Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Willst du einen Mandelkäse gescheckt machen, weiß, gelb, braun und schwarz, so nimm Weichselsauce, streiche sie mit Mandeln und mit Hausenblase durch, lass es damit aufkochen und kalt werden.
Die anderen Mandeln mache gelb, die dritten blau mit Turnasol; rühre es in einem Rosenwasser darunter und gib es darunter, so wird es violett.
Und wenn du es in eine Form gießen willst, so gieße zuerst von der weißen hinein, danach von der Weichselsauce, wiederum Violett und oben darauf wieder Weiß. So macht man einen Käse, der viererlei Farben hat. Gib eine kalte Mandelmilch, die süß und weiß ist, darunter, so ist es gut und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Weichselsalsen | Weichselsauce | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Feinkosthandel | Sauerkirschsaft oder passiertes Sauerkirschkompott; Rumpolts eigene Fassung steht in rum-1558 |
| Mandeln | Mandeln | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| Hausenblasen | Hausenblase | - | Online-Handel | Blattgelatine, dosiert nach Packungsangabe |
| gelb | gelb | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Turnasol | Turnasol | - | heute schwer zu beschaffen; ob ein Handelsprodukt zum Färben von Speisen taugt, vor dem Kauf prüfen | violette Lebensmittelfarbe (moderne Hilfe) |
| Rosenwasser | Rosenwasser | - | gut sortierter Supermarkt, türkischer oder orientalischer Supermarkt | - |
| Mandelbruͤh | Mandelbrühe | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Mandelkäse, also eine mit Hausenblase gestockte Mandelmasse, hier aus mehreren verschieden gefärbten Massen in einer Form übereinander gegossen und zum Servieren gestürzt. Dazu kommt eine kalte, süße Mandelmilch. Heute am nächsten verwandt ist ein mehrfarbig geschichtetes Mandel-Blancmange.
Die Grundmasse. Wie in den Nachbarrezepten rum-1584 bis rum-1586 werden Mandeln mit Hausenblase durchgestrichen, also durch ein Sieb gedrückt, und einmal aufgekocht. Das Aufkochen ist nötig: Die Hausenblase löst sich nur in der Hitze und geliert beim Erkalten. Durchstreichen lassen sich nur zerkleinerte Mandeln; geschälte, fein geriebene Mandeln ergeben eine helle, glatte Masse.
Die Farben. Die braune Masse entsteht, indem die Weichselsauce mitgekocht wird. Gelb nennt Rumpolt ohne Färbemittel; gefärbt wird mit Safran. Die dritte Masse färbt Turnasol, in Rosenwasser angesetzt und untergerührt, violett. Die weiße Masse bleibt ungefärbt. Ein Mischungsverhältnis für das Violett nennt der Text nicht.
Die Schichten. Gegossen wird in der Reihenfolge weiß, Weichselsauce, violett, weiß. Damit die Farben getrennt bleiben, gießt man jede Schicht erst, wenn die darunter angezogen ist, und die neue Masse nur lauwarm; gießt man warm auf eine noch weiche Schicht, verlaufen die Farben. Die gelbe Masse wird hergestellt, steht aber nicht in der Schichtfolge; wer sie verwenden will, setzt sie als weitere Schicht ein.
Süße und Mandelmilch. Dass die Massen gesüßt werden, sagt dieses Rezept nicht; in den Nachbarrezepten steht es ausdrücklich, also nach Geschmack süßen. Die Mandelmilch zum Anrichten ist laut Text süß, weiß und kalt.
Praxis. Mengen und Zeiten nennt Rumpolt keine. Gemahlene, geschälte Mandeln mit eingeweichter Blattgelatine (Menge nach Packungsangabe für eine schnittfeste Masse) verrühren und in Portionen teilen: eine mit Weichselsauce, eine mit Safran, eine mit in Rosenwasser gelöstem Turnasol oder violetter Lebensmittelfarbe, eine bleibt weiß. Jede Portion unter Rühren einmal aufkochen und abkühlen lassen. Schicht für Schicht in eine mit Mandelöl gefettete Form gießen und jeweils kühl anziehen lassen; danach mehrere Stunden kühl stellen, bis alles fest ist. Stürzen und kalte, gesüßte Mandelmilch darunter gießen. Die Speise ist nicht vegetarisch, weil Hausenblase ein Fischprodukt ist.
Die Nachbarrezepte rum-1583 bis rum-1587 machen eine einzige Masse, weiß oder mit einem Saft gefärbt, und geben teils eine Sauce beim Anrichten dazu. Hier entstehen mehrere verschieden gefärbte Massen, die in der Form übereinander gegossen werden; Rumpolt nennt das Ergebnis „ein Käß, der viererley Farben hat“. In rum-1588 werden gefärbte Massen dagegen in Krebs- oder Fischformen gegossen.
Hausenblase ist im Online-Handel erhältlich. Der übliche Ersatz ist Blattgelatine, dosiert nach Packungsangabe. Beides ist nicht vegetarisch: Hausenblase ist ein Fischprodukt.
Ein Färbemittel, mit dem Rumpolt Brühen, Teig und Mandelmassen violett färbt. Häufig wird es der Färberpflanze Chrozophora tinctoria zugeschrieben; einen Wörterbuchbeleg dafür haben wir nicht gefunden. Es ist heute schwer zu beschaffen, und ob ein Handelsprodukt zum Färben von Speisen taugt, sollte man vor dem Kauf prüfen. Als moderne Hilfe dient violette Lebensmittelfarbe.
