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Weißer Met mit doppelter Eierprobe, zu Michaelis angesetzt

The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchDas geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (~1669)

Nimm auf je drei Gallonen Wasser eine Gallone Honig. Setze das Wasser über das Feuer und lass den Honig schmelzen, bevor das Wasser zu heiß wird. Gib dann ein frisch gelegtes Ei hinein und fühle mit der Hand nach: Steigt es bis zur halben Höhe des Wassers, ist es stark genug.

Gib dann diese Kräuter hinein: Thymian, Majoran, Winterbohnenkraut, Weinrose und Lorbeerblätter, zusammen eine gute große Handvoll; das ist das Maß für zehn Gallonen. Koche es dann über lebhaftem Feuer eine halbe Stunde sehr stark und nicht länger. Nimm es vom Feuer und lass es in zwei oder drei hölzernen Gefäßen abkühlen. Lass es vierundzwanzig Stunden stehen, ohne zu rühren.

Gieße es dann vorsichtig ab und lass den ganzen Bodensatz zurück. Gib das Klare in dein Fass. Wenn du Gewürz magst, nimm Ingwer, Muskatnuss, Zimt, Muskatblüte und Nelken, zerstoße sie ein wenig, gib sie in einen Beutel und lass ihn in deinem Fass hängen.

Bevor du den Met ins Fass gibst, prüfe, ob er ein Ei so breit wie ein Penny trägt. Tut er das, ist er sehr gut, und ist er mit dem besten weißen Honig gemacht, ist er meist genau so.

Sollte er aber zu stark geraten, sodass er das Ei breiter trägt, koche noch ein wenig Honig und Wasser sehr schwach und gib es dazu, wenn es kalt ist. Fülle ihn dann ins Fass.

Am besten setzt du ihn zu Michaelis an und trinkst nicht vor der Fastenzeit davon.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
three Gallons of water Wasser 3 Gallonen - -
one Gallon of honey Honig (am besten weißer Honig) 1 Gallone - -
a New-laid-egg frisch gelegtes Ei für die Eierprobe 1 - -
Thyme Thymian - - -
Sweet-marjoram Majoran - - -
Winter-savoury Winterbohnenkraut - Gartencenter, Kräutergärtnerei Bohnenkraut
Sweet-bryar Weinrose - Baumschule, Hecke (Wildstrauch) -
Bay-leaves Lorbeerblätter - - -
Ginger Ingwer (optional) - - -
Nutmeg Muskatnuss (optional) - - -
Cinnamon Zimt (optional) - - -
Mace Muskatblüte (optional) - - -
Cloves Nelken (optional) - - -

Was ist das? Ein Met aus einem Teil Honig auf drei Teile Wasser, mit einer Handvoll Kräuter gekocht, abgesetzt und im Fass gelagert. Der Gewürzbeutel ist freigestellt. Am nächsten stehen im Buch dig-040 und dig-101: dasselbe Verhältnis, ähnliche Kräuter, ebenfalls eine halbe Stunde scharfes Kochen, dann Abgießen und ein Gewürzbeutel. Abschäumen und Klären, die dort stehen, fehlen hier.

Honig lösen und erste Probe. Das Wasser darf nicht zu heiß werden, bevor der Honig geschmolzen ist. Für die Probe greift die Hand hinein und fühlt, wo das Ei sitzt, das geht nur in erträglicher Wärme; dig-040 sagt ausdrücklich, das Feuer solle so sanft sein, dass die Hände es aushalten. Das Ei soll bis zur halben Höhe des Wassers steigen. Warum ein frisch gelegtes Ei, sagt Digby nicht.

Kräuter und Kochen. Die Handvoll gilt für alle fünf Kräuter zusammen und für zehn Gallonen. Gekocht wird über lebhaftem Feuer, sehr stark und nicht länger als die halbe Stunde. Einen Grund nennt Digby nicht. Dass die Kräuter herausgenommen werden, sagt er ebenfalls nicht; beim Abgießen bleibt nur „all the dregs“ zurück.

Abgießen und zweite Probe. In den Holzgefäßen setzt sich der Bodensatz ab, deshalb das Stehen ohne Rühren und das vorsichtige Abgießen. Digby nennt das Füllen ins Fass vor der zweiten Probe, meint aber ausdrücklich: Geprüft wird vorher, am Klaren. Durch das Kochen ist der Met stärker als beim Aufsetzen, darum liegt das Ziel höher: Das Ei soll nun ein Stück in Penny-Breite zeigen. Trägt er es breiter, kommt schwaches Honigwasser dazu, gekocht und kalt. Eine Menge nennt Digby nicht, das Ei bleibt der Maßstab.

Gärung mit der Fasshefe. Digby nennt keine Hefe. Der gekochte Sud bringt selbst keine Hefe mit, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein Fass, das immer wieder für Met oder Wein dient, trägt im Holz eine eingefahrene Hefe. Über die vielen Ansätze haben sich darin die gärkräftigen Stämme durchgesetzt, und sie gären den Ansatz zuverlässig durch. Ein Verspunden oder ein Abziehen vom Bodensatz erwähnt Digby nicht. Die lange Spanne von Michaelis bis zur Fastenzeit ist die einzige Zeitangabe.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
1 Gallone Honig auf 3 Gallonen Wasser, Einkochen nicht beziffert309-476 g/l1,119-1,184119-18427,9-41,018,4-28,3 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Maß gemessen, die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen nicht (eine halbe Stunde sehr starkes Kochen); die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind die Kräuter, der Gewürzbeutel, der beim Abgießen zurückbleibende Bodensatz und das schwache Honigwasser, mit dem Digby einen zu starken Met nach der zweiten Eierprobe verdünnt.

