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Ganze Leber mit Salbei im Netz

Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598

RindHauptspeise · RindLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin köstlich new Kochbuch (~1598)

Ein anderes Rezept.

Die Leber ganz lassen und sie so zubereiten, wie zuerst bei den Spießen gesagt ist. Danach gut mit Salbei umschlagen und mit einem Netz braten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die Leber gantz Leber, ganz - Metzger -
Salbey Salbei - - -
einem Netz Netz - Metzger (vorbestellen) -

Praxis. Die Leber zuerst vorbereiten wie in den Spießrezepten davor, dann rundum mit frischen Salbeiblättern belegen und ins Netz einschlagen. Gerät, Hitze und Garzeit nennt Wecker nicht; Rost oder Pfanne über mäßiger Glut ist der naheliegende Griff. Das Vorrezept mahnt, die Leber nicht zu hart zu braten.

Welche Leber? Das Rezept nennt kein Tier. Die Spießlein in wec-371 sind für „Rehe vnd gute Kalbsleber“ geschrieben; Kalbsleber liegt deshalb nahe.

Was ist ein Netz und wo bekomme ich es?

Das Fettnetz eines Schlachttiers, heute meist vom Schwein, ein dünnes, durchbrochenes Fetthäutchen zum Einschlagen. Man bekommt es beim Metzger, oft nur auf Vorbestellung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.

Ein anders. LAß die Leber gantz, bereits wie erſtlich von Spieſſen geſagt iſt, darnach ſchlags wol mit Salbey, vnnd brate ſie mit einem Netz.
Netz

Das Fettnetz (Bauchnetz) eines Schlachttiers, meist vom Schwein: ein dünnes Fetthäutchen, in das man Fleisch oder Hackmassen einschlägt. Ein Tier nennt Wecker nicht.

bereits

Nicht das Adverb „schon“, sondern der Imperativ „bereit’s“, bereite es zu: „Lass die Leber ganz und bereite sie zu, wie zuerst bei den Spießen gesagt ist.“

Druck
Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut
Teil
Dritter Teil: Von allerlei Fleisch, Wild und Zahmem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (oberdeutsche Druckersprache, Amberg/Oberpfalz 1597/98; Schreibung ohne ai-/kh-Formen, Küchenwortschatz oberdeutsch: Hafen, Zwetschken, Semmel, Diminutiv -lein; Verfasserin lebte in Colmar und Altdorf bei Nürnberg)
Entstehung
Amberg (Oberpfalz), 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

die Leber gantzliver Q1470283
Salbeycommon sage Q1111359
einem Netzcaul fat Q662490

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschlags wol mit Salbey

Gewählte Lesart: Die Leber gut mit Salbei umschlagen, also rundum belegen, bevor sie ins Netz kommt. Gestützt auf das folgende Braten im Netz und auf wec-374, wo „beſchlags auch außwendig … mit gehacktem Speck“ das Belegen von außen meint; Lexer führt slagen auch als „umschlagen“.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Leber gut mit Salbei bestreuen oder einreiben. - In wec-372 kommt der Salbei klein geschnitten in die Begießbrühe; mit gehacktem Salbei wäre „schlagen“ eher ein Aufstreuen.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 182, Bayerische Staatsbibliothek München, Res/Oecon. 2174 b Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Kernkorpus, Double-Keying Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wec-373
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt wegen der frischen Leber, die bis zum Braten Kühlung braucht (wie wec-371/372). Ganze Leber, Salbei und Netz, gebraten am Feuer. Frische Leber und das Netz kommen vom Metzger.
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Stand dieser Fassung: 24.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.