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Zitronensaft mit Quittensaft sieden

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

RezeptKellerhandwerkEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Willst du einen Zitronensaft sieden, so nimm Quittensaft darunter, so wird er gut und lieblich.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Zitronsafft Zitronensaft - - -
Quittensafft Quittensaft - als Direktsaft kaufen oder im Herbst aus frischen Quitten selbst entsaften -

Welches Gericht ist das? Kein ausgeführtes Gericht, sondern ein Handgriff: Wer Zitronensaft siedet, gibt Quittensaft dazu, dann wird er „gut vnd lieblich“. Der Quittensaft soll den Zitronensaft also im Geschmack abrunden; einen weiteren Zweck nennt Rumpolt nicht. Ein festes heutiges Gegenstück gibt es nicht, am nächsten kommt ein aufgekochter Mischsaft aus Zitrone und Quitte.

Wie weit wird gesotten? Der Text sagt nur sieden, nicht bis wohin. Im Zitronenrezept desselben Abschnitts (rum-1898) wird Zitronensaft mit Quittensaft gesotten, gesüßt und in eine Form gegossen. Das legt nahe, dass auch hier weitergekocht werden kann, steht in dieser Nummer aber nicht. Wir lesen deshalb nur: beide Säfte zusammen aufkochen.

Wird gesüßt? In rum-1898 heißt es ausdrücklich „machs suͤß“, hier fehlt jeder Zucker. Er wird deshalb nicht ergänzt.

Praxis. Zitronensaft frisch auspressen, Quittensaft dazugeben und beides zusammen kurz aufkochen. Ein Verhältnis gibt der Text nicht vor, die Säfte nach Geschmack mischen. Wer den Saft weiter einkochen und süßen will, hält sich an rum-1898.

Wird daraus ein Gelee?

Das sagt Rumpolt in diesem Rezept nicht. Er schreibt nur, dass man Zitronensaft mit Quittensaft siedet und es dann „gut vnd lieblich“ wird. Ein Gelee, das in eine Form gegossen und geschnitten wird, beschreibt er im Zitronenrezept desselben Abschnitts (rum-1898); dort wird auch gesüßt.

Wo bekomme ich Quittensaft?

Quittensaft gibt es als Direktsaft zu kaufen, im Herbst lässt er sich aus frischen Quitten selbst entsaften.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Rumpolt gibt nur einen Satz ohne Mengen, ohne Garangabe und ohne Ziel. Was am Ende herauskommen soll, lässt der Text offen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

11. Wiltu ein Zitronsafft sieden, so nim̃ Quittensafft darvnter, so wirt es gut vnd lieblich.
Zitronsafft

Zitronensaft. Rumpolt gebraucht für dieselbe Frucht auch „Limonien“, so in der nächsten Nummer (rum-1906).

darvnter

Darunter im Sinn von dazu: Der Quittensaft wird mit dem Zitronensaft vermischt, nicht darunter geschichtet. So auch in der Birnen-Latwerge (rum-1897): „so geuß darvnter“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Eingemachtem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Zitronsafftlemon juice Q1375049

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsieden

Gewählte Lesart: Beide Säfte zusammen aufkochen. Der Text nennt keine Dauer und kein Ziel; eine Dickung wird nicht behauptet.

Andere mögliche Lesart:

  • Weiter einkochen, bis die Masse in eine Form gegossen und geschnitten werden kann, wie beim Zitronen-Gelee in rum-1898 und den eingedickten Quittensäften des Abschnitts - Die Nachbarrezepte legen das nahe, Nr. 11 selbst sagt es nicht. Deshalb nur als Möglichkeit, nicht als Lesart des Wortlauts.

Lesartgut vnd lieblich

Gewählte Lesart: Ohne Zucker: Der Text nennt keine Süße, „lieblich“ beschreibt nur das angenehmere Ergebnis durch den Quittensaft.

Andere mögliche Lesart:

  • Wie in rum-1898 mit Zucker süßen - Dort steht ausdrücklich „machs suͤß“. In Nr. 11 fehlt das; wer süßen will, folgt dem Nachbarrezept.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1905
LagerkücheLagerküche
Nein: Rumpolt gibt nur einen Satz ohne Mengen, ohne Garangabe und ohne Ziel. Was am Ende herauskommen soll, sagt der Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.