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Mandelkäse mit Quittensaft und brauner Brühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Mandeln und Quittensaft, streiche sie mit Hausenblase durch und mache es gut süß. Setze es auf Kohlen und rühre es um, bis es aufkocht, und lass es kalt werden. Gieße es in eine Form und lass es fest werden.

Wenn du es anrichten willst, kannst du eine braune Brühe darunter geben - sei es von Weichselsauce oder von Quittensaft -, die so dick wird, dass man sie schneiden kann. So ist es lieblich und gut zu essen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Mandel Mandel - Supermarkt (Backregal) -
Quittensafft Quittensafft - gut sortierter Supermarkt -
Hausenblasen Hausenblasen - Online-Handel Blattgelatine
(erschlossen) machs wol suͤß - - Honig
Weichselsalsen Weichselsalsen - selbst gekocht aus Sauerkirschen dick eingekochter Quittensaft

Welches Gericht ist das? Die vierte Nummer aus Rumpolts Kapitel „Von mancherley art Mandelkaͤß zu machen“. Mandelkäse ist eine gesüßte Mandelmasse, die mit Hausenblase gebunden in einer Form fest wird. Mit Milchkäse hat sie nichts zu tun, und eine Sülze aus Fleisch oder Fisch ist es auch nicht. Von den Nachbarnummern unterscheidet sich diese durch den Quittensaft, mit dem die Mandeln angemacht werden, und durch die braune Brühe beim Anrichten.

Durchstreichen mit Hausenblase. „streich jn durch mit Hausenblasen“ heißt: Mandeln und Quittensaft werden zusammen mit der Hausenblase durchgestrichen, also durch ein Sieb oder Tuch gedrückt. Dabei bleibt der Mandelgrieß zurück, und das Geliermittel verteilt sich in der Masse. Ein Gerät nennt Rumpolt hier nicht, ebenso wenig, wie die Hausenblase vorbereitet ist. In der dritten Nummer des Kapitels ist sie „im Wasser gesotten“, so wird man es auch hier verstehen. Dass die Mandeln vorher gestoßen oder gerieben sind, sagt der Text nicht; ungestoßen ließen sie sich nicht durchstreichen.

Süßen. „machs wol suͤß“ nennt kein Süßmittel. Zucker liegt nahe, weil Rumpolt ihn in der sechsten Nummer des Kapitels und beim Mandelkäse im Zugemüse-Kapitel ausdrücklich nennt. Honig ist nicht ausgeschlossen.

Aufkochen und Abkühlen. Das Umrühren auf den Kohlen verhindert, dass die Mandelmasse ansetzt, das Aufkochen löst die Hausenblase vollständig. Die Masse soll erst abkühlen, bevor sie in die Form kommt; so setzen sich die Mandeln in der Form nicht ab.

Die braune Brühe. Weichselsauce oder Quittensaft, „daß dick wirt, daß mans schneiden kan“. Beim Quittensaft liegt das nahe: Lange eingekocht wird er schnittfest wie Quittenbrot. Ob die Angabe auch für die Weichselsauce gilt, lässt der Satzbau offen.

Praxis. Mandeln fein mahlen, mit Quittensaft anrühren und zusammen mit der in Wasser gelösten Hausenblase durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, mit Zucker süßen. Unter Rühren aufkochen, abkühlen lassen, in eine Form gießen und kühl fest werden lassen. Mengen nennt Rumpolt keine; wie viel Geliermittel nötig ist, muss man ausprobieren. Zum Anrichten dick eingekochten Quittensaft oder eine Sauerkirschsauce darunter geben.

Warum heißt das Gericht Mandelkäse?

Rumpolt nennt so eine gesüßte Mandelmasse, die mit Hausenblase gebunden in einer Form fest wird und sich danach schneiden lässt. Mit Milch oder Käse hat sie nichts zu tun. Woher der Name kommt, ist nicht belegt.

Was ist Hausenblase und wo bekomme ich sie?

Die Schwimmblase des Hausens, einer Störart. Sie wurde zum Schönen von Wein und zum Gelieren von Speisen verwendet. Hausenblase ist im Online-Handel erhältlich. Statt ihrer kann man Blattgelatine nehmen; die Menge muss man ausprobieren, weil Rumpolt keine Mengen nennt.

Was bedeutet „streich jn durch mit Hausenblasen“?

