Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Aus Reis kannst du auch ein Gebäck backen. Ebenso kannst du aus Reis ein Backwerk machen, oder, wenn du es weiß haben willst, so nimm das Weiße von den Eiern. Dann hast du ein weißes Gebäck. Den Reis dabei nicht zu weich kochen. Reibe ihn an dieser Stelle klein und nimm dazu Eiweiß.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Reisz | Reis | - | - | - |
| weiss von den ayren / ayer klar | Eiweiß | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein weißes Reisgebäck: vorgekochter, bewusst nicht zu weich gegarter Reis wird mit Eiweiß statt Eigelb zu einer hellen Masse gebunden und in der Pfanne ausgebacken - im Kern ein einfacher, mit Ei gebundener Reispfannkuchen, dessen einziger Kunstgriff die gezielte Weißfärbung ist. Am nächsten verwandt ist mha-232 ('Reisgebäck vom Spieß'), das denselben Grundgedanken ausführlicher beschreibt.
Reib in an die Stat. Am wahrscheinlichsten ist gemeint: den Reis an dieser Stelle im Ablauf klein reiben - nicht ein Verweis auf eine externe Grundmischung. Das Zwillingsrezept mha-232 formuliert denselben Schritt aus: 'reib den reiss klain vnd ayer darunder' (Reis klein reiben, Ei darunter mischen).
Praxis. Reis in Wasser kochen, aber bewusst bissfest lassen, damit er beim Reiben nicht zerfällt. Den Reis klein reiben oder zerdrücken, mit Eiweiß vermengen - Eigelb würde die Speise gelb statt weiß färben - und in der Pfanne in Fett ausbacken. Mengen für Reis und Eiweiß sowie das Backfett nennt der Text nicht; hier nach Augenmaß und mit vorhandenem Fett (Butter oder Schmalz) arbeiten.
Das Wort ist im Wörterbuch nicht eigenständig verzeichnet, im mha-Korpus aber mehrfach belegt (u.a. in mha-232). Die CoReMA-Sachglosse ordnet es als 'Gebäck/Backwerk' ein - eine in der Pfanne gebackene Speise, ähnlich einem Reispfannkuchen.
Am wahrscheinlichsten: den vorgekochten Reis an dieser Stelle klein reiben, bevor er mit Eiweiß vermengt wird. Das eng verwandte Rezept mha-232 beschreibt genau diesen Schritt ausführlicher ('den Reis klein reiben, Ei darunter'). Eine Lesart, keine gesicherte Tatsache.
Ja, sehr gut. Reis kochen, mit Eiweiß vermengen und in der Pfanne ausbacken geht am offenen Feuer in unter einer Stunde und braucht kein besonderes Equipment.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Backen/Frittieren einer Speise in der Pfanne, hier im Sinne eines Gebäcks.
Kein Hapax: die Zeichenfolge ist im mha-Korpus mehrfach belegt (u.a. mha-147, mha-232, mha-262, mha-278, mha-286), die nahe Variante 'pachens' in weiteren Rezepten. Die CoReMA-Sachglosse ordnet 'pacheins' konsistent als 'Gebäck/Backwerk' ein (Wikidata: pastry).
Hier vermutlich prozedural im Sinne von 'an dieser Stelle/hier' zu lesen (Verb+Pronomen-Konstruktion), nicht als Ersatz-Formel für eine andernorts beschriebene Grundmischung. Das Zwillingsrezept mha-232 beschreibt genau diesen Schritt ausführlicher ('reib den reiss klain vnd ayer darunder').
Eiklar, also Eiweiß - Wiederholung derselben Zutat wie 'weiss von den ayren'.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Reib In an die stat
Gewählte Lesart: Reibe ihn (den vorher gekochten Reis) an dieser Stelle im Kochablauf klein - gestützt durch das Zwillingsrezept mha-232, das denselben Schritt ausführlicher beschreibt ('nym ain reib scherem vnd reib den reiss klain vnd ayer darunder').
Andere mögliche Lesart:
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