Praxis. Ohne ein eingefahrenes Fass setzt man heute Weinhefe zu. Kleinere Ansätze ergeben sich aus dem Verhältnis, die Kräuter gehen entsprechend zurück.

Wie funktioniert die Eierprobe?

Je mehr Honig gelöst ist, desto höher trägt die Flüssigkeit das Ei. Digby prüft zweimal: Vor dem Kochen soll das Ei bis zur halben Höhe des Wassers steigen, vor dem Einfüllen ins Fass soll es ein Stück so breit wie ein Penny über den Met tragen. Trägt der Met es breiter, verdünnt Digby ihn mit schwachem, kaltem Honigwasser.

Gärt dieser Met?

Ja. Digby nennt keine Hefe, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein immer wieder für Met oder Wein benutztes Fass trägt im Holz eine eingefahrene Fasshefe, die den Ansatz zuverlässig durchgärt. Der gekochte Sud selbst bringt keine Hefe mit. Wer heute ohne ein solches Fass arbeitet, setzt Weinhefe zu.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Der Met steht nach dem Kochen vierundzwanzig Stunden und liegt dann von Michaelis bis zur Fastenzeit im Fass. Gärung und Lagerung über Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.

TO MAKE WHITE MEATH Take to every three Gallons of water, one Gallon of honey and set the water over the fire, and let the honey melt, before the water be too hot; then put in a New-laid-egg, and feel with your hand; if it comes half way the water, it is strong enough; Then put into it these Herbs, Thyme, Sweet-marjoram, Winter-savoury, Sweet-bryar, and Bay-leaves, in all a good great handful; which a proportion for ten Gallons; Then with a quick-fire boil it very fast half an hour, and no longer; and then take it from the fire, and let it cool in two or three woodden vessels; and let it stand without stirring twenty four hours. Then softly drain it out, leaving all the dregs behind. Put the clear into your vessel; and if you like any spice, take Ginger, Nutmeg, Cinnamon, Mace and Cloves, and bruise them a little, and put them in a bag, and let them hang in your vessel. Before you put your Meath into the vessel, try if it will bear an Egg as broad as a peny; if it do, then it is very well; and if it be made with the best White-honey, it usually is just so. But if it should prove too strong, that it bears the Egge broader; then boil a little more honey and water very small, and put to it, when it is cold: and then put it into the vessel. It is best to be made at Michaelmas, and not drunk of till Lent.
Gallon

Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.

a peny

Englische Silbermünze. Hier gibt sie die Breite des Eistücks an, das über den Met ragt.

Winter-savoury

Winterbohnenkraut (Satureja montana), ein mehrjähriges Würzkraut.

Sweet-bryar

Weinrose oder Eglantine (Rosa rubiginosa), nicht Brombeere. Digby nennt hier keinen Pflanzenteil; in anderen Rezepten des Buchs sind es meist die Blätter.

Michaelmas

Michaelis, der 29. September.

Lent

Die vorösterliche Fastenzeit.

Druck
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.
Teil
Met und Metheglin
Sprache
Frühneuenglisch (London 1669, Restaurationszeit), Rezeptsammlung des Naturphilosophen Sir Kenelm Digby (1603-1665) mit vielen namentlich genannten Gewährsleuten aus England und vom Festland (Lüttich, Antwerpen); Maße nach englischem Weinmaß (Gallon, Pottle, Quart)
Entstehung
London, 1669

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

three Gallons of waterwater Q283
one Gallon of honeyhoney Q10987
Sweet-marjorammarjoram Q22694
Gingerginger Q15046077
Nutmegnutmeg Q83165
Cinnamoncinnamon Q28165
Macemace Q1882876
Clovesclove Q15622897

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartif it comes half way the water

Gewählte Lesart: Das Ei steigt im Honigwasser bis zur halben Höhe. Digby gebraucht dieselbe Wendung für eine Höhe (dig-208: „the Vinegar coming up half way the flesh“), und in dig-040 steigt das Ei ebenso vom Boden auf. Deshalb auch das Fühlen mit der Hand im noch nicht zu heißen Wasser.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Ei ragt zur Hälfte aus der Flüssigkeit. - Passt nicht: Das wäre vor dem Kochen schon weit mehr als die Penny-Breite, die Digby danach als richtig nennt und über der er den Met für zu stark hält.

Lesartboil a little more honey and water very small

Gewählte Lesart: „Small“ heißt schwach, wie in dig-016 („very small well Brewed Ale“): ein schwaches Honigwasser, das den zu starken Met verdünnt.

Andere mögliche Lesart:

  • Honig und Wasser stark einkochen. - Das machte den Zusatz stärker und widerspräche dem Zweck.

LesartGärung und Hefe

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Hefe. Die Gärung trägt die Fasshefe, also die im Holz eingefahrene Hefe eines immer wieder für Met oder Wein benutzten Fasses; der gekochte Sud bringt selbst keine Hefe mit. Es folgen Absetzen, Abgießen und Lagern bis zur Fastenzeit.

Andere mögliche Lesart:

  • Digby setzt eine Hefegabe stillschweigend voraus. - Andere Rezepte des Buches nennen Hefe ausdrücklich, im verwandten dig-040 ist Bierhefe ein Beschleuniger. Hier steht sie nicht, daher wird nichts ergänzt.

Originalwerk (~1669) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 90, The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened (London 1669), Mikrofilm der Reihe Early English Books 1641-1700 via archive.org
Transkription
Project Gutenberg #16441, nach der Ausgabe von Anne Macdonell (London: Philip Lee Warner 1910) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/dig-077
LagerkücheLagerküche
Nach dem Kochen steht der Met vierundzwanzig Stunden, dann liegt er von Michaelis bis zur Fastenzeit im Fass. Gärung und Lagerung über Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.