Rumpolt zählt die Farben weiß, gelb, braun und schwarz auf, und eine rote Masse kommt nicht vor. Im Nachbarrezept rum-1586 nennt er die Weichselsauce ausdrücklich eine „braune Brühe“; mitgekocht färbt sie die Mandelmasse dunkel.
Eingeschränkt. Alle Zutaten außer dem Turnasol sind gut lagerbarer Vorrat, und gekocht wird in einem Topf über der Glut. Jede Schicht muss aber in der Form an einer kühlen Stelle anziehen, bevor die nächste kommt, und das braucht Zeit. Bei Sommerhitze stockt die Masse schlecht.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Gescheckt, bunt, mehrfarbig; vgl. scheckicht im Grimmschen Wörterbuch („versicolor, varius“). Hier entsteht das Bunte durch übereinander gegossene Schichten in der Form.
Salse ist eine Tunke oder Brühe, Weichsel die Sauerkirsche. Rumpolt nennt die Weichselsalse im selben Kapitel eine „braune Brühe“ (rum-1586); sie liefert hier also das Braun der Farbaufzählung, nicht Rot. Sein eigenes Rezept für die Sauce steht in rum-1558.
Die Schwimmblase des Hausens, einer Störart. Sie diente zum Schönen von Wein und als Geliermittel: In Wasser gesotten, gibt sie eine Brühe, die beim Erkalten fest wird.
Ein Färbemittel, das bei Rumpolt violett färbt: In rum-0960 steckt er ein Stück davon in die Brühe, und sie wird „fein Violfarb“; in rum-1713 weicht er es in Rosenwasser ein und rührt es unter den Teig. Häufig wird Turnsol der Färberpflanze Chrozophora tinctoria zugeschrieben; einen Wörterbuchbeleg für diese Zuordnung haben wir nicht gefunden.
Violett, veilchenfarben; bei Rumpolt das Ergebnis der Färbung mit Turnasol.
Eine Form, in die die Masse gegossen wird und fest wird. Rumpolt nennt im selben Kapitel eine Form aus gebranntem Ton oder aus Wachs, innen mit Mandelöl geschmiert (rum-1433).
Eine mit Hausenblase gestockte Mandelmasse, die in einer Form fest wird und gestürzt werden kann; mit Milchkäse hat sie nichts zu tun. Rumpolt widmet ihr ein eigenes Kapitel, „Von mancherley art Mandelkäß zu machen“; dies ist dort die siebte Fassung.
Wörtlich „Mandelbrühe“. Gemeint ist eine Mandelmilch: Im Parallelrezept rum-1433 gießt Rumpolt „ein wenig Mandelmilch, die fein kalt und süß ist“, ebenso unter den gestürzten Mandelkäse. Eine Mandelsuppe ist bei ihm ein eigenes Gericht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Mandeln | almond Q184357 |
| Hausenblasen | isinglass Q1255331 |
| gelb | saffron Q25434 |
| Rosenwasser | rose water Q900450 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
weiß/ gelb/ braun vnnd schwartz
Gewählte Lesart: Die Aufzählung nennt die Farbpalette des Gerichts. Weiß ist die ungefärbte Mandelmasse, Gelb die zweite Masse, Braun die mit Weichselsalse gekochte Masse (Rumpolt nennt die Weichselsalse in rum-1586 eine „braune Brühe“), dazu das Violett aus Turnasol. Für Schwarz beschreibt das Rezept keine eigene Masse.
Andere mögliche Lesarten:
die dritte blaw mit Turnasol/ machs darvnter in einem Rosenwasser/ vnd gibs darvnter/ so wirt es Violfarb
Gewählte Lesart: Die dritte Mandelmasse wird mit Turnasol gefärbt, das in Rosenwasser angesetzt und darunter gerührt wird; die Masse wird dadurch violett. Dafür spricht, dass Turnasol bei Rumpolt für sich violett färbt (rum-0960) und dass er es in rum-1713 eigens in Rosenwasser einweicht und unterrührt.
Andere mögliche Lesart:
Die andern Mandeln mach gelb … widerumb Violfarb/ vnnd oben darauff wider weiß
Gewählte Lesart: Die Schichtfolge wird genau so übernommen, wie Rumpolt sie nennt: weiß, Weichselsauce, violett, weiß. Die gelbe Masse wird vorher hergestellt, in der Schichtfolge aber nicht genannt; mit ihr kommt Rumpolts Zählung „viererley Farben“ zustande.
Andere mögliche Lesart:
so geuß am ersten von weissen hinein/ darnach von der Weichselsalsen
Gewählte Lesart: Rumpolt nennt nur die Reihenfolge der Schichten, nicht, wie fest eine Schicht sein muss, bevor die nächste kommt.
Andere mögliche Lesarten:
Mandelbruͤh
Gewählte Lesart: Mandelmilch: kalt, süß und weiß unter den gestürzten Käse gegeben, wie im Parallelrezept rum-1433, das an derselben Stelle „Mandelmilch“ sagt.
Andere mögliche Lesarten:
Süßen der Mandelmasse
Gewählte Lesart: Das Rezept sagt nicht, dass die Mandelmasse gesüßt wird; süß ist ausdrücklich nur die Mandelmilch zum Anrichten.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.