkraut

Kerbel (DWB körbelkraut, s. kerbelkraut). Wecker empfiehlt ihn auch in wec-435 bei geronnenem Blut.

Wundkraͤuter

Sammelbegriff für Kräuter, die man bei Wunden innerlich und äußerlich gebrauchte; Wecker nennt Körbelkraut und spitzigen Wegerich als Beispiele.

Druck
Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut
Teil
Zweiter Teil: Von allerlei gedörrtem und frischem Obst
Sprache
Frühneuhochdeutsch (oberdeutsche Druckersprache, Amberg/Oberpfalz 1597/98; Schreibung ohne ai-/kh-Formen, Küchenwortschatz oberdeutsch: Hafen, Zwetschken, Semmel, Diminutiv -lein; Verfasserin lebte in Colmar und Altdorf bei Nürnberg)
Entstehung
Amberg (Oberpfalz), 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

zwey Eyerchicken egg Q15260613
Pfefferpepper Q3143131

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 165, Bayerische Staatsbibliothek München, Res/Oecon. 2174 b Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Kernkorpus, Double-Keying Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wec-346
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt, weil es eine Torte ist: Sie braucht eine Teigschale und Backhitze, die oben eine knusprige Kruste gibt. Kohl, Eier, Brot und Butterschmalz selbst brauchen keine Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 24.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.