Markknochen mit Rosinen, Wein, Zucker und Zimt
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Geröstetes Weißbrot mit Rindfleischbrühe begießen. Kleine Rosinen mit dem Fett in einer Pfanne anschwitzen und mit Wein, Zucker und Zimt abschmecken.
Dann über die Markknochen geben. Wenn man zu Tisch tragen will, mit Zucker bestreuen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Marckknochen | Markknochen | - | Metzger | - |
| Geroͤſtet Weißbrot | Geröstetes Weißbrot | - | - | - |
| Rindfleiſchbruͤh | Rindfleischbrühe | - | - | - |
| kleinen Roſin | kleine Rosinen | - | - | - |
| dem feiſte | das Fett | - | - | Rindertalg |
| Wein | Wein | - | - | - |
| Zucker | Zucker | - | - | - |
| Caneil | Zimt | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gegarte Ochsenmarkknochen mit einer süßen Sauce aus kleinen Rosinen, Wein, Zucker und Zimt, dazu geröstetes Weißbrot, das in Rindfleischbrühe getränkt ist. Beim Auftragen kommt noch Zucker darüber.
Die Knochen. Der Text setzt gegarte Markknochen voraus und sagt nicht, wie sie gegart werden. Die Nachbarrezepte derselben Reihe sieden sie mit dem anhaftenden Fleisch gar (ron-0068, ron-0070); die Brühe davon dient als Rindfleischbrühe.
Das Fett. „mit dem feiſte“ nennt ein schon vorhandenes Fett. Am nächsten liegt das Fett, das beim Sieden der Knochen auf der Brühe schwimmt; in ron-0068 kommt „das feiſte“ ebenso mit der Brühe in den Topf.
Anschwitzen. Die Rosinen werden im heißen Fett angeschwitzt, bis sie aufquellen und glänzen; eine Farbe verlangt der Text nicht, also nicht bräunen. Wein, Zucker und Zimt löschen ab und machen daraus eine Sauce.
Anrichten. Der Text sagt nur, dass die Rosinen über die Markknochen kommen. Wo das getränkte Brot liegt, bleibt offen; in der Reihe kommen die Knochen sonst über das Brot (ron-0069).
Praxis. Markknochen mit Fleisch in gesalzenem Wasser etwa 1,5 bis 2 Stunden schwach sieden, das Fett von der Brühe abschöpfen. Weißbrotscheiben rösten und mit heißer Brühe begießen. Kleine Rosinen in etwas abgeschöpftem Fett bei mittlerer Hitze anschwitzen, mit einem Schuss Wein ablöschen, mit Zucker und Zimt abschmecken und kurz einkochen lassen. Die Knochen auf das Brot setzen, die Rosinen darübergeben und vor dem Auftragen mit Zucker bestreuen. Die Zubereitungszeit von etwa 2 Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Der Engpass sind die frischen Markknochen vom Rind, die bis ins Lager eine Kühlkette brauchen. Am Feuer selbst ist es einfach: ein Topf zum Sieden der Knochen, eine Pfanne für die Rosinen, dazu geröstetes Brot.
Welches Fett ist mit „dem feiſte“ gemeint?
Der Text sagt es nicht ausdrücklich. Am nächsten liegt das Fett, das beim Sieden der Markknochen auf der Brühe schwimmt und sich abschöpfen lässt. Wer keine selbst gekochte Brühe hat, kann Rindertalg nehmen. Die Rosinen werden darin angeschwitzt, nicht gebräunt.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Rindfleiſchbruͤh | meat stock Q67860017 |
| dem feiſte | stock Q3075310 |
| Wein | wine Q282 |
| Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| Caneil | cinnamon Q28165 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
mit dem feiſte
Gewählte Lesart: Das Fett, das beim Sieden der Markknochen mit dem Fleisch auf der Brühe schwimmt. Der bestimmte Artikel verweist auf ein schon vorhandenes Fett, die Rindfleischbrühe steht im selben Satz, und im ersten Rezept der Reihe (ron-0068) kommt „das feiſte“ zusammen mit der Brühe in den Topf.
Andere mögliche Lesarten:
- Ausgetretenes Mark aus den Knochen - Mark ist in dieser Reihe das naheliegende Fett, doch Rontzier nennt es sonst „Marck“; „feiſte“ heißt allgemein Fett (Lexer, Grimm).
- Rohes Rinderfett (Talg) - Rumpolt nennt „roh Rindtfeißt“ als eigene Zutat (rum-0072). Hier fehlt das „roh“, und der Artikel spricht für ein Fett aus dem Gericht selbst.
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Stand dieser Fassung: 28.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