Mandeln und Quittensaft werden zusammen mit der Hausenblase durchgestrichen, also durch ein Sieb oder Tuch gedrückt. Rumpolt nennt hier weder ein Gerät, noch sagt er, wie die Hausenblase vorbereitet wird. In der dritten Nummer desselben Kapitels ist sie vorher in Wasser gesotten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Alle Zutaten sind haltbare Vorräte, und gekocht wird nur einmal kurz auf Kohlen. Engpass ist das Festwerden: Die Masse muss in der Form stocken und beim Anrichten kühl bleiben, bei warmem Wetter gelingt das ohne Kühlung unsicher.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Mandelkäse mit Quittensaft und brauner Brühe – Originalseite aus Ein new Kochbuch
Bl. CLXIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497
4. Nim̃ Mandel vnd Quittensafft, streich jn durch mit Hausenblasen, vnd machs wol suͤß, setzs auff Kolen, vnd ruͤrs vmb, biß auffseudt, vnnd laß kalt werden, geuß in einen Model, vnd laß gestehen, vnd wenn du es wilt an richten, so kanstu ein braune Bruͤh darvnter thun, es sey von Weichselsalsen, oder von Quittensafft, daß dick wirt, daß mans schneiden kan, so ist es lieblich vnd gut zu essen.
Hausenblasen

Die Schwimmblase des Hausens, einer Störart. Sie diente zum Schönen von Wein und als Geliermittel: In Wasser gesotten, gibt sie eine Brühe, die beim Erkalten fest wird.

streich jn durch

Durchstreichen heißt, eine Masse durch ein Sieb oder Tuch drücken, heute sagt man passieren. Rumpolt nennt hier kein Gerät.

Weichselsalsen

Salse ist eine Tunke oder Brühe (nicht Salz), Weichsel die Sauerkirsche. Eine Weichselsalse ist also eine Sauerkirschsauce; hier dient sie als „braune Brühe“ zum Anrichten.

Model

Eine Form, in die die Masse gegossen wird und fest wird.

gestehen

Fest werden, stocken.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Mandelkäse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Mandelalmond Q184357
Hausenblasenisinglass Q1255331
(erschlossen)unrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartstreich jn durch mit Hausenblasen

Gewählte Lesart: Mandeln und Quittensaft werden mit vorher in Wasser gesottener Hausenblase durchgestrichen. Gestützt auf die dritte Nummer des Kapitels („streich sie durch mit Hausenblasen/ die im Wasser gesotten ist“); ein Gerät nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Masse durch ein feines Tuch oder Sieb passieren und die gelöste Hausenblase dabei einrühren - So arbeitet man heute; küchentechnisch gleichwertig, aber das Tuch steht nicht im Text.

Lesartmachs wol suͤß

Gewählte Lesart: Mit Zucker süßen. Rumpolt nennt Zucker in der sechsten Nummer des Kapitels („wol angemacht mit Zucker“) und beim Mandelkäse im Zugemüse-Kapitel ausdrücklich.

Andere mögliche Lesart:

  • Mit Honig süßen - Der Text nennt kein Süßmittel; Honig ist nicht ausgeschlossen, im Kapitel aber nirgends belegt.

Lesartdaß dick wirt/ daß mans schneiden kan

Gewählte Lesart: Bezug offen gelassen: Der Satz kann sich auf die ganze braune Brühe beziehen. Die Übersetzung bezieht ihn deshalb auf „Brühe“, nicht nur auf den Quittensaft.

Andere mögliche Lesarten:

  • Gilt nur für den Quittensaft, der zu einer schnittfesten Masse eingekocht wird - Küchentechnisch am naheliegendsten, weil Quittensaft beim Einkochen von selbst schnittfest wird; grammatisch aber nicht erzwungen.
  • Gilt auch für die Weichselsauce - Der Satzbau trägt es; in den Nachbarnummern wird die Weichselsauce allerdings ohne solche Angabe darunter gegeben.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1586
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Mandeln, Quittensaft, Hausenblase, Zucker und Weichselsauce sind haltbare Vorräte, gekocht wird nur einmal kurz auf Kohlen. Engpass ist das Festwerden: Die Masse muss in der Form stocken und beim Anrichten kühl bleiben, bei warmem Wetter gelingt das ohne Kühlung unsicher. Gebraucht wird außerdem eine Form.
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Stand dieser Fassung: 18.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.